Mobile Payment

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Mobile Payment ist nicht nur für die Kunden bequem. Das Bezahlen mit dem Smartphone bietet auch Einzelhändlern Vorteile. Der Durchbruch steht in Deutschland allerdings noch aus. EVA ELISABETH ERNST

Lächelnde Frau bezahlt im Supermarkt an der Kasse
© ©Robert Kneschke - stock.adobe.com Immer weniger Scheine - die meisten Kunden zahlen aber noch bar

Darum geht’s

  • Bargeldloses Bezahlen gewinnt auch in Deutschland langsam an Bedeutung.
  • Zahlverfahren via Smartphone wie Google Pay oder Apple Pay sind eine Variante des kontaktlosen Bezahlens per Kreditkarte.
  • Mobile Zahlverfahren sind meist schneller als Barzahlungen und lassen sich als zusätzlicher Service vermarkten.

Für deutsche Apple-Fans muss es eine schwere Zeit gewesen sein: Bis Mitte Dezember 2018 war es ihnen grundsätzlich nicht möglich, mit ihrem iPhone zu bezahlen. Die Besitzer von Smartphones mit Android-Betriebssystem können dagegen bereits seit Ende Juni 2018 Google Pay nutzen. Nun einigte sich Apple immerhin mit einigen Geldinstituten.

Ob der lang erwartete Start von Apple Pay in Deutschland den Durchbruch fürs Bezahlen per Handy bringt, steht nicht fest. Noch sind die Deutschen ein Volk von Bargeldfans: 2017 bezahlten sie drei von vier Einkäufen mit Scheinen und Münzen. Zieht man die Umsätze der Transaktionen heran, beläuft sich der Bargeldanteil auf knapp 48 Prozent. Allerdings sinken beide Werte seit Jahren kontinuierlich. Die langsame, aber stetige Abkehr vom Bargeld sollte den mittelständischen Einzelhandel aufhorchen lassen. Schließlich ist das Smartphone heute für Menschen aller Altersgruppen längst ein unverzichtbarer und ständiger Begleiter. Gut vorstellbar, dass Kunden ihr Smartphone bald viel häufiger an der Kasse ziehen.

Bequem – auch für Händler

»Für die Kunden ist das Bezahlen mit dem Smartphone einfach und bequem«, sagt Ernst Stahl, Leiter des ibi-Competence Centers E-Business an der Universität Regensburg. Er rechnet mit einem langsamen, aber kontinuierlichen Wachstum dieser Zahlweise. Schließlich muss der Kunde weder seine Geldbörse herauskramen noch Scheine und Münzen abzählen. Auch das Hin und Her mit dem Wechselgeld entfällt. Der Händler wiederum muss nur sein Zahlungsterminal aktiviert haben und den Betrag eintippen, falls das Kassensystem ihn nicht automatisch übermittelt.

Bei Beträgen unter 25 Euro ist meist nicht einmal die Eingabe einer PIN erforderlich. Mobile Payment ist daher in den meisten Fällen deutlich schneller als Barzahlung. Händler, die das Bezahlen per Handy anbieten möchten, müssen Akzeptanzverträge für Zahlungen mit Girocard oder Kreditkarten abgeschlossen haben – so wie bei klassischen Kartenzahlungen auch. Lediglich bei einigen Payment-Verfahren wie etwa Payback Pay oder der Händler-App von Edeka wird das Geld per Lastschriftverfahren vom Konto abgebucht.

Bei anderen unternehmensspezifischen Einzellösungen müssen Kunden ihr Nutzerkonto vorher aufgeladen haben. »Im Grunde ist es auch für mittelständische Händler relativ unproblematisch möglich, Mobile Payment zu akzeptieren«, fasst Experte Stahl zusammen. »Damit die neuen Bezahlverfahren im Tagesgeschäft reibungslos abgewickelt werden können, sollte der Handel jedoch sein Kassenpersonal gründlich schulen.« Außerdem müssen Händler über ein relativ neues Terminal für Kartenzahlungen verfügen. »Geräte, die ab 2016 auf den Markt kamen, sind in der Lage, auch Zahlungen per Smartphone abzuwickeln«, sagt Stahl. Im Grunde handle es sich bei den meisten Mobile-Payment-Verfahren wie Google Pay und Apple Pay um eine Variante des kontaktlosen Bezahlens mit Kreditkarte.

Auch Bargeld kostet Geld

Die Höhe der Gebühren, die Händler für die offenen Mobile-Payment-Verfahren zahlen müssen, lässt sich nicht exakt beziffern. Sie hängt von den Tarifen der jeweiligen Zahlungsnetzbetreiber, den sogenannten Payment-Service-Providern (PSP), der Banken und Kreditkartenorganisationen sowie vom Gesamtvolumen der Kartenzahlungen ab. »Die Kosten, die einem mittelständischen Handelsunternehmen durch eine Transaktion entstehen, bewegen sich in der Regel zwischen 0,9 und 1,5 Prozent des Zahlungsvolumens«, sagt Stahl.

Dazu kommen mitunter noch die Kosten für das Terminal. Einzelhändlern, die allein aus Kostengründen keine Zahlungen per Smartphone akzeptieren, rät der Payment-Experte umzudenken: »In den letzten Jahren sind auch die Kosten für die Akzeptanz und Nutzung von Bargeld gestiegen. Das Handling von Bargeld ist aufwendig, die Gefahr von Verlust und Diebstahl besonders groß.« Darüber hinaus seien moderne Bezahlverfahren wie Mobile Payment ein zusätzlicher Service, der sich durchaus positiv auf das Image eines Händlers auswirken könne.

Dass dies mitunter sogar die Umsätze beflügelt, wissen mittlerweile immer mehr findige Händler, deren Sortimente auch für Touristen aus China interessant sind. Dort hat sich Mobile Payment längst durchgesetzt. So bieten unter anderem Rossmann, Body Shop, die WMF-Group, Swarovski und neuerdings auch Kaufhof die Möglichkeit, per AliPay oder WeChat zu bezahlen, also mit den in China etablierten Mobile-Payment-Verfahren. »Auch für mittelständische Einzelhändler sind AliPay und WeChat keine große Herausforderung«, stellt Experte Stahl klar. »Sofern sie über ein modernes Zahlungsterminal verfügen, müssen sie lediglich mit einem PSP, der WeChat und AliPay unterstützt, einen Akzeptanzvertrag schließen und vielleicht noch ein Software-Update für Terminal und Kasse fahren.