Codello

"Nach drei Stunden ausverkauft"

Codello hat sich auf hochwertige Tücher und Schals spezialisiert. Wie es dem Familienbetrieb gelingt, trotz zunehmender Konkurrenz zu wachsen. SUSANNE FRANK

codello_miriam_michael_schnabl_1
Miriam und Michael Schnabel, Geschäftsführer der Codello Lifestyle Accessories GmbH

Wenn Codello-Chef Michael Schnabl (40) aus den Fenstern seines Firmengebäudes in Inning blickt, sieht er Wiesen bis zum Horizont. Dahinter liegt der Ammersee, bei Föhn kann der Unternehmer sogar die Zugspitze erkennen. Die Aussicht ist oberbayerisch, der Firmenname weist auf andere Wurzeln hin: Codello heißt das mittelständische Unternehmen, weil ein italienischer Einwanderer gleichen Namens es einst gründete.

Das war in den 1920er-Jahren. Heute ist Codello im Besitz der Familie Schnabl, die aus dem Kleinbetrieb einen führenden Hersteller von Modeaccessoires gemacht hat. Neben den Eltern von Codello-Chef Michael Schnabl ist auch seine Schwester Miriam im Betrieb tätig. Einfach ist es nicht, als deutsches Unternehmen im Modemarkt zu bestehen. Der sei heftig umkämpft und werde ständig härter, sagt Schnabl. Schließlich gebe es immer weniger Verkaufsstellen, an denen die Produkte den Endkunden präsentiert werden können. „Der Handel konzentriert sich. Außerdem wird das Onlinegeschäft stärker.“ Auf beides hat sich Codello erfolgreich eingestellt. Das Unternehmen hat stürmisches Wachstum hinter sich. Jährlich um bis zu 20 Prozent habe sich der Umsatz zwischen 2009 und 2013 erhöht, berichtet Firmenchef Schnabl.

Schals, Mützen, Tücher – das sind die wichtigsten Produkte der Firma. Doch immer mehr Konkurrenten drängen auf den Markt. „Jede Modefirma produziert inzwischen Accessoires. Da müssen wir Akzente setzen“, so der Unternehmer.Das Sortiment im Einzelhandel reicht vom Billigtuch aus Polyester für zwei Euro bis zum Hermès-Schmuckstück für mehrere hundert Euro. Um in den Läden in dieser Vielfalt nicht unterzugehen, setzen die Codello-Manager auf ein Komplettkonzept. „Wir bieten unseren Kunden, also dem Handel, mit den Produkten ein ganzes Paket an“, erklärt Schnabl. Codello liefert Verkaufsmöbel, Plakate, Aufsteller, Dekorationsmaterial. Und schult die Verkäufer auch noch, wie sie die Mützen, Schals und Tücher richtig an die Endkunden bringen können.

Die Verkaufsstellen in den Läden werden nach dem Shop-in-Shop-Prinzip betrieben, bei dem Handelspartner Verkaufsflächen in ihren Geschäften zur Verfügung stellen. Die Strategie ist aufwendig, aber sie lohnt sich. „Der Handel erwartet heute, dass ihm die größeren Lieferanten die Verkaufsfläche bewirtschaften“, sagt Schnabl. Das Prinzip ist Standard zumindest bei großen Modehäusern wie Breuninger, Ludwig Beck oder Karstadt. Wenn dort etwa die Codello-Tücher separat oder in Kombination mit Schuhen und Handtaschen präsentiert würden, habe das eine völlig andere Wirkung als ein liebloser Wühltisch. Eine Million Teile verkauft Codello pro Jahr und setzt damit etwa 15 Millionen Euro um. Die Ware wird in China, Indien und Italien produziert. „Je nachdem, wo wir die größte Expertise dafür finden“, sagt Schnabl. Seine Lieferanten kennt das Unternehmen zum Teil seit Jahrzehnten, regelmäßig ist Senior Heinz Schnabl bei ihnen zu Besuch. „Ein handrolliertes Seidentuch mit bis zu 20 Druckfarben können selbst in China nur wenige Betriebe produzieren“, erklärt Sohn Michael. 130 Euro kostet diese Kostbarkeit im Laden. Es gibt aber auch Codello-Tücher aus Baumwolle für 39 Euro. „Affordable luxury“ heißt das Motto: Luxus, den sich jeder leisten kann. Zum Grundbedarf gehören Accessoires schließlich nicht. Also geht es darum, Begehrlichkeiten für ein eigentlich überflüssiges Produkt zu entwickeln. „Marketing wird immer wichtiger“, räumt Michael Schnabl ein. Heute verkaufe sich Mode nicht einfach so oder mit Hilfe der traditionellen Werbewege. Es gehe vielmehr darum, an den richtigen Stellen Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Dumbo als Verkaufshit

Ganz wichtig dafür sind soziale Medien wie Pinterest, Facebook oder Instagram. Zeigt ein Prominenter auf einem im Netz verbreiteten Foto ein bestimmtes Produkt, wollen das oft gleich Tausende Follower besitzen. Bei Codello haben sie dafür ein schönes Beispiel: Ein mittelmäßig bekanntes Starlet hatte im Netz einen Codello-Schal mit einem Motiv des Comic-Elefanten Dumbo gezeigt. Der Auftritt hatte umgehend einen Ansturm auf die Onlineseite der Firma zur Folge. „Nach drei Stunden waren wir ausverkauft“, freut sich Schnabl. Motive wie Dumbo, Einhörner, Disney-Figuren oder Snoopy sind inzwischen der Renner auf Codello-Produkten. Vor allem jüngere Kundinnen greifen hier zu. „Starke Themen“ seien das, sagt der Unternehmer. Die würden in der Kollektion immer wichtiger. Allerdings müsse ein Hersteller auch rascher auf solche Trends reagieren und sie dem Handel umgehend liefern.

Codello leistete sich deshalb vor zwei Jahren in Inning einen Firmenneubau mit riesigem Logistikzentrum. 8 000 Quadratmeter Grundfläche bieten für die 80 Mitarbeiter mehr als ausreichend Platz. Die Schnabls haben hier schon einmal für späteres Wachstum mitgeplant. Die Räume sind hell und freundlich, es herrscht das Prinzip des „clean desk“: Abends sperren die Mitarbeiter Laptop und Unterlagen in ihren Spind. Am nächsten Tag können sie an einem anderen Arbeitsplatz starten, wenn die Abläufe dies erfordern. 2 650 Quadratmeter des Gebäudes nimmt allein das Lager ein. Hier liefern Lkws die Container der Lieferanten an, anschließend werden die Waren an die Kunden in der ganzen Welt verschickt. Lieferung innerhalb von 24 Stunden verspricht Codello dem Handel. Das funktioniert auch wegen der günstigen Anbindung: Die Zentrale steht in Sichtweite der Anschlussstelle an die Autobahn A96.

Die Zeiten des ganz stürmischen Wachstums sind indes vorbei. Inzwischen entwickle sich Codello ruhiger, sagt Schnabl. Den zweistelligen Umsatzsteigerungen trauere er nicht nach. „Wir haben damals unseren Fokus etwas verloren“, räumt der Manager ein. Einige Entwicklungen aus dieser Zeit habe man wieder zurückgenommen. Eigene Filialen zum Beispiel. Die finden die Schnabls heute zu teuer und zu aufwendig.