Bayerns Best 50

Prächtig entwickelt

Manchen Unternehmen gelingt es, Umsatz und Mitarbeiterzahl überdurchschnittlich stark zu steigern. Was sind die Erfolgsfaktoren dieser Wachstumsstars? MECHTHILDE GRUBER

Unternehmen, die sich stabil und stetig entwickeln, sind entscheidend für die Leistungskraft einer Wirtschaft. Sie sind die Grundlage von Wohlstand und hohem Lebensstandard. Das weiß auch das Bayerische Wirtschaftsministerium und zeichnet jedes Jahr besonders wachstumsstarke Unternehmen im Freistaat mit dem Titel Bayerns Best 50 aus. Analysiert man die Strategien der Sieger, zeigen sich vor allem vier zentrale Erfolgsfaktoren: eine nachhaltige Geschäftspolitik, solide Unternehmensfinanzierung, verlässliche Personalpolitik und das Bewahren von Traditionen. Es ist nicht der kurze Hype, der zählt, sondern schnelles, aber nachhaltiges Wachstum: Die Auszeichnung Bayerns Best 50 geht daher an inhabergeführte mittelständische Unternehmen, die ihren Umsatz und die Zahl ihrer Mitarbeiter über mindestens fünf Jahre hinweg überdurchschnittlich steigern konnten. Wie das funktioniert, weiß Peter Stadelmann, Chef des Profiküchen-Spezialisten Rational. Sein Unternehmen gehörte 2016 zu den Best 50. „Unser Ziel ist es, den größtmöglichen Kundennutzen zu erreichen, und nicht in erster Linie, den Gewinn oder den Aktienkurs zu steigern“, erklärt der Firmenchef. Wachstumsstars investieren oft einen Großteil ihrer Gewinne wieder, um die weitere Expansion zu finanzieren. Sie optimieren nachhaltig ihre Abläufe und Herstellungsprozesse und feilen an ihren Produkten. Sie wissen, wo ihre Stärken liegen – und wo sie ihr Geschäftsmodell flexibel weiterentwickeln müssen. So gelang es der Unternehmerin Karin Stäbler, das 1890 gegründete Textilgeschäft ihrer Familie in ein erfolgreiches E-Commerce-Unternehmen umzuwandeln. Die Firma verkörpert immer noch die Leidenschaft für schöne Wäsche und für den Handel – nur eben in der Onlinewelt. Die Unternehmen wissen, dass ihr Vorsprung nicht auf ewig garantiert ist, und reagieren flexibel auf Veränderungen wie Digitalisierung und Globalisierung. Sie entwickeln neue Produkte oder erschließen sich neue Geschäftsfelder. Rege Forschung und Entwicklung erhöhen die Chance auf rasches Wachstum, stellte das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) in einer aktuellen Studie zu schnell expandierenden Firmen fest. Den Erfolg teilen die Unternehmen mit ihren Mitarbeitern. Ein wichtiger Punkt, denn wer zügig größer wird, sucht ständig zusätzliche Fachkräfte. So erstaunt es nicht, dass fast alle Wachstumsstars intensiv damit beschäftigt sind, qualifizierte Mitarbeiter zu finden. „Fachkräfte mit Spezialwissen, die gut ins Team passen, sind rar“, weiß Christian Nuber, Geschäftsführer des Brauereianlagenbauers BrauKon. Er setzt darauf, dass die Auszeichnung als besonders wachstumsstarkes Unternehmen auch die Aufmerksamkeit von umworbenen Fachkräften erregt. Zu Bayerns Best 50 zu zählen wirkt nicht nur auf Bewerber, sondern auch auf potenzielle Kunden. Die staatliche Auszeichnung gilt als Qualitätsgarantie und ist damit ein hervorragendes Marketinginstrument. „Wir werden oft gefragt: Wo sind die Hidden Champions im Mittelstand?“, sagt Claudia Schlebach, Abteilungsleiterin Unternehmensförderung bei der IHK für München und Oberbayern. „Mit einer Bewerbung um diesen Preis können die Firmen selbst die Initiative ergreifen, um für alle sichtbar zu werden.“ 2016 nahmen 2 000 Unternehmen am Wettbewerb Bayerns Best 50 teil. Eine neutrale Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die zur Vertraulichkeit verpflichtet ist, traf eine Vorauswahl, prüfte die Bilanzen und führte Gespräche in den Unternehmen. Die daraus ermittelten Preisträger liefern einen guten Querschnitt durch den bayerischen Mittelstand. Sämtliche Unternehmensgrößen und Branchen sowie alle bayerischen Regionen sind vertreten. Die stärkste Gruppe, nämlich 21 der 50 Unternehmen, kommt aus Oberbayern. Vier dieser ausgezeichneten Hidden Champions erläutern auf den folgenden Seiten ihre Erfolgsstrategie.

