E-Mobilität

Initiative für E-‎Autos

Unternehmer im Landkreis München setzen auf firmeneigene Ladepunkte für E-Mobile. Das hilft nicht nur beim Umbau des eigenen Fuhrparks. Auch Kunden, Lieferanten und Mitarbeiter profitieren. JOSEF STELZER

Christoph Leicher, Geschäftsführer von Leicher Engineering
© Wolf Heider-Sawall Christoph Leicher, IHK-Regionalausschussvorsitzender und Geschäftsführer der Leicher Engineering GmbH. Foto: Wolf Heider-Sawall

Wer ein Elektrofahrzeug oder ein extern aufladbares Hybridelektrofahrzeug erwirbt und es sowohl dienstlich als auch privat nutzt, kann sich auf Steuervorteile freuen. Seit Januar 2019 sind monatlich nur noch 0,5 Prozent statt bisher 1,0 Prozent des Fahrzeugneupreises als geldwerter Vorteil zu versteuern. Die Neuregelung gilt für Fahrzeuge, die vom 1. Januar 2019 bis 31. Dezember 2021 angeschafft oder geleast werden.

Für Selbstständige, Freiberufler, Unternehmer und deren Mitarbeiter werden Elektro- und Hybridelektrofahrzeuge als Dienstwagen künftig interessanter, weil sie für die Privatnutzung nur mehr die Hälfte versteuern müssen, erklärt IHK-Steuerexperte Jörg Rummel. Die Bundesregierung erhofft sich daher einen kräftigen Schub für die bislang schleppende Nachfrage nach E-Autos. »Die reduzierte Dienstwagensteuer ist jedenfalls ein Schritt in die richtige Richtung«, sagt IHK-Referent Joseph Seybold. Bisher haben die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten und die meist geringen Reichweiten die Verbreitung von Elektroautos massiv gebremst.

Ein weiteres Haupthindernis ist die unzureichende Ladeinfrastruktur. Wie sich das ändern lässt, zeigen Unternehmer in Kirchheim bei München. Mitglieder des IHK-Regionalausschusses München (Landkreis) haben im Rahmen einer Arbeitsgruppe eigene Lademöglichkeiten geschaffen. »Unser Ziel ist es, die Elektromobilität im Landkreis nach vorn zu bringen und die Ladeinfrastruktur zu verbessern«, sagt Christoph Leicher, IHK-Regionalausschussvorsitzender und Geschäftsführer der Leicher Engineering GmbH. Der 64-jährige Unternehmer ließ zehn Außensteckdosen als Ladepunkte auf dem firmeneigenen Parkplatz installieren.

Zum Nachladen lassen sich die in allen Elektroautos vorhandenen Kabel mit gewöhnlichen Schukosteckern verwenden. Mittels Stecker und einem Adapter, der am Empfangstresen des Unternehmens bereitliegt, ist der Stromer im Handumdrehen ans Netz angeschlossen. Nicht nur Mitarbeiter, sondern auch Kunden, Lieferanten oder Gäste können so kostenlos nachladen. »Wir schaffen damit zusätzliche Anreize, dass generell mehr Elektrofahrzeuge eingesetzt werden«, sagt Leicher, der selbst ein Hybridauto fährt. Die Kosten für die Installationsarbeiten samt Kabelverlegung und Industriesteckdosen betrugen pro Ladepunkt rund 150 Euro.

»Wir möchten aufrütteln«

Künftig will der Unternehmer E-Mobile auch in seiner Firmenflotte einsetzen. »Im Fuhrpark haben wir derzeit 15 Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren im Einsatz, einen Teil davon werden wir Schritt für Schritt durch Elektroautos ersetzen«, so Leicher. Die Umstellung sei aber nur für Fahrzeuge sinnvoll, die nicht mehr als etwa 300 Kilometer täglich zurücklegen. Nachgeladen werden die Stromer nachts an den firmeneigenen Steckdosen.

Seit Oktober 2018 steht Mitarbeitern zudem ein Dienst-E-Bike mit separater Lademöglichkeit zur Verfügung. »Wir möchten die Unternehmen aufrütteln, sodass sie die Chancen der Elektromobilität erkennen und diese zukunftsweisende Technologie nach vorne bringen«, betont Leicher, der für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2019 nominiert ist. Elektromobilität sei letztlich ein Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit im Alltag. Bei einem Bewerbungsgespräch mit einem Maschinenbauingenieur stellte Leicher schon fest, dass das Bekenntnis zur Nachhaltigkeit die Personalrekrutierung durchaus erleichtern kann.

Die auf IT-Sicherheit spezialisierte genua GmbH macht ähnliche Erfahrungen. Sie verfügt auf ihrem Firmenparkplatz in Kirchheim ebenfalls über Ladepunkte, an denen Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten und Gäste ihre Elektrofahrzeuge kostenlos »auftanken« können. Magnus Harlander (54), Mitglied im IHK-Regionalausschuss München (Landkreis) und genua-Mitinhaber: »Unsere Lademöglichkeiten sind nicht zuletzt ein Instrument zur Personalbindung, da einige Mitarbeiter selbst mit Elektroautos oder Hybridfahrzeugen fahren und die Lademöglichkeiten gerne nutzen.«

Vorbild für andere Unternehmen

Um den Ausbau der Ladeinfrastruktur voranzutreiben, sei letztlich auch unternehmerische Eigeninitiative nötig, sagt Harlander. »Außerdem gehört es für uns einfach dazu, dass wir moderne Technologien einsetzen.« IHK-Referent Seybold ergänzt: »Die Unternehmer haben beim Aufbau der Infrastruktur sicher eine Art von Vorbildfunktion für die Betriebe in anderen Landkreisen.«