TryCrossover

Mit Herzblut in den Beruf

Der Ex-Unternehmer Christoph Karrasch bereitet mit seiner Stiftung junge Menschen aufs Berufsleben vor. Dabei will er mit außergewöhnlichen Projekten Leidenschaften entfachen. GABRIELE LÜKE

Projekt für Jugendliche: VW-Bus auf E-Antrieb umrüsten, Foto: TryCrossover

Wirtschaft braucht Leidenschaft. Für den Ex-Unternehmer Christoph Karrasch ist dieser Satz Gesetz. „Ökonomische Entwicklung und unternehmerischer Erfolg basieren immer auch auf einer guten Portion Enthusiasmus, haben das innere Brennen für die Sache als Voraussetzung“, findet er. Doch zugleich erlebt er, dass bei vielen jungen Menschen mit dem Druck durch Schulaufgaben und Studienabschlüsse die Leidenschaft auf der Strecke bleibt. Mit der von ihm 2015 in Traunstein gegründeten Stiftung TryCrossover will Karrasch diesem Trend etwas entgegensetzen.

Die Stiftung möchte Schulabgängern und Studierenden helfen, sich für Ideen zu begeistern, dabei ihre Stärken zu spüren, ihre Kreativität, Talente und Leidenschaften zu entdecken und schließlich nicht nur einen Beruf, sondern eine Berufung zu finden. „Genau das braucht unser Standort, um zukunftsfähig zu bleiben: junge Menschen, die vor Begeisterung und Inspiration nur so sprühen“, kommentiert Eberhard Sasse, Präsident der IHK für München und Oberbayern, das Projekt.

Das Gefühl, für eine Sache zu brennen, kennt Karrasch selbst nur zu gut. 1999 gründete er die auf industrielle 3D-Visualisierung und Virtual Reality spezialisierte RTT Realtime Technology AG. Innerhalb von zehn Jahren wurde der Betrieb zum Weltmarktführer. „Das wäre ohne unsere Begeisterung nicht gelungen“, ist Karrasch überzeugt. „Die Leidenschaft des Einzelnen und des Teams macht im Wettbewerb den Unterschied.“ Zuletzt beschäftigte der Unternehmer 800 Mitarbeiter an 15 Standorten in aller Welt. Mittlerweile hat er die mehrfach ausgezeichnete Firma verkauft und die Stiftung TryCrossover gegründet.

TryCrossover bietet jungen Menschen sehr unterschiedliche Projekte, die alle ein bisschen cooler sind als ein gewöhnliches Praktikum. Die Teilnehmer designen Longboards oder Sportschuhe, rüsten einen alten VW-Bulli auf Elektroantrieb um, entwickeln Zeitschriften oder ein Internetradio, gründen ein Schülercafé oder bauen ein Wasserkraftwerk.

Coaches für die Jugendlichen

Zur Umsetzung dieser Projekte hat Karrasch zahlreiche Unterstützer um sich geschart, die als Coaches die Jugendlichen begleiten und neben ihrer eigenen Leidenschaft auch ihr Know-how einbringen. Es handelt sich um Unternehmer, Vorstandschefs oder Führungskräfte aus kleinen wie großen Betrieben – darunter Firmen wie die Rosenberger Hochfrequenztechnik oder der Sportartikelhersteller Adidas. Auch Künstler wie etwa der Musiker Joey Kelly sowie Sportler wie der Skilangläufer Tobias Angerer oder der Extremkletterer Alex Huber sind als Coaches mit dabei. „Die jungen Leute brauchen für die Projekte keine Vorkenntnisse, sie können sich in einem druck- und konkurrenzfreien Raum an spannenden Inhalten ausprobieren, sie dürfen dabei querdenken, Grenzen überschreiten“, sagt Karrasch und erklärt so gleich auch den Namen der Stiftung TryCrossover.

„Da die Coaches allesamt mit viel Herzblut dabei sind, übertragen sie ihre Begeisterung und ihren inneren Antrieb.“ Umgekehrt profitierten aber auch die Unternehmen. Sie lernen potenzielle Nachwuchskräfte kennen, unter den Coaches entstehen neue Geschäftsbeziehungen. „Manche Projekte haben zudem einen so guten Produktoutput, dass sich daraus auch unternehmerisch etwas machen lässt“, findet der Stifter.