Exportpreis

Könner auf dem Weltmarkt

Der Exportpreis Bayern zeichnet kleine Firmen aus, die international erfolgreich sind. In der Kategorie Dienstleistung überzeugte in diesem Jahr die Starnberger econ industries services GmbH die Jury. MECHTHILDE GRUBER

Exportpreis Bayern 2018 – econ INDUSTRIES, Geschäftsführer und Ehepartner Reinhard Schmidt und Stephanie Gundlage
© Wolf Heider-Sawall Econ-Geschäftsführer Reinhard Schmidt, Mitinhaberin und Ehefrau Stefanie Gundlage. Foto: Wolf Heider-Sawall

Mit innovativen Ideen und klugen Konzepten erzielen auch kleine Unternehmen große Leistungen auf dem Weltmarkt. Die internationalen Erfolge der Exportpreisbewerber beeindruckten ihn jedes Jahr aufs Neue, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern und langjähriges Mitglied der Jury: „Bayerische Qualitätsarbeit, ein hohes Maß an Expertise und eine nachhaltige Internationalisierungsstrategie – das sind die Zutaten vieler Erfolgsrezepte. Mit der richtigen Portion Flexibilität und Ausdauer können kleine Unternehmen auch hart umkämpfte Auslandsmärkte erfolgreich bedienen. Dies stellen die Exportpreisgewinner klar unter Beweis.“

Mutmacher und Vorbild

Die Auszeichnung belohnt in diesem Jahr zum 12. Mal Erfolgsstrategien von bayerischen Mittelständlern mit maximal 50 Mitarbeitern. 55 Unternehmen bewarben sich für die begehrte Trophäe. Der Exportpreis wird vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, den bayerischen IHKs sowie der Arbeitsgemeinschaft der Bayerischen Handwerkskammern in Zusammenarbeit mit Bayern International verliehen.

Die Exportpreis-Gewinner sind immer auch Mutmacher und Vorbild für andere Unternehmen, die den Einstieg in Auslandmärkte planen. So zeigt die econ industries services GmbH, die in der Kategorie Dienstleistung siegte, wie sich Stück für Stück ein erfolgreiches Auslandsgeschäft aufbauen lässt. „Abseits vom Mainstream wollten wir etwas Besonderes leisten“, sagt econ-Gründer Reinhard Schmidt zu seiner Vision.

Die Geschäftsidee des Diplomingenieurs: die Wiederverwertung von gefährlichen industriellen Abfällen, die sonst verbrannt werden oder auf Deponien landen. Seit 2003 bietet sein Unternehmen von Starnberg aus weltweit Lösungen für die Rückgewinnung von Ressourcen zum Beispiel aus kontaminierten Böden, aus Metall-, Bohr- oder Abwasserschlämmen. In den von econ industries entwickelten Aufbereitungsanlagen kommt vorrangig die VacuDry®Technologie zum Einsatz: Unter großer Hitze und Vakuum werden dabei in einem geschlossenen Prozess die Schadstoffe ausgeschieden. Gefährliche Stoffe können so problemlos entsorgt, wertvolle Ressourcen wie etwa Bohröle sowie der gereinigte Boden dagegen wiederverwendet werden.

Von Anfang an setzte econ auf den Export seiner Anlagen. Bereits 2006 hatte die Firma die erste Anlage nach Kuwait verkauft, wo sie seither Ölabfälle aus Bohrlöchern aufbereitet. „Die VacuDry®Technologie hat sich zu unserem Exportschlager entwickelt“, sagt Geschäftsführer Schmidt. „Bei diesem Verfahren zur Aufbereitung von Sonderabfällen sind wir weltweit Marktführer.“

100-prozentige Wiederverwertung

Das Unternehmen lieferte schon Anlagen für hochgiftige Raffinerie- und Quecksilberabfälle, Metallschlämme und kontaminierte Böden nach Australien, Israel, Frankreich und England. Die Entwicklungsleistungen für die weltweiten Kundenaufträge erbringt das econ-Team am Standort Starnberg. Die Einzelteile der VacuDry®Anlage werden in Deutschland und Österreich produziert, 40 Prozent der Zulieferer stammen aus Bayern.

In Aserbaidschan installierte econ industries 2016 die weltweit größte Anlage zur Behandlung von Bohrschlämmen. In 48 Containern wurden die dafür notwendige Maschinentechnik und der Stahlbau von Bayern nach Baku transportiert. Nach Firmenangaben ist es die erste Anlage, die eine 100-prozentige Wiederverwertungsquote erreicht. Sie verarbeitet bis zu 100000 Tonnen Bohrschlamm aus der Öl- und Gasförderung jährlich – und gewinnt mehr als 16000 Tonnen Hochleistungsbohröl zurück, das vor Ort direkt wiederverwendet wird.

