IHK Magazin

Digiscouts: Digitale Impulse

Das Projekt Digiscouts will Berufsausbildung und Digitalisierung in der betrieblichen Praxis zusammenbringen. Jetzt startet es auch in Oberbayern. JOSEF STELZER

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© Manuel Dorn Setzen digitale Projekte um - RKW Digiscouts

Es ist eine Idee mit Potenzial: Eine Onlineplattform im Firmenintranet sammelt Lerninhalte für Auszubildende. Enthalten sind digitalisierte Schulungsunterlagen mit Videos, Bildern und Prüfungsfragen. Klobige Aktenordner mit gedruckten Schulungsunterlagen und Tausenden von Einzelblättern werden damit überflüssig. Die Plattform, so der Plan, soll künftig für alle Auszubildenden im Unternehmen verfügbar sein. Das Konzept dafür haben Azubis aus Frankfurt am Main im Rahmen des Digiscout-Projekts entwickelt. An diesem Projekt des RKW Kompetenzzentrums in Eschborn haben bislang rund 100 Unternehmen in 13 Regionen teilgenommen. »Viele der Azubi-Ideen wurden schon umgesetzt und von ihrer Geschäftsführung ausdrücklich gelobt«, sagt RKW-Projektleiter Bruno Pusch (41). Jetzt starten die Digiscouts auch in Oberbayern.

Fachkräftesicherung

Die Digitalisierung trifft alle Unternehmen. Ein großes Thema vor allem für viele kleine und mittlere Unternehmen ist dabei die Sicherung der notwendigen Fachkräfte. »Nur 25 Prozent unserer Mitgliedsunternehmen fühlen sich digital gut aufgestellt. Digitale Kompetenzen und fehlende Ressourcen sind die Bremser bei der Umsetzung der Digitalisierung. Hier soll das Projekt Digiscouts mit der Ausbildung des eigenen Nachwuchses ansetzen«, sagt IHK-Projektleiterin Digiscouts Corinna Bruder. Digiscout-Betrieb kann im Grunde jedes Unternehmen werden, das ausbildet und nicht mehr als 250 Mitarbeiter beschäftigt.

Für die Beratung der Projektbetriebe sind die Experten des RKW Bayern, Taufkirchen bei München, sowie des RKW Kompetenzzentrums als Partner der IHK für München und Oberbayern zuständig. Die IHK präsentiert ihren Mitgliedern die Digiscout-Idee sowie den betrieblichen Nutzen. Die Unternehmen sollten pro Woche etwa zwei bis drei Stunden während der Arbeitszeit für Projektaktivitäten einplanen, die Laufzeit beträgt in der Regel sechs Monate. Die Teams mit mindestens zwei Azubis identifizieren in ihrem Betrieb Digitalisierungspotenziale und heben sie. »Wir wollen die Ideen der jungen Leute, die mit Digitalisierungsthemen, Smartphones, Internet und Social Media aufwachsen, im Rahmen des Projekts besser fördern, so- dass ihre Kenntnisse, ihr digitales Gespür, ihre Ideen und Erfahrungen in die Betriebs- praxis wirksam einfließen«, so Pusch.

Digitalisierung vorantreiben

Besonders vielversprechend seien interdisziplinäre Teams mit Auszubildenden aus verschiedenen Fachrichtungen. Geeignet sind alle motivierten Azubis, die nicht erst am Beginn ihrer Ausbildung stehen. Auch wer seinen Abschluss gerade erst gemacht hat, kann sich noch beteiligen. Projektleiter Pusch ist sich sicher: »Die Gruppen eignen sich ganz hervorragend, um die betriebliche Digitalisierung zu forcieren oder einzuleiten.« Auch Unternehmen, die in ihren Digitalisierungsprozessen schon vorangekommen seien, könnten profitieren, wenn sie ein Digiscout-Team zusammenstellen. So entwickelten Digiscouts in einer Druckerei in Hamm eine Software für Smartphones und Tablets, mit der die Fachkräfte an den Druckmaschinen direkt mit den Fachbereichen im Unternehmen kommunizieren und zusätzlich Dateien oder Links versenden können. Dies erleichtert die Zusammenarbeit, beschleunigt die Auftragsabwicklung und trägt zur Fehlervermeidung bei.

»Gerade für kleinere und mittlere Betriebe ist es hilfreich, wenn sich ihre Azubis gezielt mit betrieblichen Digitalisierungsaufgaben beschäftigen«, betont Franziska Neuberger, IHK-Referatsleiterin Digitalisierung und IKT. »Zumal die Fachkräfte dafür oft kaum Zeit übrig haben, da sie in der Regel voll ausgelastet sind.« Die notwendige Digitalisierung käme daher mitunter nicht richtig voran. IT-affine Auszubildende, die an Digitalisierungsthemen meist sehr interessiert seien, könnten da für zusätzlichen Schwung sorgen. Hinzu kommt ein weiterer Vorteil für die Unternehmen: Das Angebot von Digiscouts-Gruppen kann die betriebliche Ausbildung für Bewerber noch attraktiver machen.

Vorbilder aus dem Energiebereich

Die IHK für München und Oberbayern hat mit Azubi-Projekten bereits gute Erfahrungen gemacht. Rund 250 Auszubildende haben seit 2014 als Energie-Scouts Ideen für den sparsameren Ressourceneinsatz in ihren oberbayerischen Lehrbetrieben entwickelt. Hierfür gewann die IHK den Bayerischen Energiepreis 2018 in der Kategorie Bildungsprojekte. Die Energie-Scouts suchen systematisch nach betrieblichen Einsparmöglichkeiten, rechnen Effizienzpotenziale durch, dokumentieren die Projektfortschritte und helfen bei der Umsetzung ihrer Ideen. Dabei lernen sie ihre Betriebe besser kennen und sammeln wertvolle Erfahrungen in der Teamarbeit sowie im Projektmanagement. Die Unternehmen wiederum sparen dank der Effizienzverbesserungen, die die Energie-Scouts aufgespürt haben, letztlich bares Geld.