Digitalisierung

Erfolgreich im Netz

Durch die Digitalisierung ändern sich die Spielregeln für Unternehmen auch im Marketing grundlegend. Wie lassen sich die Herausforderungen meistern? JOSEF STELZER

pink workspace with online shop website. 3d illustration.
© milindri Website mit Shop - Herzstück einer Onlinestrategie

Für die Münchner Shirtinator AG ist der Onlineshop der Dreh- und Angelpunkt ihres Geschäfts. Privat- und Firmenkunden bestellen dort direkt T-Shirts, Pullis oder andere Textilien, die nach ihren Wünschen bedruckt werden. Die Auftraggeber legen online Bildmotive, Fotos, Texte, Grafiken und Farben fest, geben die Stückzahl an und bezahlen online. Das Konzept funktioniert. Seit 2005 hat das Unternehmen einige Millionen Stück individuell bedruckter Textilien verschickt.

Ein Faktor des Erfolgs ist die sogenannte Suchmaschinenoptimierung, kurz: SEO. Ronny Lange, Leiter des Bereichs Kundenakquise, erläutert: „Unsere Webseite wird dabei so programmiert und inhaltlich befüllt, dass sie bei bestimmten Suchanfragen von Internetnutzern immer ganz oben auf der Google-Ergebnisliste erscheint.“ Der 26-jährige Marketingprofi bringt den entscheidenden Vorteil auf den Punkt: „SEO kurbelt die Neukundengewinnung an und führt zu spürbaren Umsatzsteigerungen.“

Die Suchmaschinenoptimierung kann einer der Bausteine sein, die zu einer erfolgreichen digitalen Strategie gehören – je nach Aufgaben, Branche und Größe eines Unternehmens. Dass eine solche Roadmap notwendig ist, ist der Mehrzahl der Unternehmen bewusst. 76 Prozent der bayerischen Mittelständler sehen inzwischen in der zunehmenden Digitalisierung vor allem eine Chance für ihre Firma, keine Bedrohung. Das ergab eine aktuelle Umfrage des Beratungsunternehmens EY.

Die Digitalisierung komplett zu ignorieren ist in jedem Fall riskant. Schließlich nutzen heute Privat- wie Geschäftskunden das Web, um nach Informationen und potenziellen Anbietern zu suchen, selbst wenn sie später in der realen Welt ordern. „Wer nicht online ist, spielt nicht mit, unabhängig von der Branche und der Firmengröße“, warnt die Marketingexpertin Lisa Sirch, die 2016 gemeinsam mit ihrem Mann Richard die Münchner Agentur Webgeist – Online Positionierung gegründet hat und auch Shirtinator betreut.

Geht es um Marketing und Vertrieb, bilden eine nutzerfreundliche Webseite und Onlineshops das Herzstück einer Digitalstrategie. Dort sollten sich die Webseiteninhaber in einigen Sätzen und mit Foto kurz persönlich vorstellen. „Das schafft Vertrauen“, so Sirch. Die 34-Jährige rät zu Grundlagenarbeit: Zunächst gelte es zu klären, welche Kunden ein Unternehmen online erreichen will und welche Informationen diese Kundschaft von einer Webseite erwartet.

Best-Practice-Beispiele als Vorbild

„Eine Onlinepräsenz ist immer an den Wünschen und Bedürfnissen der Zielgruppe auszurichten“, bekräftigt Petra Balzer (58), die bei der Münchner Digital Marketing Agentur adamicus GmbH für den Bereich Digital Training verantwortlich ist. „Der Löwe muss wissen, wo die Antilope zum Wasserloch geht.“ Unternehmer könnten zunächst anhand von Best-Practice-Beispielen selbst feststellen, welche Erfolgsfaktoren sich womöglich adaptieren lassen. Die 2004 gegründete Agentur adamicus ist vor allem für Kunden aus der Mode- und Konsumgüterbranche tätig. Auch Grit Dehner aus Fürstenfeldbruck gehört mit ihrem Onlineshop DessousForYou.de zu den Kunden. Die 52-Jährige bietet seit 1998 Wäsche, Strümpfe und Bademode verschiedener Marken im Internet an und bedient Konsumenten in ganz Deutschland. „Wir akquirieren unsere Neukunden ausschließlich über digitale Kanäle, vor allem per Google oder über andere Suchmaschinen“, sagt Dehner. Auch auf Amazon, Pinterest, YouTube und Facebook ist DessousForYou.de präsent.