Internationales Netzwerk

Für den erfolgreichen Markteinstieg im Ausland sei vor allem das persönliche Engagement ausschlaggebend gewesen, sagt econ-Chef Schmidt rückblickend. Zunächst hatte das Unternehmen versucht, mit Vertretungen im Ausland zusammenzuarbeiten. Funktioniert habe das nicht, meint der 54-Jährige. Daraufhin übernahm econ industries die Kundenbesuche selbst und arbeitete sich intensiv in Länder, Mentalitäten und Strukturen ein. „So haben wir ein Gefühl dafür entwickelt, welche Projekte erfolgreich sein können“, sagt der Geschäftsführer.

Gleichzeitig knüpfte er sehr gezielt ein internationales Netzwerk. Auf Messen und bei Delegationsreisen pflegte econ industries Kontakte, suchte die Unterstützung von Auslandshandelskammern, arbeitete auf Kongressen und Seminaren mit. Besonders die gute Zusammenarbeit mit der UN-Organisation für Infrastrukturprojekte UNIDO schätzt Schmidt. Sie nütze beiden Seiten: „Wir bringen sie technisch immer auf den neuesten Stand, sie informieren uns über Projekte und Anfragen.“

Ausbau der Internetpräsenz

Um auf sich aufmerksam zu machen, baute die Firma auch ihre Internetpräsenz deutlich aus. Viele detaillierte Informationen über die Besonderheiten der Technologie sowie Case Studies von Referenzanlagen sind online verfügbar. „Mit dieser Transparenz schaffen wir Vertrauen“, ist Schmidt überzeugt. Das Unternehmen ist vor allem in Ländern erfolgreich, in denen nur wenige Strukturen für die Behandlung von Abfallströmen bestehen. „Dort finden wir mit unseren neuen Lösungen den Freiraum, das Recycling wirklich als klare Alternative und Konkurrenz gegen das Verbrennen und Deponieren zu stellen“, sagt econ-Manager Schmidt. Kunden sind vor allem große Entsorgungsunternehmen und Betreiber aus der Öl-, Gas-, Chemie- und Metallindustrie.

Immer mehr Kundenanfragen kommen auch aus China und Südostasien. Derzeit realisiert econ industries zwei Aufträge aus Indien. Gefragt ist einerseits die besondere Technologie, die econ industries schlüsselfertig liefert und an die unterschiedlichen Kundenbedürfnisse individuell anpasst. Grundlage des Erfolgs sei aber ebenso die konsequente Serviceorientierung und damit die vielfältigen Dienstleistungen, betont Schmidt: „Wir begleiten den Kunden in allen Phasen des Projekts.“ Das reicht von der Genehmigungsplanung über die Erstellung eines Businessplans bis zum Aufbau der Anlage und der Schulung der Mitarbeiter. Falls gewünscht, übernimmt econ industries in der Anfangsphase zusätzlich die Betriebsleitung. „Dafür müssen wir natürlich auch personell sehr gut aufgestellt sein, was beim heutigen Fachkräftemangel nicht ganz einfach ist“, sagt Schmidt.

Die mittlerweile 20 Mitarbeiter bei econ industries seien äußerst engagiert. „Es sind nicht nur hochqualifizierte Techniker, die Maschinen konstruieren, bauen und ausliefern können. Sie sind auch an fremden Kulturen interessierte Menschen, die Spaß haben, zu reisen und länger in anderen Ländern zu bleiben.“ Econ industries legt viel Wert auf die nötige interkulturelle Kompetenz der Mitarbeiter, sich in fremden Kulturen auf Augenhöhe, professionell und sicher zu bewegen. Über den Exportpreis freut sich deshalb nicht nur Geschäftsführer Schmidt mit seiner Frau, der Mitinhaberin Stephanie Gundlage. Die gesamte Belegschaft will die Anerkennung ihrer Arbeit durch den Preis entsprechend feiern.

Mehr Aufmerksamkeit

Durch die öffentliche Ehrung erwartet econ industries noch mehr Aufmerksamkeit für das Unternehmen – im Ausland, aber auch in Deutschland. Denn hierzulande werden viele Industrieschlämme noch immer auf Deponien endgelagert oder unter immensem Energieaufwand verbrannt, obwohl sie sinnvoll verwertet werden können. Schmidt will sich mit Lösungen von gestern nicht abfinden: „Wir würden in Deutschland gerne selbst eine Anlage betreiben. Dafür suchen wir Partner und Investoren.“ Exportpreis