IHK Magazin

Ehrenamt: "Ich bin ein Mensch der Mitte"

Otto Heinz, geschäftsführender Gesellschafter des Heinz Entsorgung GmbH & Co. KG, engagiert sich intensiv in zahlreichen Ehrenämtern. Ihn reizt es, sich in neue Themen einzuarbeiten, Stellung zu beziehen und Interessen zu vertreten. HARRIET AUSTEN

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© THORSTEN JOCHIM 30 Prozent der Zeit fürs Ehrenamt - Otto Heinz, Co-Geschäftsführer der Heinz Entsorgung GmbH & Co. KG. Foto: Thorsten Jochim

Was sein erstes Ehrenamt gewesen sei? Otto Heinz denkt kurz nach und schmunzelt: zweiter Schülersprecher im Gymnasium Moosburg. Damit startete er eine eindrucksvolle Laufbahn ehrenamtlichen Engagements. Der Sprecher der Geschäftsführung der Heinz Entsorgung GmbH & Co. KG aus Moosburg wirkt seit Jahren in zahlreichen Ehrenämtern. »Für mich ist das Ehrenamt Teil einer verantwortungsvollen Unternehmensstrategie«, begründet Heinz seinen beträchtlichen Einsatz. Immerhin wendet der 49-Jährige 30 Prozent seiner Zeit dafür auf.

Es sei ein Geben und Nehmen. Er profitiere persönlich und unternehmerisch von Kontakten, Themen und Beschlüssen, die er in den verschiedenen Ehrenämtern aufgebaut und vorangetrieben hat. »Ich werde positiv wahrgenommen, komme mit wichtigen Entscheidungsträgern zusammen und kann an ökonomischen Prozessen mitarbeiten, die auch meine Firma betreffen«, fasst Heinz zusammen.

In der IHK für München und Oberbayern engagieren sich über 12000 Personen – die weitaus größte Zahl als Prüfer in der beruflichen Bildung. Es folgen Wirtschaftsjunioren, Handelsrichter und Mitglieder in den einzelnen IHK-Gremien. »Das ist einfach nur großartig«, lobt IHK-Präsident Eberhard Sasse. »Sie sind das Gesicht der IHK und wichtige Botschafter der Wirtschaft.« Für Heinz bedeutet dies, die Interessen der Region in der Kammer, in der Kommune und in der Politik bis nach Berlin zu vertreten. »Ich bin geschäftlich in Oberbayern und Niederbayern verwurzelt, mein Thema ist die Region«, erklärt der Mittelständler. Besonders positiv sei dabei, dass zu seinen Kunden als Entsorgungsunternehmer auch viele Kommunen und Landkreise zählen.

Heinz war schon als junger Mann vielseitig interessiert, wollte sich weiterbilden und ein Netzwerk aufbauen. Deshalb absolvierte er gleich nach seinem Eintritt in den Familienbetrieb Schulungen und Fachtagungen des Verbands der Bayerischen Entsorgungsunternehmen e.V. (VBS) und besuchte als Gast das IHK-Gremium Erding-Freising. Dort gefiel es ihm so gut, dass er – zunächst als Mitglied und seit 2011 als Vorsitzender – tatkräftig mitarbeitete und zusätzlich im IHK-Ausschuss Umwelt und Energie mitwirkte.

Konflikte moderieren

Seine Erwartungen haben sich mehr als erfüllt: »Ich habe viele Menschen kennengelernt, mich in zahlreiche Themen eingearbeitet und konnte Stellung nehmen zu wirtschaftspolitischen Fragen wie Infrastruktur, Logistik, Verkehr und Fachkräfte«, so Heinz.

Prägend sei der Meinungsbildungsprozess in der IHK bei der Debatte um die dritte Startbahn am Flughafen München gewesen. Der Unternehmer nahm eine Moderationsrolle ein und schaffte es, die unterschiedlichen Interessen so zu bündeln, dass am Ende eine tragfähige, rationale, gemeinsame Position für das Großprojekt stand.

Heinz bringt als »Mensch der Mitte« dafür genau die richtigen Eigenschaften mit. Er bezeichnet sich als »ausgleichenden Typ«, der seine Werte lebt und nur Aussagen trifft, die er mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das überzeugte auch die 19 IHK-Regionalausschussvorsitzenden, die ihn 2016 zu ihrem Sprecher wählten. Damit rückte er in das Präsidium auf und ist seitdem einer von zehn IHK-Vizepräsidenten.

Zusätzlich ist er seit 2017 Sprecher des IHK-Forums Region München und damit Sprachrohr der Unternehmen im wichtigsten Wirtschaftsraum Deutschlands. »Mehr Arbeit, mehr Verantwortung«, gibt er zu. Aber er kann in dieser Position die Regionen noch besser stärken und den von der IHK eingeleiteten Regionalisierungsprozess in der Vollversammlung vorantreiben.

Im vergangenen Jahr besuchte Heinz alle vier IHK-Geschäftsstellen und hörte sich an, wo es hakt. Dafür erntete er von seinen Gesprächspartnern großes Lob: »Ein Ehrenamtler nimmt sich für uns und andere Unternehmen Zeit, die ihm im Betrieb abgeht.«

Heinz hat sich selbst sowie sein Unternehmen organisatorisch auf den Aufwand eines Ehrenamts eingestellt. Der Geschäftsführer wird von seinen Mitgesellschaftern, von »sehr guten Mitarbeitern und Führungskräften« (Heinz) und von seiner Familie wohlwollend unterstützt. Außerdem sei er per E-Mail und Telefon jederzeit erreichbar.

Beim Branchenverband VBS, bei dem der Entsorger aus Moosburg eines der größten Mitgliedsunternehmen ist, rückte Heinz ebenfalls stetig nach oben – vom Arbeitskreis duale Systeme (1999) über den Vorstand (2004) bis hin zum Präsidentenamt (seit 2006). Auch hier beeindruckt seine ruhige, kompromissfähige Art, mit der er zum Beispiel als Vorsitzender der Strategiegruppe die Zukunftsorientierung des Verbands mitentwickelte.

Im VBS und im Bundesverband BDE tritt der Unternehmer für die Interessen seiner Branche ein wie zum Beispiel für einen fairen Wettbewerb zwischen Kommunen und privaten Entsorgern. »Das hat natürlich mehr mit meinem Unternehmen zu tun«, sagt Heinz, der die Synergieeffekte nutzt: Know-how erwerben, Trends früh erkennen, Gesetzesvorlagen beeinflussen. Auch im Kontakt mit der Politik ist er fit: »Man wird sehr gerne angehört«, stellt er fest, vor allem wenn man sich gut vorbereite und aussagekräftige Unterlagen zur Verfügung stelle.

Klare Prioritäten

Durch seine umfangreichen ehrenamtlichen Aufgaben hat der begeisterte Eishockeyspieler auch persönlich viel gewonnen. Neben Reputation und Vorbildfunktion habe er »seine Mitte gefunden«, wie er es nennt. Dazu gehören Routine und Gelassenheit ebenso wie klare Prioritäten: »Zuerst kommen Gesundheit und Familie und dann erst die Arbeit«, so Heinz. Vor allem habe er gelernt, nein zu sagen. Neue Engagements lehnt er weitgehend ab: »Was ich mache, mache ich richtig und mit
vollem Einsatz. Mehr geht nicht.«