Miflora

Firmen lassen Blumen sprechen

Das Startup Miflora verdient mit dem Onlineversand von Blumensträußen Geld. Nun nimmt das Münchner Unternehmen verstärkt Firmenkunden in den Blick. EVA ELISABETH ERNST

IHK Magazin, 11.05.17 Milflora GmbH, Geschäftsführer Tobias Mazet und Diana Schipper, Produktionsleiter Oliver Jung Foto: Marion Vogel
Miflora-Geschäftsführung: Tobias Mazet, Diana Schipper, Foto: Marion Vogel

In der Halle in Garching sind überall bunte Blüten zu sehen – im gut gekühlten Lager, an den Arbeitsplätzen der Floristinnen und auch im Büro. Für den Besucher ist das nicht unerwartet, schließlich residiert hier der Onlineblumenversender Miflora. Überraschend ist allerdings, dass Kartonagen unterschiedlichster Art fast noch mehr Platz beanspruchen – und dass ein großer Teil davon das Corporate Design bekannter Unternehmen wie Audi, Air Berlin oder Sixt trägt.

„Wir erwirtschaften derzeit etwa die Hälfte unseres Umsatzes mit Firmenkunden“, erklärt Tobias Mazet, Geschäftsführer der Miflora GmbH. Die Unternehmen nutzen die Blumensträuße nicht nur für die Dekoration von Büros und Events. Sie setzen sie auch gezielt im Marketing ein – zum Beispiel, um sich bei Kunden zu bedanken.

Aber auch zur Rückgewinnung oder Reaktivierung von Käufern eignen sich die Blumen, so der 37-Jährige. Ein Bekleidungshaus ließ zum Beispiel allen Inhaberinnen der Kundenkarte, die in den vergangenen neun Monaten nichts gekauft hatten, über Miflora einen Strauß zukommen. Mit dabei war eine vom Filialleiter unterzeichnete Grußkarte, auf der die Kundinnen erfuhren, dass das Modehaus sie vermisse. Eine Geste mit großer Wirkung. „38 Prozent der Kundinnen kamen wieder in eine der Filialen und machten die Kosten der Aktion durch ihre Einkäufe mehr als wett“, freut sich Mazet über den Erfolg.

Starke Wirkung

Die unerwartete Wertschätzung, die ein hochwertiges, greifbares Präsent zeige, wirke stärker als etwa ein Coupon für einen Preisnachlass. „Bei vergleichbaren Aktionen unserer Kunden konnten mit einem Blumenstrauß mehr als doppelt so viele Kunden zurückgewonnen werden wie mit einem Gutschein“, sagt der Geschäftsführer. Konzeption und Durchführung der Marketingaktionen bereiten Mazet sichtlich Freude.

Das ist allerdings nicht der ausschlaggebende Grund dafür, dass das 2012 gegründete Unternehmen sein Geschäftsmodell künftig verstärkt auf solche sogenannten Loyalty-Aktionen ausrichten wird. „Wir haben bewiesen, dass wir unser Kerngeschäft, nämlich den Versand von online bestellten Blumensträußen an Privatkunden, profitabel betreiben können“, so Mazet. Im vergangenen Jahr schrieb dieser Bereich erstmals schwarze Zahlen. Im Geschäft mit Firmenkunden sehen Mazet und Co-Geschäftsführerin Diana Schipper (32) aber noch mehr Potenzial.

Nutzung der Online-Kanäle

„Wie auch andere Bereiche des E-Commerce ist der Verkauf von Blumensträußen übers Internet von einem starken Preis- und Wahrnehmungswettbewerb geprägt“, erklärt Mazet. Insbesondere die Google-Werbeanzeigen seien teuer, aber notwendig, damit bei den wenigen passenden Suchbegriffen wie „Blumenversand“ oder „Blumenstrauß bestellen“ Miflora weit oben in der Ergebnisliste auftaucht.

Selbstverständlich nutzt das Startup weitere Werbe- und Kommunikationskanäle im Internet: von Seiten auf Facebook und Pinterest über E-Mail-Newsletter bis hin zu Suchmaschinenoptimierung und Facebook-Anzeigen. Selbst mit Amazon kooperieren die Münchner: „Wir sind einer von zwei Blumenlieferanten, mit denen Amazon Fresh im Mai in Berlin gestartet ist“, so Mazet. Die größte Herausforderung besteht darin, jede Bestellung binnen 60 Minuten nach Eingang an einer von Amazon vorgegebenen Abholstation bereitzustellen. Miflora, das in der Hauptstadt einen Satellitenbetrieb gegründet hat, gelingt es, dieses enge Zeitfenster einzuhalten.

Dass das Unternehmen die Logistikprozesse beherrscht, stellt es täglich unter Beweis: Grundsätzlich wird jede Bestellung, die Montag bis Freitag bis 17 Uhr eintrifft, am nächsten Tag verschickt – und zwar per DHL. Ausgeklügelte Verpackungen ermöglichen es, dass die Sträuße frisch und unbeschädigt ankommen. „Unsere Kartonagen sind Sonderanfertigungen, die wir seit drei Jahren immer wieder optimiert haben“, erklärt Betriebsleiter Oliver Jung (46) und zeigt, wie ein Strauß mit wenigen Handgriffen verpackt wird. Während des Transports versorgt ein Freshpack, ein feuchtes, mit Kunststoff ummanteltes Vlies, die Blumen mit Wasser.

Das Unternehmen feilt am Geschäftsmodell

Für Frische und gute Preise zugleich sorgt der Direkteinkauf auf dem Blumenmarkt in Holland, wo Jung jeden Morgen Nachschub bestellt. Videos der verfügbaren Blumen erleichtern die Auswahl und die Onlinebestellung. Die Partien treffen am Morgen des Folgetags im Garchinger Lager ein und werden im Idealfall noch am selben, spätestens am nächsten Tag zu Sträußen gebunden. Für deren Design ist Nadine Weckardt, die einzige deutsche Europameisterin der Floristen, zuständig.

Die Kooperation mit Weckardt startete kurz nach der Gründung von Miflora. Damals sah der Businessplan noch ein anderes Geschäftsmodell vor. „Miflora sollte sich als Anbieter von Blumenabos im B2B-Bereich etablieren“, so Mazet. Diese ursprüngliche Idee wurde allerdings nach einem halben Jahr beerdigt, vor allem weil die Akquisitionskosten für die Abos zu hoch waren.

Ab 2013 schwenkte das Startup daher auf den Onlineblumenversand im gehobenen Segment um – mit kurzen Lieferzeiten und 7-Tage-Frischegarantie. Aufgrund guter Zahlen und Zukunftsaussichten investierten die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH, die Extorel GmbH sowie die Portfoliobeteiligungsgesellschaft der Venture Stars GmbH Ende 2014 einen mittleren einstelligen Millionenbetrag in Miflora. „Unsere neue strategische Ausrichtung auf Firmenkunden tragen alle drei Investoren mit, und sie und sorgten 2015 und 2016 für Anschlussfinanzierungen“, sagt Mazet.

Für die neuen Dienstleistungen erweiterten Mazet und Schipper sogar das Produktspektrum. So gibt es mittlerweile nicht nur Blumensträuße, sondern auch Solitärblumen sowie ausgewählte Schokolade und Wein als preislich günstigere Firmenpräsente. „Als Startup sind wir flexibel“, sagt Mazet. „Und da wir Frischblumen in Top-Qualität verschicken können, klappt das auch mit Schokolade und Wein."