Nachfolge

Das Lebenswerk sichern

Die eigene Unternehmensnachfolge zu regeln ist ein komplexes Thema, das Firmeninhaber oft aufschieben. Doch wer die Übergabe rechtzeitig und systematisch angeht, kann sie gezielt und nach den eigenen Wünschen gestalten. EVA MÜLLER-TAUBER

Christof Babinsky, Vater Horst Babinsky ASB GlassFloor // ASB SquashCourts Systembau Horst Babinsky GmbH
© Wolf Heider-Sawall Christof Babinsky (r.) mit seinem Vater Horst

Die Zeiten sind vorbei, in denen ein Firmeninhaber sein Unternehmen bei Eintritt in den Ruhestand fast automatisch an die nächste Generation weitergab. Diese Erfahrung musste auch Karl Ruppert (76) machen. Zwar führte seine Tochter Susanne bis vor kurzem als Vorstandsvorsitzende die Geschäfte seiner 1962 gegründeten K&L GmbH & Co. Handels-KG in Weilheim. Doch weder sie noch ihre Schwester Simone wollten das Geschäft übernehmen. Seit dem 1. September 2017 ist die Firma nun nicht mehr in Familienbesitz.

Immerhin ist der neue Eigner kein Fremder. Finanzvorstand Jens Bächle (42) übernahm die Firmenanteile der Familie und fungiert jetzt als alleiniger Geschäftsführender Gesellschafter des Traditionsunternehmens. Es handelt sich bei dieser Nachfolgelösung also um einen MBO – einen Management Buy-out, bei dem ein oder mehrere Mitarbeiter die Firma übernehmen. „Dieser Schritt ist uns nicht leicht gefallen. Schließlich endet damit für uns auch ganz persönlich ein Stück Lebenswerk“, so die Familie. Eine geordnete und zukunftsfähige Nachfolgeregelung zu finden sei bei der Neuausrichtung oberstes Ziel gewesen.

Wie das oberbayerische Traditionsunternehmen, so stehen in den nächsten Jahren viele inhabergeführte Betriebe vor dem Generationswechsel. Bis zu einem Sechstel aller Unternehmen sind allein in den kommenden zwei Jahren bundesweit betroffen, heißt es in einer Studie der KfW-Bankengruppe. Auf Bayern bezogen, wären dies mehr als 100 000 Firmen mit rund 800 000 Arbeitsplätzen, errechnete der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK).

Selbstbewusste junge Generation

„Die Unternehmensnachfolge zu sichern, wird für den bayerischen Mittelstand zu einer immer größeren Herausforderung“, sagt BIHK-Präsident Eberhard Sasse. Die Gründe hierfür sind deutschlandweit dieselben. „Zum einen erreichen immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer das Ruhestandsalter“, so Sasse. Zum anderen komme hinzu, dass viele Seniorchefs das Thema Nachfolge vermeiden und das Planen des Abschieds aus dem Unternehmen vor sich herschieben. „Damit steigt das Risiko, dass die Übergabe nicht optimal geregelt werden kann“, warnt BIHK-Präsident Sasse. Nicht zuletzt gehe die selbstbewusste junge Generation zunehmend eigene Wege, was eine Übergabe innerhalb der Familie nicht gerade erleichtere.

Davon kann Unternehmer Horst Babinsky (78) ein Lied singen. Seine beiden älteren Kinder wählten eine Karriere außerhalb des Famlienbetriebs und schieden für die Nachfolge aus. Schließlich war es der Jüngste, der die väterliche Firma zusammen mit einem strategischen Investor übernahm. „Es reicht nicht, einen potenziellen Nachfolger fürs Unternehmen in der Familie zu haben“, weiß Babinsky. „Dieser muss die Übernahme auch wirklich wollen, entsprechend ausgebildet sein sowie reif genug, um ein Unternehmen zu leiten.“

