Group7

Wir drucken auch Ersatzteile

Das Logistikunternehmen Group7 übernimmt mit innovativen Lösungen für seine Firmenkunden Aufgaben, die über den klassischen Transport weit hinausgehen. LORENZ GOSLICH

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© Lorenz Goslich Group7-Chef Günther Jocher

Der Griff am Gepäckfach ist kaputt – eigentlich nur ein kleines Malheur. Aber in einem Flugzeug hat es gravierende Folgen. Wegen eines solchen Defekts dürfen Maschinen häufig nicht starten. Und bis der Fehler behoben ist, kann es lange dauern, wenn erst ein Spezialist mit dem Ersatzteil zum jeweiligen Flughafen reisen muss. Als am Flughafen von Shanghai ein ähnliches Problem auftrat, löste das Logistikunternehmen Group7 es auf raffiniert einfache Weise: In Deutschland wurde ein Druckbefehl eingegeben, in Schanghai das Ersatzteil per 3-D-Drucker hergestellt, eingebaut – und das Flugzeug war abflugbereit.

Das Beispiel zeigt: Die Logistik befindet sich in rasantem Wandel. Gerade hochinnovative digitale Technik eröffnet völlig neue Möglichkeiten. Die Group7 AG in Schwaig nahe dem Münchner Flughafen zeigt, wie sie sich konsequent nutzen lässt. Das 2006 gegründete Unternehmen verbindet klassische Transport- und Speditionstätigkeiten mit modernen Dienstleistungen, die man von einem Logistiker nicht unbedingt erwarten würde.

So wuchs Group7 innerhalb von nur elf Jahren zu ansehnlicher Größe heran. Die Firma beschäftigt derzeit 470 Mitarbeiter und setzte im Vorjahr 96 Millionen Euro um. Sie betreibt neun Niederlassungen in Deutschland. Hinzu kommt ein Partnernetzwerk mit 195 Stützpunkten in aller Welt. Die moderne Ausrichtung des Unternehmens trägt die Handschrift des heutigen Alleininhabers Günther Jocher. Der 58-jährige gelernte Speditionskaufmann und dreifache Vater ist Logistiker durch und durch. Schon während seiner Lehre vertrat er für die damalige Zeit unkonventionelle Ideen. So setzte er sich für Luftfrachtsammelverkehre ein, bei denen leerer Transportplatz durch Bündelungen mehrerer Versandgüter kostensparend genutzt wird. Mit gerade 22 Jahren gründete er sein erstes Unternehmen.

Bei Group7 stieg Jocher vor zehn Jahren ein. Seither bringen er und sein Team neuen Schwung in die traditionsbehaftete Logistikbranche und gehen weit über die üblichen Transport- und Speditionsleistungen hinaus. Mit maßgeschneiderten Lösungen steigen sie nicht selten tief in die Arbeit ihrer Firmenkunden ein. Sie übernehmen zum Beispiel IT-Services, Qualitätskontrolle und Zoll, erledigen die Auftragsannahme und -abwicklung, kümmern sich um die Produktmontage oder um das Retourenmanagement.

Für Merchandisingartikel von Autoherstellern wie Audi oder Sendern wie dem Bayerischen Rundfunk übernimmt Group7 das Fulfillment, also die Belieferung der Kunden inklusive der kompletten Auftragsabwicklung. In den Group7-Lagerhallen stehen die unterschiedlichsten Waren von Lampen über Sportartikel bis hin zu Autozulieferteilen. Spezialisierte Mitarbeiter montieren, prüfen und verpacken die Produkte dort, bevor sie direkt ausgeliefert werden.

Mit Innovationszentren und der Hochschule in Würzburg-Schweinfurt arbeitet Group7 an immer neuen Logistikstrategien. Die Digitalisierung spielt dabei eine zentrale Rolle. Das Unternehmen versucht, so viel wie möglich selbst in der Hand zu behalten. Es betreibt einen IT-Bereich mit derzeit 16 Mitarbeitern, einem eigenen Rechenzentrum und eigenem Integrationsserver. So kann Group7 selbst die benötigten Schnittstellen einrichten und die Prozesse mit Kunden individuell gestalten. Enormes Potenzial sieht Logistikchef Hubert Borghoff im 3-D-Druck. „Ersatzteile auf Abruf“ wie der Gepäckfachgriff im Flugzeug sind schon heute keine Ausnahme mehr.

Zehn Prozent Wachstum

Auch bei den wichtigen klassischen Logistik- und Speditionsaufgaben von Luft- und Seefracht bis zu Lkw- und Bahnverkehren baut Group7 auf Innovation. Das Unternehmen betreibt fahrerlose Transportsysteme, setzt Elektromobilität und Robotik ein und engagiert sich für Nachhaltigkeit. Das Logistikcenter in Schwaig wurde als erste derartige Einrichtung nach den Kriterien der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB) zertifiziert. Mit Hilfe eines CO2-Rechners fließt der Energieverbrauch vor- und nachgelagerter Lieferprozesse in die Klimabilanz ein.

Gerade wegen der innovativen Ausrichtung zweifelt Unternehmenschef Jocher nicht daran, dass seine Firma weiter kräftig wächst. Er rechnet mit jährlichen Steigerungsraten um etwa zehn Prozent beim Umsatz. Die Belegschaft soll schon im nächsten Jahr auf mehr als 500 Beschäftigte wachsen.

In Frankfurt am Main errichtet Group7 gerade ein neues Logistikcenter, ein weiteres in Hamburg ist geplant. Dass neben der klassischen Logistik die Dienstleistungspalette weiter an Bedeutung gewinnt, steht für Jocher außer Frage. Bei der Entwicklung neuer Angebote setzt er auf eine bewährte Maxime: „Man muss den Kunden gut zuhören.“ www.group-7.de