Loxxess

Logistiker mit hohem Anspruch

Die Loxxess AG setzt auf umfangreiche Services und eigene IT-Lösungen und ist so innerhalb von 15 Jahren zu einer festen Größe im europäischen Logistikmarkt gewachsen. STEFAN BOTTLER

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Loxxess-Logistikhalle, Foto: Loxxess AG

Wohl jeder Gründer ist vom Erfolg seiner Produkte und Dienstleistungen überzeugt. Aber nur wenige drücken diese Erwartung so ostentativ im Namen ihrer Firma aus wie Peter Amberger (71). Der erfahrene Unternehmer hatte in den 1980er- und 1990er-Jahren bekannte Branchenbetriebe wie den Expressdienst Trans-o-Flex geführt. Als er 2001 selbst einen Logistikdienstleister gründete, gab er diesem den Namen Loxxess – zusammengesetzt aus den englischen Wörtern logistics und success. Loxxess ist tatsächlich ein Erfolg geworden.

Heute fahren rund 1600 Mitarbeiter an 27 Standorten in Deutschland, Polen und Tschechien über 130 Millionen Euro Umsatz ein. Der Stabwechsel zur nächsten Generation ist ebenfalls geglückt. Anfang 2011 übernahmen Claus-Peter Amberger (44) und Christina Thurner (37) die Geschäftsführung, Amberger senior zog sich auf die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden zurück.

Erfolgsmodell Kontraktlogistik

Seit dem Start konzentriert sich Loxxess auf Kontraktlogistik, also die vertraglich geregelte Arbeitsteilung mit Industrie- und Handelsunternehmen, die alle Transport- und Lagerservices beim Dienstleister bündelt. „Der Logistikdienstleister wird so als Systemlieferant für den Kunden unentbehrlich“, skizziert Amberger senior das Geschäftskonzept. Schon in den 1970er-Jahren, als er die elterliche Spedition in Ingolstadt übernahm, hatte er versucht, über den Transport hinaus weitere Dienstleistungen wie zum Beispiel die Lagerhaltung zu entwickeln. Für ein Unternehmen wie Loxxess war die Zeit damals aber noch nicht gekommen.

Das änderte sich zwei Jahrzehnte später. Immer mehr Unternehmen fingen nun an, ihre eigene Logistik zu hinterfragen, weil Kosten und Aufgaben stark gewachsen waren. Viele Hersteller wollten sich auf ihre Kernkompetenzen in der Produktion konzentrieren und über Lagerhaltung und Transportmanagement hinaus weitere logistiknahe Aufgaben auslagern. Das war die richtige Zielgruppe für Loxxess. Das Unterföhringer Unternehmen hebt sich von anderen Dienstleistern der Branche durch zahlreiche sogenannte Value added Services (VAS) ab: Waren auszeichnen und diebstahlsicher machen, Verkaufsdisplays zusammenbauen und aufstellen, defekte Elektrogeräte reparieren, vom Endkunden zurückgeschickte Modeartikel reinigen und für einen zweiten Verkauf fertigmachen.

Das Spektrum der Loxxess-Dienstleistungen ist breit. So bietet das Unternehmen auch Debitorenmanagement und – mit einem hauseigenen Call-Center in Berlin – Telefondienstleistungen aller Art an. Mit solchen Services will sich Loxxess als „Wertschöpfungspartner“ (Amberger) positionieren, der einen Mehrwert entlang der Lieferkette sicherstellt und Lösungen auch für sehr komplexe Herausforderungen entwickelt.

Ein Beispiel dafür ist das Lagerkonzept für das Dieburger Filmproduktionsunternehmen Beta Film. Für über 200 000 häufig jahrzehntealte Filmrollen mussten die Loxxess-Logistiker Lösungen gegen deren Verfall austüfteln. Das Ergebnis: ein Lagerraum, der die Luftfeuchtigkeit bei konstant 45 Prozent hält, Temperaturen von minus vier bis 13 Grad Celsius sicherstellt und 30 000 Liter CO2 als Löschmittel gegen Brandkatastrophen bereithält – Wasser kommt hierfür nicht in Frage.

Vorteil für Online-Einsteiger

Vor allem E-Commerce-Unternehmen, die neu an den Start gehen und keine Erfahrung in der Logistik haben, nutzen gern das Loxxess-Angebot. Mit ihm können sie praktisch alle Dienstleistungen abdecken, die für den Verkauf ihrer Produkte wichtig sind. Loxxess akquirierte die ersten Onlinehändler bereits in seinem Gründungsjahr 2001. Heute gehört E-Commerce zu dem halben Dutzend Kernbranchen, auf die sich das Unternehmen spezialisiert hat. Loxxess bündelt branchenspezifische Dienstleistungen. So hat das Unternehmen seinen Standort im nordtschechischen Bor zur Logistikhochburg für TV-Sender und andere Medien ausgebaut. „Die hohen Kosten für branchenspezifische Lagertechnik werden durch Synergieeffekte relativiert“, betont Claus-Peter Amberger.

Weil die Mitarbeiter ihr spezielles Know-how für mehrere Kunden einsetzen können, lassen sich solche Synergieeffekte auch in der Personalplanung erzielen. Weitere Kostenvorteile entstehen durch den Verzicht auf eigene Fahrzeuge. Als unabhängiger Dienstleister kauft Loxxess Zustell- und sonstige Transportservices am Markt ein. Auf die Unternehmensführung haben sich Amberger junior und seine Schwester Christina Thurner gründlich vorbereitet. Vor dem Eintritt ins elterliche Unternehmen sammelten der Jurist und die Diplom-Kauffrau berufliche Erfahrungen – er als Unternehmensberater und sie als Abteilungsleiterin eines internationalen Konzerns.

Anschließend waren beide im Loxxess-Vorstand für Strategie und Finanzen sowie Marketing zuständig. Mit der Geschäftsführung übernahmen beide auch 74 Prozent der Unternehmensanteile. Jetzt wollen sie die Digitalisierung des Unternehmens weiter vorantreiben. Loxxess sieht IT als eine Kernkompetenz des Unternehmens. So haben die rund 20 IT-Mitarbeiter eigene Lösungen für Warehouse Management (WMS) und Enterprise Resource Planning (ERP) entwickelt. 2016 eröffnete das Unternehmen an einem bayerischen Standort ein eigenes Rechenzentrum, das als sogenannte Tier-4-Anlage höchste Anforderungen an Verfügbarkeit und Ausfallsicherheit erfüllt. „Wir werden in den nächsten Jahren unsere Dienstleistungen mit Künstlicher Intelligenz weiter verbessern“, sagt Christina Thurner. „In Big Data, autonomem Fahren sowie weiterer Lagerautomatisierung durch Roboter steckt noch viel Potenzial.“