Scheidet ein familieninterner Wechsel an der Spitze aus, muss ein externer Interessent her. Einen passenden Käufer aufzuspüren ist jedoch nicht immer leicht. Laut dem DIHK-Nachfolgereport 2016 finden vier von zehn Firmeninhabern keinen geeigneten Kandidaten für ihr Unternehmen. Gleichzeitig steigt die Anzahl der Firmenchefs, die einen Nachfolger wollen oder alters- beziehungsweise krankheitsbedingt brauchen. So wird die Schere zwischen Übergebern und potenziellen Übernehmern kaum kleiner. Trotz oder gerade wegen dieser Hürden dürfen Unternehmer die Nachfolgefrage nicht allzu lange vor sich herschieben. „Firmeninhaber sollten einen natürlichen Instinkt besitzen, den Generationswechsel anzugehen und so ihr Lebenswerk zu sichern“, betont Sonja Gehring, Nachfolgeexpertin bei der IHK für München und Oberbayern. „Nachfolge muss Chefsache sein und kann doch nur im Team gelingen“, so die Expertin.

Wo aber fangen Unternehmer am besten an? Erfolgsfaktoren seien unter anderem eine offene Kommunikation und die Bereitschaft, auch familiäre sowie persönliche, emotionale Aspekte anzusprechen, rät Gehring. Zu den technischen Fragen einer Nachfolge gibt es ein breites Unterstützungs- und Beratungsangebot der IHK, der Steuer-, Rechts- und Unternehmensberater. „Nutzen Sie unseren Service, und binden Sie Berater in Ihr Team ein!“, appelliert Gehring an Firmenchefs.

Unerlässlich für die solide Planung und Abwicklung einer Nachfolge sind in der Regel Steuer- und Rechtsberater, also gegebenenfalls ein Rechtsanwalt und auf jeden Fall ein Notar. Die Experten loten rechtliche wie steuerliche Möglichkeiten sowie Vor- und Nachteile verschiedener Nachfolgevarianten aus. Sie informieren auch, welche Absicherungen es für den übergebenden Unternehmer gibt, etwa Nießbrauchregelungen oder laufende Geldrenten.

Außerdem kümmern sie sich um die Vertragsgestaltung. „Dabei dürfen sich die Beteiligten nicht zu sehr in Details verlieren“, warnt Robert Martin (37), Notar in Altötting. So sollten bei einer familieninternen Übergabe die Verpflichtungen vor allem zwischen Übergeber und Übernehmer vereinbart werden und nicht noch dessen Rechtsnachfolger mit Bürden wie etwa extrem langen Auszahlungsverpflichtungen belastet werden.

Notfallkoffer für den Ernstfall

Auch Martin empfiehlt dringend, rechtzeitig zu handeln: „Dann kann der Unternehmer das Ganze kontrolliert vornehmen und dafür sorgen, dass sein Lebenswerk nicht zerstört wird.“ Er könne bestimmen, zu welchen Bedingungen sein Betrieb an wen übergeben wird. Sollen an den Übergeber gewisse monatliche Geldzahlungen geleistet werden? Eine Leibrente? Will er Nießbrauchrechte nutzen? Diese Regelungen könne ein Unternehmer nur treffen, solange er sich nachweislich in einem geistig fitten Zustand befindet, er also zum Beispiel keinen schweren Schlaganfall erlitten hat. Ein Grund mehr, den sogenannten Notfallkoffer frühzeitig zu packen, auch wenn eine Nachfolge vermeintlich noch in weiter Ferne liegt. Er enthält das Testament sowie Generalvollmachten (Vorsorgevollmachten). Dann ist klar, wer im Fall der Fälle die Firma weiterführt. „Sonst kann es passieren, dass ein Außenstehender und kein Familienangehöriger als amtlicher Betreuer bestimmt wird und die Geschäfte übernimmt“, so Martin. „Dieser muss von unternehmerischen Abläufen aber nicht zwingend eine Ahnung haben.“ Und das wäre womöglich verheerend für den Betrieb.Nachfolge