E-Mail-Marketing spielt ebenfalls eine große Rolle für das Unternehmen. Jede Woche verschickt Dehner ihren weitgehend in Eigenregie erstellten Newsletter an über 500 Stammkunden. Darin präsentiert die Unternehmerin Produktneuheiten, Geschenkaktionen oder Gutscheinrabatte. „Dass Bestandskunden immer wieder bei uns einkaufen, führe ich nicht zuletzt auf ein für sie lukratives Bonussystem und auf den Newsletter zurück“, so Dehner.

Mit ihrer Digitalstrategie liegt sie offenbar richtig: „Trotz der wachsenden Konkurrenz im Onlinegeschäft sind meine Shopumsätze in den letzten Jahren langsam, aber kontinuierlich gewachsen.“ Für die Pflege des Onlineshops sowie für die Einbindung von Serviceleistungen samt den Bezahlverfahren und den Bewertungsmöglichkeiten beschäftigt sie einen Grafiker und Programmierer in Teilzeit. „Wichtig ist uns zudem das EHI-Gütesiegel, das den Shop als vertrauenswürdig und sicher ausweist“, so Dehner. Die Kölner EHI Retail Institute GmbH sorgt für die jährliche Re-Zertifizierung. Dabei stellen die Prüfer fest, ob ein Shop den aktuellen Vorschriften und Anforderungen im Onlinehandel gerecht wird. Um das Suchmaschinenmarketing und die Einbindung der Google-Suchmaschinenwerbung AdWords kümmert sich der Agenturpartner.

Experten beauftragen oder selber machen

Um die Digitalisierung voranzutreiben, beauftragen viele Unternehmen eine Agentur, die mit den Aufgaben rund um die Konzeption und Weiterentwicklung von Webseiten oder Onlineshops vertraut ist. Die Zusammenarbeit kann dabei unterschiedlich intensiv ausfallen.

„Wir unterstützen unsere Kunden zum Teil mit sehr individuellen, aufwendig programmierten Lösungen, bieten aber auch Pakete für kleine und mittlere Unternehmen an“, so adamicus-Expertin Balzer. Kleineren Firmen offeriert die Agentur auch einzelne Module, mit denen diese nach einem zweitägigen Workshop bestimmte Aufgaben wie etwa die Kampagnenplanung oder die Erstellung und den Versand von E-Mail-Newslettern eigenhändig umsetzen können.

Manchen Unternehmen fällt es allerdings schwer, unter der Vielzahl von potenziellen Partnern den passenden herauszufiltern. Diesen Firmen wollen die Gründer Sophie Schade (30) und Axel Roitzsch (31) mit der Webseite www.agenturmatching.de bei der Vorauswahl helfen. In einer Datenbank haben sie rund 1.600 Agenturen aus Deutschland und Österreich gespeichert – von klassischen Werbeagenturen über Event- oder Direktmarketingagenturen bis hin zu IT-Dienstleistern mit Erfahrung in SEO, in Webdesign oder im sogenannten Programmatic Advertising. Dabei handelt es sich um die vollautomatische Platzierung digitaler Display-Werbung in Echtzeit.

Das Procedere ist einfach. Nach dem Kurzbriefing durch den Auftraggeber gibt ein Matchingberater bestimmte Suchwörter in die Datenbank ein, etwa „Agentur für Webdesign in München mit Branchenerfahrungen im Bereich Dienstleistungen“. Im Grunde funktioniert diese Art der Onlinesuche also ähnlich wie bei Google. „Wir schlagen dem Auftraggeber aus den Treffern, die die Datenbank liefert, dann drei bis vier Agenturen vor“, so Roitzsch.

Für Auftraggeber ist der Service kostenlos. Agenturen zahlen eine Gebühr für die Aufnahme in die Datenbank und eine Provision bei erfolgreicher Vermittlung. Der Bedarf scheint vorhanden zu sein: „Wir haben bisher rund 200 Agenturvermittlungen durchgeführt, bei denen sich das Honorarvolumen auf insgesamt rund fünf Millionen Euro summiert hat“, freut sich der Gründer. www.pack-mas-digital.de