IHK Magazin

Kastner AG: Druck zur Veränderung

Dennis Kastner steht vor einer beachtlichen Herausforderung: Er will das Medienhaus Kastner AG aus Wolnzach neu positionieren, damit es in einer kriselnden Branche zukunftsfähig bleibt. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 15.05.19
Dennis Kastner, Kastner AG Wolnzach
Foto: Marion Vogel
Seit 2017 im Vorstand des Medienhauses - Dennis Kastner. Foto: Marion Vogel

Sein Lebenslauf enthält eine ungewöhnliche Station. Da ist das Designprojekt »El Gráfico« aufgeführt, das Dennis Kastner in sieben Länder Lateinamerikas führte. »El Gráfico, das war ich, der Grafiker«, sagt der Vorstand der Kastner AG lachend und berichtet, dass er sich damit einen Traum erfüllte. Er wollte den Wunsch zu reisen mit seinem Beruf verbinden. »Das ist wie auf die Walz gehen«, ergänzt er.

Zweieinhalb Jahre lang klopfte der Kommunikationsdesigner Kastner in namhaften Werbeagenturen an, zeigte sein Portfolio und fragte, ob er für eine Weile bei ihnen arbeiten könne. Er konnte. »Alle waren sehr offen«, sagt Kastner und beschreibt diese Zeit als »unglaubliche Erfahrung«. Er lernte verschiedene Kreativberufe kennen, festigte sein Know-how als Kommunikationsdesigner, bekam Einblick in andere Firmenkulturen und nahm nicht zuletzt eine Fülle von Inspirationen für die eigene Firma mit.

Lange Tradition

Dennis Kastner stieg 2017 in fünfter Generation in die Geschäftsleitung des 120 Jahre alten Familienunternehmens ein. »Das wird keine einfache Herausforderung«, sagt er mit Blick auf die Krise in seiner Branche, in der eine Druckerei nach der anderen verschwindet. Das 1897 mit dem Wolnzacher Anzeiger gegründete, inzwischen international tätige Medienhaus ist gerade dabei, sich neu zu positionieren. Eine Mammutaufgabe, die auf den 32-Jährigen jetzt zukommt, auch wenn Vater Eduard Kastner noch im Unternehmen tätig ist und ihm »mit Rat und Tat zur Seite steht«. Sohn Dennis ahnte, dass wohl er das Unternehmen weiterführen würde. Seine Schwester Patricia ist Mitinhaberin der ContentServ GmbH aus Rohrbach. »Deshalb lief es auf mich hinaus«, sagt der Jungunternehmer, der schon immer gerne gestaltete und deshalb zunächst Kommunikationsdesign in München studierte.

Vor dem Einstieg ins Unternehmen studierte er auf Anraten des Vaters noch Wirtschaftswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg sowie Innovation Management am Central Saint Martins College in London. Dort hatte er das Glück, bei einem New-Work-Stammtisch erfolgreiche Unternehmer zu treffen, die ihre Rezepte untereinander austauschten. Derart inspiriert, entwickelte er Überlebensstrategien für die Kastner AG, die er wegen dem »Druck zur Veränderung« unbedingt umsetzen will.

Kosten halbieren

Für die ersten Aufräum- und Strukturierungsarbeiten im Unternehmen suchte sich der junge Chef die größten Sorgenkinder heraus: ein gesellschaftspolitisches Kulturmagazin, das er neu ausrichtete, das Anzeigenblatt »Aktion – der Hallertauer«, bei dem er Kosten einsparen konnte, und schließlich die Onlinezeitung »hallertau.info«, die 2007 aus dem Wolnzacher Anzeiger hervorgegangen war. Das Medienportal stellte Kastner 2018 komplett um. Seine neue digitale Heimatzeitung heißt jetzt hallertau.de. Ihr liegt ein verändertes Geschäftsmodell zugrunde, mit dem Kastner die Kosten halbieren, Synergien schaffen und den Mehrwert für die Leser steigern will.

Für den Kommunikationsdesigner stellt die Entwicklung von hallertau.de »einen wichtigen Teil des ganzheitlichen Innovationsprozesses dar«. Mit einem neuen Logo und einer schärferen Definition der Kernbereiche Print-Publishing und Medienentwicklung will er das Medienhaus zur Full-Service-Agentur formen. »Bei uns im Haus können viele Dinge entwickelt und gleich produziert werden.«

Die größte Herausforderung sieht Kastner im Wandel der Firmenkultur. Beim Unternehmerstammtisch in London lernte er, dass vor allem »weiche Faktoren« entscheidend für das Überleben einer Firma sind. Das bezieht sich hauptsächlich auf die Beteiligung der Mitarbeiter, die mitentscheiden und Verantwortung übernehmen sollen. Sein Ziel ist es, aus jeder Abteilung kleine Minifirmen zu formen, »auch wenn das angesichts der komplexen Wertschöpfungskette nicht ganz einfach ist«.

So stellte Kastner für den Newsletter ein interdisziplinäres Team aus vier Abteilungen zusammen. Die Ideen stammen von den Mitarbeitern, er selbst betreut sie nur. Kastner weiß, dass es für manche der langjährig Beschäftigten nicht ganz einfach ist, sich umzustellen. Aber der Unternehmer ist bekannt für seine Ausdauer und Kreativität. Er wird nicht lockerlassen in seinem Versuch, die klügsten Ideen zusammenzubringen. Kastner: »Unser Geschäft ist hart und ich brauche die Intelligenz von allen, um weiter zu bestehen.«