Mobilfunk

In den Startlöchern

Das mobile Internet der Zukunft heißt 5G. Die Neuerung soll die Entwicklung von wegweisenden Innovationen vorantreiben. JOSEF STELZER

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Der neue Mobilfunkstandard 5G beschleunigt die Datenübertragung um ein Vielfaches Foto: Lakee MNP/Fotolia.com

Die fünfte Mobilfunkgeneration 5G gilt als Schlüsseltechnologie für die Digitalisierung der Wirtschaft. Dank 5G lassen sich Maschinen und Geräte aller Art miteinander vernetzen, von simplen Strom- und Wasserzählern über mobile Roboter bis zu komplexen Fabrikanlagen. Denkbar ist auch, dass sich Fahrzeuge mittels 5G so sicher und zuverlässig steuern lassen, dass Auffahrunfälle etwa nach Vollbremsungen von vorausfahrenden Autos zuverlässig verhindert werden. Das mobile, ultraschnelle 5G-Internet fördert Innovationen rund um Industrie 4.0, Telemedizin oder autonomes Fahren und stärkt die globale Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft – wenn die Weichen richtig gestellt werden.

Gravierende Vorteile

Gegenüber LTE (»Long Term Evolution«) erhöht 5G beispielsweise die Übertragungsgeschwindigkeiten und -kapazitäten um ein Vielfaches und ermöglicht weitaus kürzere Reaktionszeiten der verbundenen Geräte. Weltweit wird der neue Standard ab 2020 schrittweise eingeführt. Dabei löst 5G die älteren Standards nicht einfach ab. Vielmehr werden die verschiedenen Mobilfunkgenerationen auf lange Sicht gleichzeitig existieren. Voraussichtlich im Frühjahr oder Sommer 2019 beginnt in Deutschland die Versteigerung der 5G-Frequenzen im 2-Gigahertz- und 3,6-Gigahertz-Band, deren kurze Reichweite vor allem für städtische Anwendungen geeignet ist. Die für ländliche Gebiete besser geeigneten Frequenzen von 700 MHz liegen bereits bei den aktuellen Netzbetreibern Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Germany. Allerdings können diese erst genutzt werden, wenn bis 13. März 2019 in Bayern das Hörfunk- und Fernsehsignal DVB-T komplett auf DVB-T2 umgestellt ist.

Frequenzen für den regionalen Einsatz

Angemeldet für die Versteigerung haben sich die genannten drei Netzbetreiber sowie der Onlinekonzern United Internet. Laut Bundesnetzagentur, die als Bundesbehörde den Netzausbau in Deutschland reguliert und überwacht, ist die Auktion wegen »Knappheit« an freien Frequenzbändern nötig. Die Behörde will außerdem Frequenzen für den regionalen Einsatz bereitstellen, sodass Betriebe eigenständige 5G-Netze aufbauen können, etwa für Produktionsanlagen.

Allerdings haben die Netzbetreiber und weitere Unternehmen am Verwaltungsgericht Köln gegen die Versteigerungsauflagen geklagt. Nach Einschätzung der Kläger seien die Vorgaben der Bundesnetzagentur für die Frequenzvergabe zu streng, unrealistisch oder unklar. Beispielsweise ist die »Diensteanbieterverpflichtung« umstritten, nach der ein Netzbetreiber anderen Mobilfunkanbietern, die über kein eigenes Netz verfügen, erlauben müsste, seine Infrastruktur zu nutzen. Andere Industrieländer sind beim Aufbau von 5G-Netzen schon weiter. In den USA werden bereits kommerzielle 5G-Projekte getestet, in Japan ist für 2019 Ähnliches vorgesehen, in China für 2020. Zur Winterolympiade 2018 im südkoreanischen Pyeongchang kamen bereits 5G-Netze zum Einsatz, um autonom fahrende Busse zu steuern oder hochauflösende Videobilder aus dem Bobbahn-Eiskanal zu senden.

TV-Übertragung mit 5G

Kathrein SE, Hersteller von Kommunikationstechnik, hat ein Antennensystem entwickelt, das 5G mit den Standards älterer Mobilfunktechniken kombiniert. Mit dieser Lösung lassen sich bestehende Antennenstandorte für das ultraschnelle mobile Internet aufrüsten. Das Rosenheimer Unternehmen untersucht derzeit im Forschungsprojekt 5G TODAY die großflächige TV-Übertragung mittels 5G. Der Testbetrieb startete bereits am Sendestandort Wendelstein sowie in Ismaning. Projektpartner sind der Münchner Elektronikhersteller Rohde & Schwarz GmbH & Co. KG, der Bayerische Rundfunk und Telefónica Germany. Das Münchner Institut für Rundfunktechnik GmbH leitet das Projekt. Noch liegen aber keine Ergebnisse vor.

Für den Unternehmer Anton Kathrein (34) ist das Forschungsvorhaben nur ein Baustein: »Mit Blick auf den nächsten Mobilfunkstandard 5G setzen wir unsere intensive Entwicklungsarbeit fort und bauen die Kooperationen mit namhaften Partnern wie Ericsson, Nokia, Telefónica oder Orange weiter aus. So gestalten wir 5G federführend mit, sozusagen als Nervensystem der Branche.« Der Aufbau der 5G-Netze zielt vorwiegend auf den Massenmarkt ab. »Die Mobilfunknetze müssten jedoch in erster Linie bedarfsgerecht der anwendenden Wirtschaft zur Verfügung stehen, denn nur dann können Unternehmen darauf aufbauend zeitnah innovative Geschäftsmodelle mit einem Mehrwert für die gesamte Volkswirtschaft entwickeln«, sagt IHK-Referent Bernhard Kux. Zumal die Unternehmen eine relevante Nutzergruppe für 5G-basierte Anwendungen darstellen: etwa bei Industrie 4.0, für Konferenzen und Veranstaltungen, für die Steuerung dezentraler Energieversorgung oder für Mobilitätsdienste.

Zusammenarbeit erforderlich

Um das Netz aufzubauen ist eine Vielzahl neuer Antennen nötig, die in der Regel mit Glasfaserleitungen verbunden sind. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Mobilfunkbetreibern, Festnetzanbietern sowie Tief- und Hochbaufirmen. Die IHK für München und Oberbayern fordert daher, dass sich die Kommunen insbesondere hinsichtlich der Genehmigungsprozesse bereits jetzt mit 5G auseinandersetzen. Das heißt: Antennenstandorte möglichst frühzeitig identifizieren und zügig genehmigen.

Allerdings wird das neue Netz die vorhandenen Lücken in der Mobilfunkversorgung ländlicher Regionen keineswegs schließen können. IHK-Experte Kux: »Die Funklöcher und weißen Breitbandflecken, die teilweise die Geschäftsabläufe in den Betrieben massiv beeinträchtigen, sollten unabhängig von der 5G-Einführung endlich beseitigt werden.« Eine Umfrage zeigte: Fast 40 Prozent der Firmen sind mit ihrer aktuellen Mobilfunkversorgung nicht zufrieden. Ähnlich sehen die Werte für den Festnetzanschluss aus. Und die Bedarfe steigen. Deshalb hat die IHK-Vollversammlung vergangenen Juli das Positionspapier »Gigabit für Unternehmen« verabschiedet, das der Politik Vorschläge zur Verbesserung der Versorgung mit schnellem Breitband und Mobilfunk unterbreitet. Digitale Infrastruktur