Exportpreis Bayern

Exzellent im Außenhandel

Mit innovativen Ideen behaupten sich gerade kleine Mittelständler auf dem Weltmarkt. Für ihre erfolgreichen Strategien zeichnet der Exportpreis auch Firmen aus Oberbayern aus. MECHTHILDE GRUBER

data M, Albert und Maximilian Sedlmaier, Geschäftsführer
© Wolf Heider-Sawall Die data M-Geschäftsführer Albert Sedlmaier (r.) u. Maximilian Sedlmaier

Dass internationaler Erfolg nicht nur etwas für die großen Unternehmen ist, stellen jedes Jahr die bayerischen Exportpreisgewinner unter Beweis. „Es ist beeindruckend, mit welchen außergewöhnlichen Ideen gerade die Kleinen im Ausland durchstarten“, sagt Peter Driessen, Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern und Mitglied der Jury. Von beispielloser Ingenieurskunst bis zu innovativen Car-Hi-Fi-Produkten sei alles dabei.

Der Exportpreis Bayern zeichnet das Außergewöhnliche aus, das kreative Konzept ist entscheidend. Die begehrte Auszeichnung wird seit 2007 vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie, dem Bayerischen Industrie- und Handelskammertag sowie der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern in Zusammenarbeit mit Bayern International verliehen.

In den vier Kategorien Industrie, Handel, Dienstleistung und Handwerk wurden in diesem Jahr unter 66 Bewerbern die besten ausgewählt. Frank Dollendorf, Bereichsleiter Außenwirtschaft der IHK für München und Oberbayern, der den Exportpreis seit seiner Premiere begleitet, ist beeindruckt, welche Erfolgsgeschichten gerade kleinere Unternehmen schreiben: „Die Preisträger sind immer auch Mutmacher und Vorbild für andere Unternehmen, die die Auslandsmärkte erobern wollen.“ Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner zeichnete die vier Sieger in einer feierlichen Abendveranstaltung am 22. November 2017 aus. Die oberbayerischen Gewinner aus den Kategorien Handel und Dienstleistungen stellen wir hier vor.

Dienstleistungen: data M Sheet Metal Solutions GmbH

Wir sind in unserem Nischenmarkt die Besten“, sagt Albert Sedlmaier (60) selbstbewusst. „Mit der Technologie, die wir bieten, steigern unsere Kunden ihre Effizienz und Wettbewerbsfähigkeit“, so der Gründer und Geschäftsführer der data M Sheet Metal Solutions GmbH in Valley. Ständige Innovation und Kundennähe sind für ihn deshalb die einzig richtige Erfolgsstrategie, mit der er sein kleines mittelständisches Unternehmen auch in Zukunft an der Spitze halten will.

Die Firma ist auf Softwareentwicklung und Ingenieurdienstleistungen für die Profil- und Röhrenherstellung spezialisiert. Zu den Kunden zählen vor allem Industriebetriebe aus den Bereichen Möbel, Automobil, Transport, Eisenbahn, Öl und Gas sowie Anlagenbauer. Auch an Digitalisierung und Industrie 4.0 in der Profilherstellung arbeitet das kleine oberbayerische Unternehmen – dank intensiver Forschung und Entwicklung von neuartiger Maschinentechnologie. Vor allem der Fahrzeugbau benötigt Maschinen dieser Art weltweit.

Das Familienunternehmen, das 29 Mitarbeiter beschäftigt, stieg schon vor 26 Jahren ins Auslandsgeschäft ein. Was als akademische Kooperation mit einem chinesischen Universitätsprofessor begann, ist heute eine enge Vertriebspartnerschaft und langjährige Freundschaft mit dem Geschäftspartner in Peking. „Das hat uns das Tor zum Reich der Mitte geöffnet“, sagt Sedlmaier. Neben der Eurozone zählen heute China, Japan und Indien, der südostasiatische Raum sowie Nordamerika zu den wichtigsten Absatzmärkten.

