IHK Magazin

Ehrenamt: Stimme für die junge Wirtschaft

Die Rosenheimer Unternehmerin Denise Schurzmann hat sich durch ihre vielfältigen Ehrenämter ein umfangreiches Netzwerk aufgebaut. HARRIET AUSTEN

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Denise Schurzmann, Geschäftsführerin der Krause Industrieschaltanlagen. Foto: Marion Vogel

Ich bin das erste und bisher einzige Wirtschaftsjuniorenkind in Rosenheim«, sagt Denise Schurzmann, Geschäftsführerin der Krause Industrieschaltanlagen GmbH, lachend. Ihre Eltern waren bei dem Netzwerk junger Unternehmer aktiv und nahmen ihre Tochter zu vielen Veranstaltungen mit. Daher sei sie quasi damit aufgewachsen, sich gesellschaftlich zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, erklärt Schurzmann. Als Druck habe sie das nicht empfunden, sondern als ihr ureigenstes Anliegen. So hat die 30-Jährige mittlerweile selbst eine beachtliche Reihe an Ehrenämtern angesammelt. Das macht ihr nicht nur Spaß. Sie möchte dadurch vor allem öffentlich Stellung beziehen und ihre Meinung äußern – »für mich selbst und für das Unternehmen«.

Plötzlich Unternehmerin

Die passionierte Springreiterin – ihre Mutter besitzt den Ponyhof St. Peter in Großkarolinenfeld – wollte sich eigentlich beruflich mit Pferden beschäftigen. Aber dann machte sie auf Anraten der Eltern eine Ausbildung zur Bürokauffrau. Weil ihr das jedoch nicht reichte, schloss sie ein Managementstudium an und arbeitete nebenbei in der Firma ihres Vaters mit. Als das Unternehmen eines Geschäftsfreunds 2010 in Schieflage geriet, unterstützte die Studierende ihn bei der Durchführung einer Planinsolvenz. »Dadurch habe ich viel gelernt«, sagt sie. Etwa, einen Betrieb zu sanieren oder schnell wichtige Entscheidungen zu treffen. Sie ahnte damals nicht, dass sie fünf Jahre später nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters selbst Geschäftsführerin der Krause Industrieschaltanlagen werden würde. Bei den Wirtschaftsjunioren Rosenheim fand die junge Unternehmerin, was sie in ihrer Situation brauchte: Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen und Probleme besprechen konnte.

Zu den Wirtschaftsjunioren (WJ) gehören bundesweit mehr als 10000 Unternehmer und Führungskräfte unter 40 Jahren, die in rund 210 Mitgliederkreisen vor Ort präsent sind. »Wer dort mitmacht, gibt der jungen Wirtschaft eine Stimme und will etwas bewegen«, erklärt Schurzmann. Höhepunkt und »eine große Ehre«, wie sie es nennt, war die Ausrichtung der Delegiertenkonferenz 2017 – eine große Herausforderung für die junge Frau. Auch das ließ sie wachsen: »Man wird relaxter und bekommt ein sicheres Auftreten, wenn man mehrere Reden vor 250 Gästen halten muss.«

Damals war Schurzmann Kreissprecherin und Vorstandsvorsitzende der WJ Rosenheim, mit 180 Mitgliedern einer der größten Kreise in Bayern. Sie kümmerte sich besonders darum, dass die Ü40, also die aus Altersgründen passiven Mitglieder, wieder präsenter werden. »Alt und Jung sollen voneinander lernen«, findet die Wirtschaftsjuniorin, die im Oktober 2018 in den Landesvorstand gewählt wurde. Ihre neue Funktion nutzt sie, um im Ressort Bildung und Wirtschaft den bayerischen WJ-Kreisen Bildungsprojekte näher- zubringen, die einfach und dennoch sehr effektiv sind.

Verzahnung von Wirtschaft und Schule

Da sie die Zeitknappheit der Unternehmer und Selbstständigen aus eigener Erfahrung kennt, will sie ihnen die Angst vor dem vermeintlich großen Aufwand nehmen. Ein Beispiel für das Engagement der Wirtschaftsjunioren ist das vom Bundesbildungsministerium geförderte Schülerquiz »Wirtschaftswissen im Wettbewerb«.

Interesse bei Schülern für wirtschaftliche Themen zu wecken und zu einer Verzahnung von Schule und Wirtschaft beizutragen ist ein Anliegen, für das sich Schurzmann richtig begeistern kann: »Ich habe eine Affinität zu Bildungsthemen.« Deshalb führte sie ihr Engagement bei der IHK in Rosenheim als Erstes in den Prüfungsausschuss für Bürokaufleute, 2019 kam noch der Prüfungsausschuss für Industriekaufleute dazu.

Schurzmann schätzt an diesen Aufgaben, dass sie unterschiedliche Ausbildungen kennenlernt und »so meinen eigenen Azubis Tipps geben kann, wie man sich am besten auf eine Prüfung vorbereitet«. In den IHK-Regionalausschuss Rosenheim trat sie 2016 ein, auch ihr Vater war dort Mitglied. »Ich bin mit Abstand die Jüngste und eine der wenigen Frauen in der Industrie«, sagt die 30-Jährige. Besonders in Fahrt gerät die Geschäftsführerin, wenn sie über den »sehr aktiven« IHK-Arbeitskreis Frauen in der Wirtschaft berichtet.

Gemeinsam mit der Vorsitzenden Ingrid Obermeier-Osl und der IHK-Referentin Elfriede Kerschl verfolgen die Mitglieder das Ziel, mehr junge Frauen für die Selbstständigkeit zu motivieren und dafür Unterstützungsprogramme zu entwickeln. Das ist genau das, was Schurzmann mit ihren vielfältigen Ehrenämtern bezwecken will: sich mit neuen Themen auseinandersetzen, die sie selbst und ihre Firma interessieren, mitreden, etwas voranbringen, aber auch Synergieeffekte nutzen. Ihre Erfahrungen aus den unterschiedlichen Gremien gibt sie gerne weiter. Die Jungunternehmerin ist häufig in der Presse, ihr Unternehmen gewinnt durch die positive Außenwirkung ebenfalls. »Wir werden sichtbarer«, beobachtet die Geschäftsführerin. So fällt es dem Unternehmen auch nicht schwer, neue Mitarbeiter zu gewinnen.