IHK Magazin

Ehrenamt: Das Networking möchte ich nicht mehr missen

Der Unternehmer Thomas Brandl bringt wertvolles Know-how in seine Ehrenämter mit. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 10.07.19
Thomas Brandl, Geschäftsleitung Erhard Brandl GmbH & Co.KG
IHK Ehrenamt
Foto: Marion Vogel
Unternehmer Thomas Brandl: engagierter Networker. Foto: Marion Vogel

Eigentlich habe er sich um keines seiner Ehrenämter aktiv bemüht, meint Thomas Brandl. Sie seien alle mehr oder weniger »zu ihm gekommen«. Jedes Mal, wenn der Geschäftsführer der Erhard Brandl GmbH & Co. KG gefragt wurde, entschied er sich aus freien Stücken und berechtigtem Interesse für das jeweilige Amt. So war es auch 2016, als ihm Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt, die Mitgliedschaft im neuen IHK-Regionalausschuss Eichstätt vorschlug. Er sei »eine bodenständige, wirtschaftlich gut vernetzte Person, die ein Gewinn für das Gremium wäre«, begründete sie ihre Anfrage. Der Unternehmer »fühlte sich geehrt«, stellte sich zur Wahl und ist seitdem stellvertretender Vorsitzender.

Im IHK-Regionalausschuss setzt sich Brandl vor allem dafür ein, junge Fachkräfte zu gewinnen. »Wir haben im Landkreis mit 1,3 Prozent Arbeitslosigkeit die niedrigste Quote in Deutschland«, sagt der 40-Jährige. Das ist einerseits erfreulich. Andererseits ist es für Firmen bei dem Fachkräftemangel schwierig, Nachwuchs zu finden. Deshalb will der Unternehmer die duale Ausbildung vorantreiben. Besonders angetan ist er vom Projekt AusbildungsScouts, bei dem Azubis in Schulen von ihren Erfahrungen berichten. In seiner Firma, die im Metallbau, im Einzelhandel und in der Landtechnik aktiv ist, fand er eine Auszubildende, die junge Menschen besonders gut begeistern kann. »Sie ist richtig aufgeblüht dabei, Schülern von ihrer Lehre zu berichten«, freut sich Brandl, der sie dafür gern freistellt.

Kontaktpflege

Die Kauffrau im Einzelhandel hat bereits rund 25 Schulen besucht und »wird häufig gebucht«, wie Brandl sagt. Auch zu Jobmessen und -börsen nimmt der Chef immer drei Auszubildende mit, da sie »im Gespräch mit jungen Leuten viel besser ankommen als ich«, findet er. Ergebnis seines Engagements: einige Schnupperpraktikanten, für die er auch Lehrstellen bereithält. Brandl weiß, dass er Nachwuchskräfte ausbilden muss, will er das Wachstum seiner Firma sichern.

Der Unternehmer schätzt am IHK-Regionalausschuss besonders, dass er jeden jederzeit ansprechen könne, auch wenn es nur um Kleinigkeiten geht: »Das Networking möchte ich nicht mehr missen.« Seine Kontakte reichen bis in die Politik, in die er gern »unternehmerische Gesichtspunkte hereinbringt«, wie er es nennt. So hat er in Eichstätt gerade einen neuen Unternehmertisch angestoßen. Genau das bewog auch den Bürgermeister von Eitensheim, den studierten Maschinenbauer für den Gemeinderat zu gewinnen. »Als einziger Unternehmer in dem Gremium kann ich viele wichtige Impulse setzen«, begründet Brandl seine Zusage.

Im Bauausschuss kümmert er sich vor allem um die städtebauliche Entwicklung des Orts, in dem Brandl größter Arbeitgeber ist. »Dabei kann ich mir jederzeit bei den IHK-Unternehmen Rat holen, wenn es um die Frage geht, was Firmen bei einer Neuansiedlung benötigen«, beschreibt der Geschäftsführer die Synergieeffekte zwischen seinen Ehrenämtern. Auch bei seiner Tätigkeit für die Schlosser-, Schmiede- und Maschinenbauerinnung Ingolstadt-Pfaffenhofen gibt es solche Verbindungen.

Ansteckendes Engagement

In diesem Moment des Gesprächs ertönt laut eine Sirene – das Signal für einen Unfall. Rund zehn Mitarbeiter sprinten zur Feuerwache, die Produktionshalle ist fast leer. Offenbar wirkt das ehrenamtliche Engagement des Chefs ansteckend auf die Belegschaft. Der gibt sich bescheiden, obwohl er auch mit seinem Unternehmen viel bewegt: Die Metallbausparte war zum Beispiel beim Stachus-Untergeschoss in München beteiligt; die Landtechnik rüstet unter anderem den größten Traktor der Welt, den Case Quadtrac, mit einer Fronthydraulik aus. Durch sein ehrenamtliches Engagement habe er viel gewonnen, sagt der Unternehmer.

Allein die Tatsache, dass seine Meinung in den verschiedenen Gremien gehört und geschätzt wird, »vermittelt mir Sicherheit, Gelassenheit und Zuversicht«, so Brandl. Deshalb steht er voll hinter seinem Lieblingssatz: »Das Ehrenamt ist nicht das bestbezahlte Amt in Deutschland, aber sicherlich das wertvollste für die Gesellschaft.«