Brückenteilzeit

Befristet in Teilzeit

Seit Anfang des Jahres gibt es die neue Brückenteilzeit. Arbeitnehmer können darüber ihre Arbeitszeit vorübergehend reduzieren – aber nicht in allen Betrieben. Was Unternehmen wissen sollten. MELANIE RÜBARTSCH

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© ©FotolEdhar - stock.adobe.com Mitarbeiter können ihre Arbeitszeit jetzt vorübergehend verringern

Bessere Work-Life-Balance, Ende der Teilzeitfalle, Voraussetzungen für die Arbeit 4.0. Das sind die Schlagworte, mit denen die Regierung für die neue Brückenteilzeit wirbt. Seit Januar haben Beschäftigte grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Arbeitszeit nur für eine bestimmte Zeit zu reduzieren. Anschließend geht es automatisch mit der bisherigen Arbeitszeit weiter. Der Gesetzgeber hat das neue Regelwerk relativ zügig durchgewunken – trotz einiger Kritikpunkte.

So befürchtet die IHK für München und Oberbayern, dass das neue Gesetz – jedenfalls in der nun beschlossenen Form – die Planungssicherheit in den Unternehmen zerstört und in Zeiten des Fachkräftemangels den Wirtschaftsstandort gefährdet. »Dennoch sind die Regelungen jetzt in Kraft, und Unternehmen müssen einen Weg finden, sie gemeinsam mit ihren Mitarbeitern in einer für alle Beteiligten vernünftigen Art und Weise umzusetzen«, sagt die IHK-Referentin Arbeits- und Sozialversicherungsrecht Frauke Kamp. Das IHK-Magazin hat die entscheidenden Punkte zur neuen befristeten Teilzeit für Unternehmen auf der Seite rechts zusammengefasst.

Was ist neu an der befristeten Teilzeit?

Bisher konnten Mitarbeiter ihre Arbeitszeit nur dauerhaft reduzieren. Wenn sie wieder zur bisherigen Arbeitszeit zurückkehren wollten, mussten sie neu mit dem Arbeitgeber verhandeln und auf vorhandene Stellen hoffen. Einzige Ausnahmen waren bislang die befristete Teilzeit in der Eltern- oder Pflegezeit. Nun haben Beschäftigte die Chance, ihre Arbeitszeit ohne einen bestimmten Grund von vornherein für einen Zeitraum zwischen einem und fünf Jahren zu reduzieren. »Der Mitarbeiter beantragt zum einen, für welchen Zeitraum die Reduzierung gelten soll, und zum anderen den Umfang der Reduzierung«, erklärt Kamp. Außerdem soll die gewünschte Verteilung angegeben werden. Im Regelfall wird es darum gehen, die Arbeit für eine gewisse Zeit gleichmäßig etwa auf 30, 50 oder 75 Prozent zu reduzieren. »Allerdings gibt das Gesetz zum Umfang der Reduzierung leider nichts Konkretes vor«, so die Referentin. Auf Basis der neuen Regeln könnten Mitarbeiter also – rein theoretisch – auch beantragen, dass sie zum Beispiel die nächsten drei Jahre immer einen bestimmten Monat im Jahr frei haben.

Können alle Mitarbeiter Brückenteilzeit beantragen? Voraussetzung ist, dass der Arbeitnehmer mindestens sechs Monate im Unternehmen beschäftigt ist.

Gelten die Regeln für alle Unternehmen? Nein. Nur Beschäftigte in Unternehmen mit mehr als 45 Arbeitnehmern können befristet reduzieren. Ausschlaggebend ist dabei die tatsächliche Anzahl der Mitarbeiter und nicht die der Vollzeitstellen. »Ein Unternehmen mit 20 Vollzeit- und 26 Teilzeitmitarbeitern fiele also auch unter die neuen Regeln«, so Kamp. Für Mittelständler mit 46 bis 200 Beschäftigten gibt es eine Zumutbarkeitsgrenze. Sie können die befristete Teilzeit ablehnen, wenn je angefangene 15 Arbeitnehmer bereits mindestens einer in der neuen befristeten Teilzeit arbeitet. Auch hier gibt es offene Detailfragen: Wem etwa muss ein Arbeitgeber den Vorzug geben, wenn sich zu viele Mitarbeiter für Brückenteilzeit melden? Am einfachsten wäre aus Sicht von Arbeitsrechtlern das Prinzip »Wer zuerst kommt, mahlt zuerst«. Das Gesetz schweigt dazu jedoch. »Im Zweifel wird es hier also auf die Rechtsprechung ankommen«, so IHK-Expertin Kamp.