Wegen seiner innovativen Technologie und nicht zuletzt wegen der Reisebegeisterung des Firmenchefs ist data M in sehr vielen Ländern aktiv. Die Mitarbeiter besuchen nicht nur regelmäßig Kunden, das kleine Unternehmen ist auch auf allen wichtigen Messen und Fachkongressen präsent. „Sobald sich in einem Land industrielle Produktion in unserem Bereich entwickelt, sind wir dabei“, so Sedlmaier. Um gute und vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen aufzubauen, braucht es seiner Erfahrung nach mehr als ein hervorragendes Produkt. data M schult die Mitarbeiter daher nicht nur in Vertriebsfragen, sondern auch in interkultureller Kompetenz. „Wir begegnen den Menschen fremder Kulturen immer auf Augenhöhe, sie sind unsere Partner“, betont der Geschäftsführer. Das sei eine der wichtigsten Voraussetzungen für den internationalen Erfolg.

Handel: Ground Zero GmbH

„Die Nähe zu unseren Kunden ist der Schlüssel zu unserem Erfolg und für unser kleines Unternehmen auch der einzige Weg“, sagt Karl Felix Lautner (67), Geschäftsführer der Ground Zero GmbH in Egmating bei München. Die Firma entwickelt und vertreibt weltweit außergewöhnliche und vielfach ausgezeichnete Car-Hi-Fi-Produkte wie Autoradios, Lautsprecher und Verstärker sowie die Subwoofer-Boxen „Ground Zero“, nach denen sich das Unternehmen benannt hat.

Die anspruchvollen Käufer sind Autofahrer, die einen guten Sound schätzen, ebenso wie absolute Klangfetischisten. Sie wissen um die besondere Qualität und Performance dieser Produkte, die ausschließlich in Egmating entwickelt und in 28 Fabriken in Deutschland, China und Südkorea gefertigt werden.

Das 1995 gegründete Unternehmen exportierte anfangs nur in die USA, bis 2004 die Entscheidung fiel, stärker ins Auslandsgeschäft einzusteigen. Heute liefert Ground Zero in 65 Länder. In Skandinavien, Italien, Russland, China, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten sind seine Produkte am meisten gefragt – dort, wo „Designed in Germany“ und „Made in Germany“ besonders gut ankommen. Rund 90 Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet das Unternehmen heute im Export. Ein Grund für den Erfolg: „Wir sehen jeden Markt mit seinen Besonderheiten“, sagt Firmenchef Lautner. „Viele unserer Produkte sind länderspezifisch, wir passen sie individuell an die Wünsche unserer Kunden an.“

Die großen Hersteller, die in riesigen Stückzahlen produzieren, könnten dies nicht leisten. Damit behauptet sich das kleine bayerische Unternehmen mit seinen 15 Mitarbeitern gegen Weltkonzerne wie Pioneer oder Kenwood. Die sechs EISA Awards, eine Art Oscar der Unterhaltungselektronik, unterstreichen, wie exzellent das Image auf dem Weltmarkt ist. Damit gibt sich Ground Zero nicht zufrieden. „Wir wollen noch stärker werden, unsere Präsenz in den Ländern weiter ausbauen“ sagt Karl Felix Lautner. Geschäftsführer und Mitarbeiter sind deshalb viel auf Messen unterwegs. Nicht nur, um neue Kunden zu akquirieren, sondern auch, um neuesten Trends nachzuspüren.

Ebenso lädt die Firma jedes Jahr ihre Importeure aus aller Welt nach Oberbayern ein. In Meetings werden dann Produktstrategien weiterentwickelt und neue Ideen und Kundenwünsche diskutiert. Viel Energie steckt das Unternehmen in Forschung und Entwicklung, um mit intelligenter Elektronik das Klangerlebnis in Fahrzeugen weiter zu optimieren. „Wir denken an die Zukunft, für uns gibt es keinen Stillstand“, so Lautner.