Finanzierung

Viel mehr als Kapital

Bayerische Startups erhalten immer häufiger Geld von Business Angels. Für den hiesigen Standort spielen solche Privatinvestoren eine wachsende Rolle: MONIKA HOFMANN

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Geld für gute Ideen - Business Angels bieten Kapital Foto: boykung/shutterstock.com

Sie verstehen sich als Wegbereiter mit Freude am Risiko, aber auch mit Weitblick: Business Angels investieren mehr als nur ihr Geld in junge Hightechfirmen, die mit überzeugenden Geschäftsideen punkten. Da sie häufig ehemalige Firmenchefs sind, können sie auch eine Menge Kontakte, Wissen und Erfahrungen mit einbringen. Und das kann für Startups einen wertvollen Vorteil bedeuten.

„Ohne Business Angels wären wir keinesfalls so weit gekommen, wie wir heute sind“, ist Felix Reinshagen überzeugt, Geschäftsführer der NavVis GmbH. Das Startup digitalisiert Innenräume mit 3D-Scannern auf den Zentimeter genau. Auf dieser Basis entwickelt es Apps, die Nutzer durch Universitäten, Bahnhöfe, Flughäfen, Museen oder bald auch Messen navigieren. Bereits bei den ersten beiden Finanzierungsrunden stiegen neben Venture-Capital-Fonds vier namhafte Business Angels bei dem Startup ein. Sie investierten zunächst 120000 Euro und dann noch einmal eine halbe Million Euro.

„Einerseits versorgten sie uns mit dem besonders wichtigen Seedkapital – solches Risikokapital für den Start ist hierzulande nur sehr schwer zu bekommen“, erzählt Reinshagen. Was aber noch wichtiger war: „Sie gaben damit das Signal für in-stitutionelle Investoren, dass es sich lohnt, in unser Geschäftsmodell zu investieren.“ So zählten zu den weiteren Geldgebern die BayBG Bayerische Beteiligungsgesellschaft mbH, die Target Partners GmbH sowie die MIG Fonds der HMW Emissionshaus AG. In den folgenden Runden beteiligte sich neben den bisherigen Investoren auch die Münchner Risikokapitalgesellschaft Digitalplus GmbH.

Mit dem frischen Kapital kann NavVis das Wachstum finanzieren. Reinshagen startete die Firma mit Robert Huitl, Sebastian Hilsenbeck und Georg Schroth 2013 als Ausgründung aus der Technischen Universität München (TUM). Inzwischen sind 130 Mitarbeiter in München und New York für das junge Unternehmen tätig, das weltweit expandieren will. Die Zusammenarbeit mit seinen Business Angels ist dabei sehr hilfreich. „Sie bringen wertvolle Netzwerke und guten Rat mit, sie investieren ihr eigenes Geld und wollen daher das Unternehmen auf der Erfolgsspur halten“, urteilt Reinshagen.

Anschub für die Frühphase

Business Angels spielen in ganz Bayern eine zunehmend wichtige Rolle, wenn es um die Finanzierung und Entwicklung junger Unternehmen geht, beobachtet Carsten Rudolph (53), Geschäftsführer der BayStartUP GmbH. Dies ist ein Netzwerk, das Startups beim Aufbau des Unternehmens und der Suche nach Kapital unterstützt. Es bündelt rund 280 Business Angels und 100 institutionelle Investoren.

Gerade in der Frühphase, für die Hightechgründer hierzulande früher kaum Geldgeber fanden, ergeben sich daraus neue Chancen: Die Gründer können nicht nur vom Kapital der Business Angels profitieren, sondern auch von deren Branchenwissen und Kontakten. „Wie die vertragliche Zusammenarbeit aussieht, lässt sich flexibel gestalten, auch im Hinblick auf die Art der Beteiligung und Mitspracherechte“, sagt Rudolph.

Er stellt fest, dass Business Angels immer größere Summen zur Verfügung stellen. 2017 kamen rund 40 Prozent des Gesamtkapitals, das über BayStartUP an Startups vermittelt wurde, von privaten Investoren. In den vergangenen zwei Jahren waren es insgesamt über 50 Millionen Euro. Die Volumina, die einzelne private Geldgeber investieren, bewegen sich zwischen 50000 Euro und einem Rekordinvestment im achtstelligen Bereich 2016. Letzteres stammte von einem mittelständischen Business Angel in Weiden. Nicht nur angesichts dieses positiven Ausreißers zeigt sich in der BayStartUP-Gesamtstatistik bei den Privatinvestments ein klarer Trend nach oben.

