Claus Hipp

‎„Erfolg auf anständige Weise“‎

Claus Hipp feierte gerade seinen 80. Geburtstag. Früh setzte er in seinem Betrieb auf Nachhaltigkeit. Auch als IHK-Präsident arbeitete er erfolgreich daran, den scheinbaren Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie aufzulösen. HARRIET AUSTEN

IHK Magazin, 25.09.18 Prof. Claus Hipp Foto: Marion Vogel
Claus Hipp im georgischen Konsulat. Foto: Marion Vogel

Claus Hipp empfängt im georgischen Konsulat in Münchens Innenstadt – an einem großen Holztisch, umrahmt von eigenen Gemälden. Ein helles, freundliches Büro mit Blick auf die Türme der Frauenkirche, sein zweiter Arbeitsplatz neben der Firma in Pfaffenhofen/Ilm. Hipp ist seit 2008 Honorarkonsul von Georgien und erfüllt diese Aufgabe mit großer Freude. „Ich bin auch offizieller Vertreter der georgischen IHK“, bemerkt der 80-Jährige. Über Erfahrung in einem solchen Ehrenamt verfügt er reichlich. Schließlich war er von 1998 bis 2004 der Präsident der IHK für München und Oberbayern.

Hipp ist ein Mann mit vielen Talenten. Unter seiner Leitung entwickelte sich das Familienunternehmen HiPP zu einem führenden Hersteller von Baby- und Kindernahrung. In Deutschland beträgt der Marktanteil 45 Prozent. Als Vorreiter des ökologischen Landbaus setzte er in der Branche Qualitätsstandards für Bioprodukte. „Mit seinem Einsatz für Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein gilt er als Prototyp des Ehrbaren Kaufmanns“, würdigt IHK-Präsident Eberhard Sasse seinen Amtsvorgänger. Ehrungen und äußerer Erfolg seien ihm dabei nie wichtig gewesen. „Im Gegenteil“, meint Sasse. „Er hat diese nur als Ansporn genommen, der Gesellschaft noch mehr zurückzugeben.“ Hipp ist zudem Musiker und freischaffender Künstler, dessen abstrakte Bilder weltweit in Ausstellungen und im öffentlichen Raum präsent sind. Beides bereichere sich gegenseitig, findet Hipp: „Die Kreativität aus der Kunst hilft auch im Unternehmertum.“

Sein Ideenreichtum, stets Wendepunkt und Motor in seinem Leben, war von Anfang an gefragt. Aufgewachsen in Landwirtschaft und Firma („Beides möchte ich nicht missen“), entwickelte er eine „frühe, natürliche Beziehung zur Arbeit“. Als 16-Jähriger leitete er bereits den landwirtschaftlichen Betrieb. Für ihn war es selbstverständlich, in die Firma einzutreten. Gleich nach dem Jurastudium setzte er sich zum Vater ins Büro und lernte alles von der Pike auf. Dadurch war er in der Lage, nach dem Tod des Vaters als 29-Jähriger die Geschäftsführung zu übernehmen. Seine erste Aufgabe: „Den führenden Mitarbeitern zu zeigen, dass es wieder einen Chef gibt.“ Einen, der zäh und unbeirrt seinen eigenen Weg geht.

„Sich selbst treu bleiben“

Gegen alle Widerstände führte Hipp die 1956 von Vater Georg begonnene Biostrategie fort. Dabei nahm er Rückschläge in Kauf. Als er 1998 verkündete: „Unser Weg ist Bio“ und „Wir werden noch teurer“, verbannte die damals kräftig expandierende Drogeriekette Schlecker die HiPP-Produkte aus ihren Regalen. Der Babykostlieferant musste erhebliche Umsatzeinbußen hinnehmen, bis Schlecker die HiPP-Gläschen wieder ins Angebot nahm. „Das können nur Familienbetriebe: Opfer bringen, sich selbst treu bleiben, langfristig denken“, sagt Hipp. Auf lange Sicht habe sich der konsequente Nachhaltigkeitskurs gelohnt, der Wirtschaft, Umwelt und Soziales in Einklang bringt.

„Viele kleine Schritte in die richtige Richtung“, in dieser Strategie sieht der Unternehmer die Basis seines Aufstiegs. Hipp zeigte der Branche, dass man ökonomisch wirtschaften kann, wenn man den biologischen Landbau vorantreibt – die Gruppe ist der weltweit größte Verarbeiter biologischer Rohwaren – und gesetzliche Schadstoffgrenzwerte sogar noch unterschreitet.

Dabei verschaffte ihm die personenbezogene Werbung („Dafür stehe ich mit meinem Namen“) einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. „Bei sensiblen Produkten wie Baby- und Kindernahrung sollen die Eltern wissen, wer dahintersteckt“, ist Hipp überzeugt. Er weiß auch: Für Fehler haftet er persönlich. „Auf anständige Weise Erfolg haben“ lautet der Kern seines Unternehmertums.

Dieses Werteverständnis zu stärken war auch sein vornehmliches Ziel als früherer IHK-Präsident. „Er war seiner Zeit weit voraus“, sagt IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Drießen. Hipp habe die IHK mit dem Thema Nachhaltigkeit vertraut gemacht und „erfolgreich daran gearbeitet, den scheinbaren Widerspruch zwischen Ökonomie und Ökologie aufzulösen“.

Nach dem Vorbild seines Vaters vermittelte Hipp auch seinen Söhnen Stefan (50) und Sebastian (46) die Freude am Unternehmertum und nahm sie schon früh in den Betrieb mit. Beide sind seit mehr als 15 Jahren in der Geschäftsführung tätig. Der Seniorchef geht nach wie vor jeden Tag in sein Büro im oberbayerischen Pfaffenhofen und ist bei wichtigen Entscheidungen dabei. Er gesteht den Söhnen aber zu, ehrlich zu sagen, wenn sie ihn nicht mehr brauchen. „Ich bin der Austragsbauer, sie machen die Arbeit“, sagt er lachend.