IHK Magazin

HI-SKY: Ein Riesenrad für München

Ab Mitte April wird in der Landeshauptstadt ein besonders großes Rad gedreht: Das Hi-Sky München will sich im Werksviertel als spektakuläre Touristenattraktion und Eventlocation etablieren. EVA-ELISABETH ERNST

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Knapp 80 Meter hoch - das Riesenrad im Werksviertel am Ostbahnhof (Animation). Foto: Maurer

Ein knappes halbes Jahr vom Konzept bis zur Inbetriebnahme: Wohl keine der vielen Touristenattraktionen der bayerischen Landeshauptstadt entstand so schnell wie Hi-Sky München. Die Entscheidung, es im Werksviertel Mitte, am Standort des zukünftigen Konzertsaals aufzubauen, fiel erst im September vergangenen Jahres. Die Baugenehmigung wurde binnen zwei Monaten erteilt. Ende Dezember unterzeichneten die Projektpartner die letzten Verträge. Und nach neun Wochen Aufbauzeit werden die ersten Fahrgäste am 14. April in eine der 27 Großraumgondeln einsteigen und von dort aus den Blick über München und das Umland bis hin zu den Alpen genießen.

Hi-Sky wird mit seinen knapp 80 Metern Gesamthöhe weithin sichtbar sein. Ein weiteres Modell dieses Typs steht in Mexiko. Es hat es als weltweit größtes transportables Riesenrad sogar ins Guinness- Buch der Rekorde geschafft. Gebaut wurde es vom Münchner Stahlbauunternehmen Maurer SE. Christian Braun (59), geschäftsführender Direktor bei Maurer, ist Initiator des Projekts.

Langjährige Erfahrung

Seit den 1990er-Jahren ist das Traditionsunternehmen Maurer, das weltweit über 1000 Mitarbeiter beschäftigt, nicht nur an spektakulären Bauprojekten beteiligt. Das Know-how rund um das Beherrschen und Lenken von Kräften und Bewegungen setzt es auch für den Bau von Riesenrädern ein. Zunächst handelte es sich dabei um Auftragsproduktionen.

Mittlerweile vertreibt Maurer diesen Teil der Produktpalette auch in Eigenregie. »In der Vergangenheit hatten wir immer wieder mal ein Riesenrad zur TÜV-Abnahme auf unserem Firmengelände am Frankfurter Ring aufgebaut«, sagt der Bauingenieur. »Das stieß jedes Mal auf viel Interesse und positive Resonanz. Daraus entstand der Gedanke, in unserer Heimatstadt München ein fest installiertes Riesenrad für Einheimische und Touristen zu bauen.«

Im März 2018 trug Braun seine Idee der Münchner Stadtverwaltung vor, die das Vorhaben grundsätzlich begrüßte. Schwierig erwies sich die Suche nach einem geeigneten Standort. Im Sommer kristallisierte sich das Gelände am Ostbahnhof, auf dem der neue Konzertsaal entstehen wird, als ideale Lösung heraus. »Entscheidend für die rasche Umsetzung unserer Idee war die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Werner Eckart und seinem Team vom Werksviertel Mitte«, betont Braun.

Dass es durchaus eine Mammutaufgabe war, den Start von Hi-Sky binnen weniger Monate vorzubereiten, bestätigt Arantxa Dörrié, Mitglied der Geschäftsleitung der Motorworld Group, die den Betrieb des Riesenrads übernehmen wird. Schließlich galt es nicht nur, rund zwanzig Mitarbeiter für Betrieb, Verwaltung und Marketing einzustellen und zu schulen. Auch das Betreiber- und Vermarktungskonzept musste binnen kürzester Zeit entwickelt und umgesetzt werden. Und das ist durchaus ambitioniert: Das Riesenrad wird an 365 Tagen im Jahr von 10 bis 22 Uhr in Betrieb sein. Je nach Drehgeschwindigkeit können pro Stunde bis zu 1 300 Personen befördert werden.

Es soll nicht nur klassische Fahrten geben. »Wir bieten auch Erlebnisse wie Weißwurstfrühstück oder Meetings in der Gondel«, sagt Dörrié. Selbst Trauungen sollen im Hi-Sky München möglich sein. Und bei der »Fahrt mit Schuss« wird ein Cocktail oder ein Glas Champagner serviert.

Spezialisten für Erlebnisse

Erfahrungen mit Riesenrädern oder anderen Fahrgeschäften hat die Motorworld Gruppe bislang nicht. »Wir bringen jedoch Know-how rund um außergewöhnliche Erlebnisse, Catering und Möblierung mit und verfügen über ein gutes Netzwerk an erfahrenen Partnern«, sagt Dörrié. Schließlich betreibt die inhabergeführte Unternehmensgruppe mit Sitz in Schemmerhofen unter anderem die Motorworld Erlebniswelten in Böblingen und im Rheinland. In München ist sie für die Veranstaltungshallen Zenith, Kesselhaus und Kohlebunker verantwortlich. In den arbeitsintensiven Wochen vor der Inbetriebnahme des Riesenrads war Dörrié ausgesprochen froh über mittelständischen Pragmatismus und kurze Entscheidungswege bei der Motorworld Gruppe.

Attraktion für Touristen und Einheimische

So dauerte es nur zwei Tage, bis der Name und das Logo verabschiedet waren. Zwischen den Jahren, am 28. Dezember 2018, ging die Website von Hi-Sky München online, parallel dazu wurde die Presse informiert. »Von da an erhielten wir jeden Tag Anfragen, obwohl wir zunächst noch keine Buchungsplattform in die Website ingegriert hatten«, sagt Dörrié. Dass nicht nur Privatleute Interesse zeigten, sondern auch wichtige touristische Akteure, allen voran Tourismus München, die Tourismusorganisation der Landeshauptstadt, sowie TIM, die Tourismus Initiative München, freut sie ganz besonders.

Dörrié will die Einheimischen ebenfalls für Hi-Sky begeistern: Wer belegen kann, dass er in der Landeshauptstadt wohnt, bezahlt für eine halbstündige Standardfahrt mit dem Riesenrad statt 14,50 Euro zwei Euro weniger. Diese Eröffnungsaktion gilt bis Ende September. »Darüber hinaus haben wir auch für Unternehmen, Senioren und Schulklassen attraktive Pakete geschnürt«, sagt Dörrié. Schließlich kalkulieren die Projektpartner mit jährlich 300000 Fahrgästen. Das sind immerhin 800 Fahrten pro Tag.

Dass dies durchaus realistisch ist, belegt das London Eye, das größte Riesenrad Europas, das seit der Inbetriebnahme im Jahr 2000 zu nahezu einhundert Prozent ausgelastet ist. »Bis mit dem Bau des Konzertsaals begonnen wird, haben wir rund zwei Jahre Zeit, um zu beweisen, dass unser Riesenrad eine Bereicherung für München ist«, sagt Braun. Dörrié rechnet fest damit, dass das Riesenrad zu einer bekannten Münchner Attraktion wird. »Und wir hoffen natürlich, dass wir in dieser Zeit einen festen Standort für Hi-Sky München finden.«