Unternehmensnachfolge

Den Übergang bewältigen

Die Übergabe eines Unternehmens ist ein komplexer Prozess. Wie sinnvoll es ist, sie in einzelnen Phasen anzugehen, belegt der harmonische Generationswechsel beim Familienunternehmen Empl. EVA ELISABETH ERNST

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Tobias Empl, Geschäftsführender Gesellschafter Empl Anlagen GmbH & Co. KG mit Vater Martin (l.) Foto: Empl Anlagen

Schon als Grundschüler wusste Tobias Empl, dass er eines Tages ins Familienunternehmen, die Empl Anlagen GmbH & Co. KG in Schwindegg, einsteigen würde. „Ich bin ja quasi im Betrieb aufgewachsen und habe dort jeden Nachmittag rumgebastelt und später auch mitgeholfen“, erinnert sich der 37-Jährige.

Für seinen Vater Martin Empl (66) war der Fall dagegen nicht ganz so eindeutig. Als er im Jahr 1998 vor der Entscheidung stand, eine neue Halle zu bauen, fragte er seinen Sohn klipp und klar, ob der bereit wäre, das Unternehmen weiterzuführen. „Ansonsten hätten wir wohl nicht gebaut“, so Martin Empl. Das entschiedene Ja seines damals 18-jährigen Sohnes überzeugte ihn. Die Halle wurde errichtet – das gab dem Unternehmen, das sich auf Behälter und Anlagen für Pharma-, Chemie-, Kosmetik- und Lebensmittelindustrie konzentriert, einen kräftigen Schub: 1998 beschäftigte Empl Anlagen zwölf Mitarbeiter, heute sind es knapp 50.

Tobias Empl wuchs Schritt für Schritt ins Unternehmen hinein. Er startete nach einer Ausbildung zum Behälter- und Apparatebauer als Geselle im elterlichen Betrieb und legte die Meisterprüfung ab; Fortbildungen zum Maschinenbau- sowie zum Schweißtechniker folgten. 2004 holte ihn der Vater als Projektleiter zu sich ins Büro, ernannte ihn zum Co-Geschäftsführer und überschrieb ihm 49 Prozent der Unternehmensanteile. Elf Jahre später übertrug er ihm die restlichen 51 Prozent. Seither ist Tobias Empl Geschäftsführender Gesellschafter, sein Vater fungiert auf Anraten des Notars als Prokurist: „Damit bleibt das Unternehmen handlungsfähig, falls meinem Sohn etwas zustoßen sollte“, erklärt der Senior.

Dass die Unternehmensnachfolge im Hause Empl so reibungslos über die Bühne ging, liegt zu einem großen Teil daran, dass sich die gesamte Familie sehr bewusst mit diesem Thema auseinandersetzte. „Wir haben viel diskutiert und uns sehr gründlich informiert, damit alles glatt und friedlich abläuft“, sagt Empl senior. Er holte sich nicht nur Rat bei Steuerberatern und Notaren, sondern schaute auch bei Unternehmern in seinem persönlichen Umfeld genau hin, welche Nachfolgeregelungen erfolgreich waren. „Mir war es wichtig, dass im Unternehmen nur einer das Sagen hat“, unterstreicht er. Daher suchte er auch eine für alle zufriedenstellende Lösung, um seine Tochter aus Privatmitteln auszubezahlen. „Das haben wir alles gemeinsam besprochen und dann notariell geregelt.“ Tobias Empl hat zuletzt im Unternehmen viel digitalisiert sowie für klare Abläufe und Strukturen gesorgt. Der Rollenwechsel vom Gesellen zum Chef sei für ihn kein Problem gewesen: „Ich war 24 Jahre alt, als ich Geschäftsführer wurde, und hatte elf Jahre Zeit, in diese Rolle hineinzuwachsen.“ Dass der Faktor Zeit eine wichtige Rolle bei einem erfolgreichen Generationswechsel spielt, bestätigt Unternehmensberater Holger Habermann (53), der den Standort München von K.E.R.N – Die Nachfolgespezialisten leitet. „Auf der sachlichen Ebene ist es wichtig, die Übergabe früh genug und proaktiv zu planen, da die wichtigen Themen und Prozesse zeitintensiv sind“, sagt Habermann.

Dazu zählen für ihn unter anderem die Ausbildung des Nachfolgers, die Planung der Finanzierung, aber auch steuerliche Aspekte und die Altersvorsorge des Seniors. Häufig unterschätzt werden laut Habermann jedoch die Emotionen und der Umgang mit ihnen: „Hier hilft der kontinuierliche Austausch zwischen dem Übergebenden, dem Übernehmenden und den anderen Beteiligten, der durch die Einbindung eines Beraters gefördert werden kann.“ Wenn die Werte des abtretenden Unternehmers und seines Nachfolgers übereinstimmen, vereinfacht dies das Projekt zunächst. „Sieht das Übergabeduo die Welt gleich oder ähnlich, wird der Prozess weniger Konflikte aufweisen, denn beide beurteilen aus dem gleichen Blickwinkel“, erklärt Beatrice Rodenstock (44), Geschäftsführende Gesellschafterin der Rodenstock-Gesellschaft für Familienunternehmen mbH in München. Darin sieht die Beraterin jedoch auch Nachteile. „Das ist nicht unbedingt die Basis für eine innovative und zukunftsfähige Unternehmenskultur“, warnt sie.

Viel wichtiger sei es, die mitunter unterschiedlichen Werte von Übergeber und Übernehmer zu kennen und sich der verschiedenen Sichtweisen und deren positiver Aspekte bewusst zu sein. Dies gelte vor allem für Werte wie Vertrauen, Offenheit und die Art zu kommunizieren. Damit gibt es innerhalb der Familie Empl keine Probleme: Der Senior empfindet es als ausgesprochene Erleichterung, dass er die Geschäftsführung komplett abgegeben hat. „Ich bin zwar noch jeden Tag im Betrieb, halte mich aber lieber in der Werkstatt als im Büro auf.“ Sein Sohn trägt die komplette unternehmerische Verantwortung, bespricht wichtige Entscheidungen aber mit seinem Vater. „Auch wenn wir manchmal unterschiedliche Meinungen haben, kommen wir doch immer zu einvernehmlichen Lösungen“, sagt Tobias Empl. Er ist froh, dass sein Vater noch im Unternehmen mitarbeitet, und schätzt vor allem dessen innovative Ideen: „Wenn wir etwas Neues einführen wollen, ist er der Letzte, der etwas dagegen hat.“

Den kompletten Rückzug aus dem Betrieb plant Martin Empl für Anfang 2018, wenn seine Frau Anna in Rente geht, die für den Einkauf und die Finanzen im Betrieb zuständig ist. Dann will sich Empl senior ausgiebig um die Enkelkinder kümmern – und um seinen Oldtimer.