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Ehrenamt: "Aktiv etwas bewirken"

Sabine Fanderl, Geschäftsführerin von EDEKA Fanderl, stammt aus einer Kaufmannsfamilie. Dort ist es selbstverständlich, Verantwortung für die Gesellschaft zu übernehmen. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 28.02.19
IHK-Ehrenamt, Sabine Fanderl
Foto: Marion Vogel
Sabine Fanderl, Geschäftsführerin EDEKA Fanderl. Foto: Marion Vogel

»Ich bin traditionell geprägt, an mich ist alles weitergegeben worden«, sagt Sabine Fanderl gleich als Erstes. Für sie war es selbstverständlich, im Familienbetrieb EDEKA Fanderl in Ingolstadt mitzuarbeiten. Auch bei ihren Ehrenämtern stieg sie in die Fußstapfen ihres Vaters Reiner Fanderl. Wie er engagiert sie sich als Mitglied im IHK-Regionalausschuss Ingolstadt und als Prüferin für Verkäufer und Einzelhandelskaufleute.

»Ehrenamt hat bei uns Tradition«, sagt Fanderl und räumt ein, dass sie dennoch aus verschiedenen Gründen zunächst zurückhaltend war. Heute ist sie stellvertretende Vorsitzende des IHK-Regionalausschusses und weiß längst die Vorteile ihrer Ämter zu schätzen: »Man ist immer einen Tick schneller als die anderen.«

In Ingolstadt ist der Name Fanderl höchst bekannt. Alle Generationen haben »EDEKA geprägt und gelebt«, sagt die geschäftsführende Gesellschafterin der Reiner Fanderl GmbH & Co. KG. Ihr Ururgroßvater war 1919 Gründungsmitglied der EDEKA Ingolstadt eG. Ihre Großeltern bauten als erste selbstständige Kaufleute ihren Gemischtwarenladen zu einem Selbstbedienungsmarkt aus, dem heutigen Stammhaus.

Sabine Fanderl ist ständig in einer der fünf Filialen oder packt mit an, wenn etwa in der Früh schnell noch die Obsttheke eingeräumt werden muss. Ihr liegt es am Herzen, die Stimmung der Mitarbeiter aufzunehmen und ihnen zu zeigen, dass sie für jeden jederzeit ein offenes Ohr hat.

Aus diesem Verantwortungsgefühl heraus entschloss sie sich, 2006 Mitglied des IHK-Regionalausschusses zu werden. »Ich wollte nicht in der EDEKA-Welt bleiben, sondern mitkriegen, was die Bevölkerung bewegt«, betont die 53-Jährige, die »auch so erzogen wurde«. In dem männerlastigen Gremium war sie zunächst eine der wenigen Frauen. Bald setzte sie sich dort mit ihrem Thema durch: der Vertretung des Handels in einem von Produktion und Industrie geprägten Umfeld. »Man wächst mit der Aufgabe«, findet Fanderl, die stets gut vorbereitet in die Sitzungen geht. Ihre Stärke bezieht sie auch aus ihren Erfolgen im Unternehmen. 2001 bewältigte sie eine »Riesenherausforderung«, die Eröffnung eines neuen Marktes in Abensberg; 2001 wurde sie Geschäftsführerin und 2007 Gesellschafterin. Schnell stellte sie fest, dass das IHK-Gremium »eine gute Plattform« ist, um Probleme anzugehen.

Respekt und Anerkennung

Auch Fanderls Unternehmen bekommt – wie viele andere Firmen im von der Automobilindustrie dominierten Ingolstadt – den Fachkräftemangel hautnah zu spüren. Im IHK-Regionalausschuss könne man gemeinsam etwas dagegen unternehmen, meint die 53-Jährige. Dazu zählen neue und innovative Methoden bei der Suche nach Azubis wie zum Beispiel Bildungspartnerschaften mit Schulen, das IHK-Sommercamp Ingolstadt oder die Aktion Elternstolz. Fanderl ist auf vielen Veranstaltungen präsent, Politik und Presse schenken ihr Gehör.

Durch ihr Engagement verschaffte sich die zielstrebige und stets elegant gekleidete Geschäftsfrau rasch Respekt und Anerkennung. 2016 wählten sie die Mitglieder des IHK-Regionalausschusses zur stellvertretenden Vorsitzenden. Seitdem kann sie noch stärker bei zentralen Themen wie Digitalisierung, Mobilität, Flächennutzung, Ausbildung und Nachhaltigkeit mitwirken.

Einerseits sei das mehr Arbeit und Verantwortung, andererseits »möchte ich es nicht missen«, sagt die Unternehmerin und zählt auf, wie sehr sie von ihrem Ehrenamt profitiert: beträchtlicher Informationsvorsprung, großes Netzwerk, wertvolle Kontakte und nicht zuletzt »ein gutes Gefühl, weil man aktiv etwas bewirkt«.

Das gilt auch für ihr zweites Ehrenamt als Prüferin. Ihr Vater hatte sie als Hospitantin in den Prüfungsausschuss für Verkäufer und Einzelhandelskaufleute mitgenommen. Die Tätigkeit dort fand sie so spannend, dass sie blieb und ihre Aufgaben dort inzwischen als ihr ausgesprochenes Hobby bezeichnet. Hier erfährt sie, wie andere Unternehmen ausbilden, wie der Nachwuchs tickt, wo die jungen Menschen Hilfestellung benötigen und wo man ansetzen muss, um sie zu unterstützen. Den Input nimmt sie direkt mit in ihren Betrieb, in dem sie derzeit 26 Azubis ausbildet und damit zu kämpfen hat, »dass die meisten abspringen oder keine Führungsverantwortung übernehmen wollen«, wie sie sagt.

Engagement erfordert Zeitaufwand

Dass Ehrenämter Freiraum brauchen, weiß Sabine Fanderl vom Vater, der »wenig Zeit für uns hatte«. Sie schätzt, dass sie etwa 25 bis 30 Prozent ihrer Tätigkeit für ihr freiwilliges Engagement einsetzt. Das sei durchaus machbar, »man muss aber im Betrieb die entsprechenden Voraussetzungen dafür schaffen«. Deshalb stellte sie rechtzeitig einen Vertriebsleiter ein, dem sie Prokura übertrug und der als ihre rechte Hand fungiert.

Auch einer ihrer erwachsenen Söhne ist bereits im Familienbetrieb beschäftigt. »Im Laufe der Zeit wird Ehrenamt immer wichtiger«, ermuntert Fanderl auch andere Unternehmer, sich aktiv vor Ort für die Anliegen der Wirtschaft einzusetzen.