EU-Binnenmerkt

Lotsen durch Europa ‎

Zehn Jahre nach der Gründung hat sich das Enterprise Europe Network (EEN) etabliert: 600 Partner helfen kleinen und mittleren Unternehmen, das Potenzial des Binnenmarkts zu nutzen. MECHTHILDE GRUBER

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© This content is subject to copyright. Gut vernetzt - EEN unterstützt Firmen im Binnenmarkt

Manchen Unternehmen geht es um den ersten Schritt in einen Auslandsmarkt. Andere suchen europaweit nach Geschäftspartnern. Einige wollen Zugang zu EU-Projekten, sich an internationalen Ausschreibungen beteiligen oder die eigene Innovationsfähigkeit überprüfen. „Die Bandbreite der Themen ist groß, bei denen bayerische Unternehmen die Serviceleistungen des Enterprise Europe Network in Anspruch nehmen“, sagt Friedhelm Forge, Europaspezialist und Koordinator des EU-Beratungsnetzwerks EEN bei der IHK für München und Oberbayern. Zehn Jahre nach der Gründung gehören dem Netzwerk heute über 600 wirtschaftsnahe Organisationen in allen Regionen der EU und in Drittländern an. Allein in Bayern beteiligen sich zehn Organisationen. Die IHK für München und Oberbayern ist Koordinator des bayerischen Netzes und Ansprechpartner für die Firmen.

Vom Länderworkshop bis zur Partnersuche

Als zentrale Anlaufstelle für alle Fragen rund um die EU bietet das EEN kleinen und mittleren Unternehmen umfassende Services an. Dazu zählen regelmäßige Länderworkshops, Kooperationsbörsen und Unternehmerreisen ebenso wie die Beratung zum öffentlichen Auftragswesen oder zu EU-Förderprogrammen. Außerdem unterstützt es bei der Partnersuche für geschäftliche Kooperationen, bei Technologietransfer oder Forschungsvorhaben. Dank der Förderung durch die Europäische Kommission ist ein Großteil der Angebote kostenlos. Auch kleinere Unternehmen haben so zum Beispiel die Chance, ihre Innovationsfähigkeit innerhalb ihrer Branche überprüfen zu lassen. Experten der EEN-Partner Bayerische Forschungsallianz und Bayern Innovativ erstellen dabei kostenfrei eine weitreichende Analyse, wie die Firmen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern können.

Strenge Einhaltung der Regeln

„Das Netzwerk bringt für Unternehmen direkten Nutzen“, sagt IHK-Experte Forge. Ob bei unverhofft auftretenden bürokratischen Hindernissen oder bei alltäglichen Herausforderungen im Auslandsgeschäft. „Das EEN ist uns regelmäßig eine große Hilfe, wenn wir für die Existenz eines Kunden im Ausland einen einwandfreien Nachweis brauchen“, versichert ein Autohändler aus München, der im Binnenmarkt gute Geschäfte macht. Damit Autoverkäufer steuerfrei exportieren können, fordert die Finanzverwaltung die strenge Einhaltung bestimmter Regeln und Sorgfaltspflichten. So müssen die Händler nachweisen, ob die Firma im Ausland tatsächlich existiert und wer aktuell der Geschäftsführer ist. „Ob Dänemark oder Norwegen, Bulgarien oder Rumänien – mit Unterstützung der IHK und der zuständigen Auslandshandelskammern erhalten wir zuverlässig die dafür notwendigen Informationen und Handelsregisterauszüge“, so der Autohändler. „Prüfern des Finanzamts können wir damit beweisen, dass wir hundertprozentig saubere Geschäfte abwickeln.“

„Das Feedback der Firmen ist erwünscht und äußerst hilfreich, das Unternehmensnetzwerk legt darauf ganz besonderen Wert“, betont Forge. Beschwerden über Hindernisse im Binnenmarkt oder Probleme durch EU-Gesetze gehen direkt an Entscheidungsträger in Brüssel. Auf einer Onlineplattform können Firmen von ihren Schwierigkeiten berichten. Das EEN-Bayern organisiert in Brüssel zudem sechsmal im Jahr Veranstaltungen mit Vertretern von EU-Parlament und -Kommission, auf denen diese zusammen mit Unternehmern aktuelle Themen wie den Bürokratieabbau beim Dienstleistungsverkehr diskutieren. So kann das EEN dazu beitragen, dass schon bei der Planung und Einführung neuer EU-Gesetze die Interessen kleiner und mittlerer Firmen nicht zu kurz kommen.