Aus welchen Gründen können Arbeitgeber die Brückenteilzeit ablehnen?

Wie bei der bisherigen Teilzeit auch dürfen Arbeitgeber den Teilzeitantrag aus betrieblichen Gründen ablehnen. Die liegen insbesondere vor, wenn die Verringerung der Arbeitszeit die Organisation, den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Betrieb wesentlich beeinträchtigt oder unverhältnismäßige Kosten verursacht. Beispiele:

  • Die Aufgaben des Mitarbeiters müssen über einen bestimmten Zeitraum von ein und derselben Person ausgeführt werden, da sonst etwa der Informationsfluss nicht sichergestellt werden kann.
  • Der zeitliche Aufwand für einen häufigen Wechsel der an einer Aufgabe arbeitenden Angestellten ist zu hoch, etwa bei Arbeiten in Reinsträumen.
  • Es ist unmöglich, eine Ersatzkraft zu finden, die die fehlenden Stunden ausgleicht.

Vor allem das dritte Beispiel wird häufiger zum Tragen kommen, vermutet Kamp: »Schon bisher ist es schwer, Kräfte zum Beispiel für Nachmittagsstunden zu bekommen. Wenn diese Stelle nun zusätzlich befristet ist, wird es noch schwieriger.« Der Arbeitgeber muss die betrieblichen Gründe nachweisen können. »Er sollte daher seine Arbeitsorganisation gut dokumentieren und auch den Stellenmarkt stets im Blick haben«, rät Kamp.

Welche Formalia gibt das neue Gesetz vor?

Der Arbeitnehmer muss seinen Antrag auf Verringerung der Arbeitszeit und den Zeitraum der Reduzierung mindestens drei Monate vor dem Start in Textform stellen – per Mail, Brief oder Fax. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, den Wunsch mit dem Mitarbeiter zu erörtern. Dieser kann den Betriebsrat hinzuziehen. Ziel ist es, zu einer Vereinbarung zu kommen. Will der Arbeitgeber den Teilzeitwunsch ablehnen, muss er das spätestens einen Monat vor dem geplanten Beginn tun: per handschriftlich unterschriebenem Dokument.

Ist der Mitarbeiter an seinen Antrag gebunden?

Ja. Er kann die Arbeitszeit während einer Brückenteilzeit nicht weiter reduzieren oder aufstocken. Auch kann er generell nicht vorzeitig wieder zur früheren Arbeitszeit zurückkehren.

Können Mitarbeiter die befristete Teilzeit mehrmals beantragen?

Ja. Nach Ende einer Brückenteilzeit kann ein neuer Antrag aber frühestens nach einem Jahr gestellt werden. Wurde ein Antrag wirksam abgelehnt, muss der Arbeitnehmer mindestens zwei Jahre warten, bevor er einen neuen stellt.

Wie bereiten sich Unternehmen auf die neuen Regeln vor?

Eine offene Gesprächskultur zwischen Arbeitgeber und -nehmern hilft, wenn es um die Umsetzung des Gesetzes geht, weiß IHK-Expertin Kamp: »Wenn auch die Mitarbeiter die Ziele des Unternehmens kennen und dahinterstehen, ist es einfacher, eine einvernehmliche Lösung zu finden, die die Bedürfnisse des Mitarbeiters erfüllt, aber auch die Belange des Unternehmens in Sachen Arbeitsorganisation, Planbarkeit und Wirtschaftlichkeit im Blick hat.« Zwar muss der Arbeitnehmer seine Beweggründe für die Teilzeit nicht nennen. Sinnvollerweise sollte aber ein Unternehmen dazu das Gespräch suchen. Vielleicht ist dem Mitarbeiter auch ohne Teilzeit bereits mit flexiblerer Arbeitszeit oder Homeoffice geholfen.

Vorbereitend sollten sich Arbeitgeber zudem ihre aktuelle Mitarbeiterstruktur und die verschiedenen Arbeitsplätze gut anschauen. In größeren Einheiten ist es sinnvoll, Leitlinien zu entwickeln, wo und wie Teilzeitstellen geschaffen werden können, und – unter Beteiligung des Betriebsrats – konkrete Teilzeitmodelle zu schaffen, die den Mitarbeitern angeboten werden können.Rund um Teilzeit