IHK Magazin

Hans Brunner: Schokolade, gut in Form

Das Familienunternehmen Hans Brunner aus Glonn verleiht Nikoläusen und Osterhasen weltweit vielfältige Gestalt – und dem Markt für Pralinen und Schokofiguren neue Impulse. ULRICH PFAFFENBERGER

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Familienunternehmen Hans Brunner: Pro Jahr entstehen bis zu 500 neue Schokoladeformen. Foto: Hans Brunner GmbH

Flamingo Enrico ist erstmals im Programm, ebenso Glücksschwein Lucky, Ritter Ulrich und Prinzessin Marina. Wenn die Hans Brunner GmbH aus Glonn im Landkreis Ebersberg jeden Monat ihren Neuheitenkatalog verschickt, werden vor allem Bäckereien und Konditoreien aufmerksam. Denn mit den Gussformen für Schokoladenfiguren erhalten sie neue Impulse fürs Geschäft.

»Unsere Produkte sind bei fast allen großen Anbietern von Schokoladenprodukten im Einsatz«, berichtet Christoph Schwaiger, der die nächste Generation im Familienunternehmen vertritt. »Aber als Mittelständler haben wir eben auch ein Auge für den Bedarf kleinerer Betriebe – und für die ist die Produktion eigener Schokoladenfiguren ein wichtiger Umsatzträger.«

Mit Abwechslung bei den Motiven können sie ihr Angebot erweitern und Kunden gewinnen. Letztlich sei im Einzelverkauf von Pralinen und Schokofiguren eine deutlich bessere Rendite zu erzielen als mit Semmeln oder Brezen. Das gilt inzwischen nicht mehr nur zu Weihnachten und Ostern – auch wenn in Nikoläusen und Hasen der Ursprung des Unternehmens begründet ist. »Unsere Saison läuft das ganze Jahr«, bestätigt Rudi Schwaiger, seit mehr als 30 Jahren Geschäftsführer. Entsprechend bunt ist die Palette der Figuren – von Ponys, Schildkröten und Pinguinen bis zu Feuerwehrautos, Flugzeugen und Bohrmaschinen. »Die Menschen schenken sich zu den unterschiedlichsten Anlässen gern etwas Schokolade, denn die macht bekanntlich glücklich«, sagt Schwaiger. »Daraus ergeben sich Marktchancen für alle unsere Kunden, egal, wie groß sie sind. Und wir bedienen deren Nachfrage.« Die Lieferungen gehen von Glonn aus rund um den Globus, das Unternehmen zählt zu den Weltmarktführern der Branche. Mit sorgfältig gestaltetem Emissionsschutz hat das Unternehmen seinen Standort im Ort nachbarschaftsfreundlich abgesichert. Damit ermöglicht es seinen Beschäftigten kurze Wege zum Arbeitsplatz. Die meisten kommen zu Fuß oder mit dem Rad. Wer mag, kann ein Firmenfahrrad nutzen.

Kurze Wege für Beschäftigte

Die Lage im Landkreis Ebersberg mag hinsichtlich Infrastruktur und Erreichbarkeit in der Vergangenheit den einen oder anderen Nachteil gehabt haben, inzwischen wende sich das aber ins Gegenteil, so die Geschäftsführung. Als größter Produktionsbetrieb am Ort gilt Brunner als verlässlicher Arbeitgeber in einem attraktiven Lebensumfeld. Allerdings muss das Unternehmen seine Fachkräfte selbst heranziehen, weil die Qualifizierung besondere Ansprüche stellt. »Zehn Prozent unserer 150 Mitarbeiter sind Auszubildende, die Mehrzahl von ihnen bleibt anschließend auch bei uns«, sagt Rudi Schwaiger. Was ihn besonders stolz macht: »Unsere Auszubildenden gehören regelmäßig zu den Jahrgangsbesten in Oberbayern.«

Zum Wachstum tragen verschiedene Marktentwicklungen bei. So macht die größere Nachfrage nach dünneren, kleineren Schokoladentafeln neue Formen bei den Herstellern erforderlich. Bei Pralinen nehme sowohl die Kreativität in der Confiserie zu als auch die Zahl der Hersteller. »Schokolade macht glücklich, Schokolade in origineller Form macht neugierig«, sagt Christoph Schwaiger, der gemeinsam mit Schwester Stephanie inzwischen in die Firmenleitung aufgestiegen ist.

Etwa die Hälfte der Motive geht auf eigene Ideen zurück, die andere auf Kundenwünsche. »In die Tat umgesetzt wird jede Form hier bei uns in der Designabteilung«, erklärt Christoph Schwaiger. 300 bis 500 neue Modelle entstehen dabei jedes Jahr.

Digitale Technik nimmt viele Routinearbeiten ab, die Grundmuster werden aber immer noch von Hand geformt und ausgestaltet. »Es sind diese leicht ungenauen, unperfekten Details, die menschlich sind, aber den Charme einer Figur ausmachen«, erklärt Schwaiger und beruft sich auf die lange handwerkliche Tradition im Betrieb.

Präzision ist gefragt

Zu den äußeren Werten kommen beim Formenbau auch innere: Schließlich zählten nicht nur das attraktive Aussehen, sondern auch das grammgenaue Gewicht der fertigen Figur und eine fehlerfreie Produktion: »Wenn da 100 Gramm draufstehen, dürfen keine 99,4 oder 103,2 drin sein«, so der Juniorchef. Darum müsse beim Osterhasen jedes Barthaar perfekt gezeichnet sein, bei der Tafel jeder Grat exakt vermessen, die Dicke der Schokomasse präzise festgelegt.

Solche Qualität hat ihren Preis. »Wir sind nicht der günstigste Anbieter am Markt. Aber wir legen großen Wert auf die Dauerhaftigkeit unserer Formen. Die sollen nicht nur eine Saison in Gebrauch sein, sondern über Jahre hinweg. Das verstehen wir unter Nachhaltigkeit.« Die Rechnung gehe für den Kunden auf. »Ob bei einer Form null Prozent oder fünf Prozent Ausschuss herauskommen, macht über die Jahre einen großen Unterschied«, so Schwaiger. Was den Umgang mit Energie angeht, sind nicht nur Photovoltaikanlagen auf den Gebäudedächern selbstverständlich, sondern auch die Rückgewinnung von Prozesswärme und die Einspeisung der Überschusswärme ins Nahwärmenetz. »In den vergangenen drei bis vier Jahren haben wir 1,3 Millionen Kilowattstunden eingespart und 485 Tonnen CO₂«, sagt Firmenchef Rudi Schwaiger. »Aber wir wollen nicht stehen bleiben, sondern hier immer weiter investieren.« So hat zum Beispiel die Umrüstung der Fahrzeugflotte auf E-Autos schon begonnen. Die Ladestelle in der Firma können übrigens nicht nur Mitarbeiter, sondern auch die Anrainern des Unternehmens nutzen.