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‎„Wir haben ein Monopol gebrochen“‎

Trotz großer Widerstände gelang es Robert Schmitt, einen privaten Rettungsdienst in Bayern aufzubauen. Mit seinen visionären Ideen setzt er immer wieder Standards in der Branche. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 03.04.17 Robert Schmitt, MKT Krankentransport Foto: Marion Vogel
MKT-Geschäftsführer Robert Schmitt Foto: Marion Vogel

Der Junge auf der Dankeskarte macht einen Riesenluftsprung – vor Freude, dass er noch am Leben ist. Der Bub auf dem Foto war während eines Urlaubs in Südtirol unter Wasser geraten, wiederbelebt worden und bekam dann eine Sepsis in der Lunge. Akute Lebensgefahr! Robert Schmitt, Geschäftsführer der MKT Krankentransport Schmitt/Obermeier OHG, fuhr sofort nach Bozen. Aber er setzte nicht einen gewöhnlichen Krankenwagen ein, sondern eine von ihm komplett ausgestattete „wandelnde Intensivstation“, wie er es nennt – ein bis dahin einmaliges Fahrzeug in Deutschland. Der 53-Jährige ist auch heute noch bewegt, wenn er die Postkarte betrachtet: „Alles, was wir gemacht haben, hat sich rentiert.“ Was den MKT-Geschäftsführer antreibt, nennt er selbst ein Helfersyndrom: „Etwas Gutes tun, Menschenleben retten“ stehe bei ihm an erster Stelle „und nicht Macht und Profit“. Trotz oder gerade wegen dieser Einstellung ist das Unternehmen so dynamisch gewachsen und erfolgreich, dass es mittlerweile nach dem Bayerischen Roten Kreuz (BRK) die zweitgrößte Rettungsorganisation im Freistaat ist. Die MKT-Gruppe beförderte bisher mehr als 3,5 Millionen Patienten, beschäftigt rund 770 Mitarbeiter an 26 Standorten und verfügt über 200 Fahrzeuge.

„Wir wären fast pleitegegangen“

Dabei sah es anfangs gar nicht so aus, als ob aus dem Unternehmen jemals eine Erfolgsgeschichte werden könnte. Die beiden Gründer, Robert Schmitt und Werner Obermeier, hatten sich Anfang der 1980er-Jahre bei Rettungsfahrten für das BRK kennengelernt. Damals betrugen die Wartezeiten für Krankentransporte bis zu zwölf Stunden. Das sei doch kein Zustand, meinten die beiden 20- und 25-Jährigen und erkannten das Marktpotenzial. Sie gründeten 1985 MKT, kauften für 15 000 Mark ihr erstes Fahrzeug und fuhren für einzelne Kliniken, Heime und Privatpersonen. Diese Aufträge sicherten das Überleben. Von den Krankenkassen erhielten die Geschäftsführer, die inzwischen ihre Jobs aufgegeben hatten, allerdings keinen Pfennig. „Wir wären fast pleitegegangen“, erinnert sich Schmitt. Denn Politik, Kostenträger und Hilfsorganisationen waren sich einig: Die private Konkurrenz sollte verhindert und das staatliche Monopol des BRK erhalten werden. Doch das Duo ließ sich nicht einschüchtern und führte in den ersten drei Jahren 400 kleinteilige Prozesse – von denen es 99 Prozent gewann. „Das Schicksal war mit uns“, so Schmitt über das finale Urteil des Bundesgerichtshofs: Die privaten Dienste in Bayern wurden zugelassen, und die Krankenkassen mussten sogar nachträglich für Fahrten zahlen. So einfach wollten die MKT-Gegner allerdings nicht aufgeben. Auflagen und Verordnungen zwangen die junge Firma in den Rettungs- und Notarztdienst. Als MKT auch diese Herausforderung mit Bravour löste, wurde das Unternehmen schließlich 1998 öffentlich-rechtlich anerkannt und in die zentrale Leitstelle integriert. Damit war der private Rettungsdienst nach 13 Jahren endlich am Ziel und musste nicht mehr um jeden Einsatz kämpfen. „Wir haben ein Monopol gebrochen“, sagt Schmitt stolz. Längst ist MKT ein von allen Seiten geschätzter Partner. Das Unternehmen erwirtschaftet 50 Prozent seines Umsatzes kostendeckend über Noteinsätze für die Leitstelle, die andere Hälfte über privat bestellte Serviceleistungen wie Krankentransport, Sanitäts- und Rückholdienste.

Nach der Anerkennung konnte sich der begeisterungsfähige und tatkräftige Visionär Schmitt so richtig entfalten. „Wir waren immer Treiber im Rettungsdienst“, betont er. MKT verfüge über den modernsten Fuhrpark und die besten Arbeitsbedingungen, bilde umfassend aus und setze damit Standards in der Branche. Der Unternehmer ist Gründungsmitglied der Arge Rettungsdienst Bayern und entwickelte gemeinsam mit dem BRK den bayerischen Rettungswagen, einmalig in Deutschland. Aufgrund der einheitlichen Ausstattung „findet sich jeder Arzt in jedem Wagen sofort zurecht“, erklärt Schmitt. Außerdem erfolgen Beschaffung und Ausbildung gemeinsam, das reduziert die Kosten für den Rettungsdienst insgesamt. „Ich sitze regelmäßig mit meinen Mitbewerbern am Tisch“, sagt Schmitt schmunzelnd. Das kann er gut: unterschiedliche Interessen für ein höheres Ziel, den Dienst am Bürger, zusammenbringen. Sein Talent dafür entdeckte er 2002 beim Elbe-Hochwasser in Dresden, wo er einer der Einsatzleiter war. Ein Schlüsselerlebnis, sagt er. Es gelang ihm, Bundeswehr, Polizei, Hilfsorganisationen und ehrenamtliche Helfer unter schwierigsten Bedingungen zu koordinieren. Seitdem ist Schmitt, der in Extremsituationen ruhig Blut bewahrt, ein gefragter Krisenmanager, beim Amoklauf 2016 in München ebenso wie beim Zugunglück in Bad Aibling. Der Einsatz in Dresden führte dem unermüdlichen Macher noch etwas anderes vor Augen: „Deutschland ist auf moderne Katastrophen nicht vorbereitet.“

Einfach hinnehmen will Schmitt dies nicht. Daher gründete er 2005 das Medizinische Katastrophen-Hilfswerk (MHW), das Kompetenz, Erfahrung, Fahrzeuge und Einsatzkräfte seiner 168 Mitgliedsunternehmen und -organisationen weltweit einsetzt – zum Beispiel nach dem Erdbeben in Haiti oder zur Bewältigung des Flüchtlingsstroms im Herbst 2015 am Münchner Hauptbahnhof. Schmitt reichen die bisherigen Erfolge nicht. Unermüdlich schlägt der MHW-Präsident Alarm: „Die alten Konzepte sind für neue Gefahren wie Terroranschläge nicht geeignet“, warnt er und plädiert dafür, „umzudenken, die Taktik zu ändern“ und Polizei wie Rettungsdienste entsprechend weiterzubilden. Wer Schmitt kennt, weiß, dass er nicht lockerlassen wird, bis eine sinnvolle Lösung auf dem Tisch liegt. Wie hartnäckig er sein kann, hat der Unternehmer längst bewiesen. Schließlich verfolgt der Münchner eine Lebensaufgabe.