Mit seinem Team unterstützt Rudolph beide Seiten: Startups hilft er vor allem dabei, ihre Geschäftskonzepte zu durchdenken, Businesspläne zu erarbeiten und Investoren zu finden. Bei regelmäßigen Wettbewerben prämiert das Netzwerk außerdem die besten Startups. Und neue Business Angels finden mit der Bayerischen Venture Capital Akademie ein Angebot, sich mit den typischen Herausforderungen von Startup-Investments vertraut zu machen.

Investorenfreundliche Rahmenbedingungen

Im internationalen Vergleich ist Deutschland jedoch abgeschlagen, wenn es um Risikokapital geht. „Nach wie vor mangelt es an Investoren, die im Bereich der Finanzierungen von drei bis zehn Millionen Euro aktiv werden“, stellt Rudolph klar. „Gerade dieser Bereich ist für Startups, die wachsen wollen, außerordentlich wichtig.“ Besonders bei der Gesetzgebung auf Bundesebene sieht er Nachholbedarf. Zwar verbesserte sich mit deren Neugestaltung 2017 gerade die Förderung für Business Angels mit dem Programm INVEST nochmals deutlich. Aber laut Rudolph gehe es nicht so sehr um weitere Fördertöpfe, „sondern darum, investorenfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen“.

Das ungünstige Investitionsklima in Deutschland bemängelt auch Robert Oettl, Geschäftsführer der TÜV Süd Advimo GmbH: „Noch immer gibt es zu wenig Risikokapital für Startups.“ Als Privatmann hält er mehrere Beteiligungen von bis zu 15 Prozent des Stammkapitals junger Unternehmen in einer frühen Phase: „Bei innovativen Firmen investiere ich gerne in neue Geschäftsmodelle, kann von den Chancen profitieren – und von der Startup-Stimmung.“

Er sei sich bewusst, dass er hohe Risiken eingehe. Im Gegenzug bestehe aber auch die Aussicht auf außerordentlich hohe Gewinne, sollte sich ein Startup rasant und äußerst erfolgreich entwickeln. „So kann ich unternehmerische Erfahrungen weitergeben und die Risiken weiterhin fühlen, auch als angestellter Manager“, erklärt Oettl. Allerdings herrschten hierzulande keine investorenfreundlichen Rahmenbedingungen, kritisiert er: „Die realisierten Verluste sind kaum steuerlich absetzbar, der Erfolg hingegen ist voll steuerpflichtig.“

Gerade Gründer mit innovativen Geschäftsmodellen profitieren von Business Angels. Zwar ist es für sie nicht einfach, die richtigen Privatinvestoren zu finden. Zudem müssen sie gewisse Einschränkungen ihrer unternehmerischen Freiheit in Kauf nehmen. Läuft die Zusammenarbeit aber gut, können sie schneller wachsen, ihre Liquidität sichern und sich bei der kostspieligen Forschung und Entwicklung unterstützen lassen. „Business Angels dienen oft auch als Ersatz für die zaghaften Banken, die mich selbst beim Start meines früheren Unternehmerlebens kaum unterstützten“, sagt Oettl. „Zudem trägt die Erfahrung von außen dazu bei, Fehler zu vermeiden.“ Um solche Vorteile zu nutzen, arbeitet auch die e-bot7 GmbH von Beginn an mit Business Angels zusammen. Das Münchner Startup bietet einen automatisierten Service für Unternehmen an, der Kundenanfragen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz beantwortet. „Unser System analysiert eingehende Nachrichten, schickt sie an die richtige Abteilung und schlägt Antworten vor – dadurch sinkt die Bearbeitungszeit um bis zu 80 Prozent“, erklärt Fabian Beringer (24), Geschäftsführer und Gründer von e-bot7. Die Summen, die Business Angels in seine Firma investieren, liegen bei hohen fünf- und sechsstelligen Beträgen. Den größten Pluspunkt skizziert er so: „Sie helfen uns nicht nur mit Kapital, sondern auch mit Expertise, unser Unternehmen weiter auszubauen.“