Für Bier mit Charakter

Natürlich war es ein Risiko, gegen die Großen der Branche anzutreten. Brauereianlagenbauer gab es in Deutschland bereits genug. Die Gründer von BrauKon aber nutzten vor 14 Jahren sehr entschlossen ihre eigenen Erfahrungen in dieser Branche: Mit dem Start ihres Unternehmens 2003 reagierten sie auf den Trend aus den USA zu mehr Regionalität und damit zu kleineren Brauhäusern. „Anders als die großen Konzerne, die Masse produzieren, brauchen die mittelständischen Brauereien Anlagen, mit denen sie flexibel sind. Sie wollen ihre verschiedenen Biersorten auch in kleinen Mengen in höchster Qualität brauen“, sagt Christian Nuber (48), einer der beiden Geschäftsführer der BrauKon GmbH, die entsprechende Lösungen anbietet. Das Unternehmen liefert heute weltweit innovative Brauereianlagen, die speziell für die Anforderungen von mittelständischen Brauereien und Craft-Brewern konzipiert sind: wirtschaftlich, energiesparend und individuell auf den Charakter des Biers abgestimmt, das der Kunde brauen will.

Trendsetter im E-Commerce

Was das Unternehmen am meisten prägt, hat sich über ein Jahrhundert nicht verändert: die Leidenschaft für schöne Wäsche und den Handel. In allen anderen Bereichen aber war der Wandel radikal: Reich Online Services, dessen Wurzeln auf ein 1890 gegründetes Textilgeschäft in Rosenheim zurückgehen, zählt heute zu den führenden Wäscheanbietern im Internet. Karin Stäbler (57), die 1986 den Familienbetrieb übernahm, hat den Schritt in die digitale Welt mit großem Engagement erfolgreich gemanagt. Für die vier Webshops onmyskin, calida-shop, craft-sports und taubert-shop arbeiten mittlerweile knapp 80 Mitarbeiter – und das Unternehmen wächst weiter. „Unsere Kunden schätzen das umfangreiche Sortiment, die schnelle Logistik, unsere Beratung und vor allem unseren liebevollen und perfekten Service“, sagt Karin Stäbler. Die Zufriedenheit der Kunden ist für sie eine der wichtigen Voraussetzungen, um sich im E-Commerce selbst gegenüber großen Wettbewerbern durchsetzen zu können.

Leidenschaft fürs Automobil

Einen solch rasanten Aufstieg hatte selbst das Gründerteam nicht erwartet: Die ASAP Holding GmbH startete 2010 in Gaimersheim bei Ingolstadt mit 80 Mitarbeitern. Gut sechs Jahre später ist der Dienstleister für die Automobilbranche an neun Standorten vertreten und beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter. Zwei Erfolgsfaktoren nennt Michael Neisen (53), Vorsitzender der Geschäftsführung der ASAP Gruppe, für das schnelle Wachstum: ein erfahrenes Management mit viel Kompetenz und breitem Netzwerk in der Branche, dazu die richtigen Leistungsfelder. ASAP unterstützt Hersteller und Zulieferer der Automobilindustrie mit umfassenden Dienstleistungen rund um die Entwicklung. Mit einem Fokus auf Zukunftstechnologien gehören Produkt- und Funktionsentwicklung in den Megatrends E-Mobilität, autonomes Fahren und Connectivity zu den wichtigsten Arbeitsfeldern. Die Auszeichnung Bayerns Best 50 sieht Geschäftsführer Neisen vor allem als Anerkennung für die Beschäftigten: „Nur durch die Kreativität und die Tatkraft aller Mitarbeiter konnten wir uns in den vergangenen Jahren derart gut entwickeln.“

Perfektion beim Kochen

Die Wünsche von Profiköchen realisieren: Die Rational AG, das 1973 von Siegfried Meister gegründete Familienunternehmen aus Landsberg, ist mit dieser Geschäftsidee sehr weit gekommen. Sie ist weltweit Markt- und Technologieführer für thermische Speisezubereitung in Profiküchen. „Unser Ziel ist es, den größtmöglichen Kundennutzen zu erreichen, und nicht in erster Linie, den Gewinn oder den Aktienkurs zu steigern“, sagt Vorstandschef Peter Stadelmann (51). Ein weiterer Erfolgsfaktor sei die Konzentration auf ein klar umrissenes Aufgabenfeld: Rational perfektioniert das Kombi-Dampfgaren, eine Technologie, die das Kochen in der Profiküche erleichtert. „Durch diese Spezialisierung werden wir ständig besser und sind den Wettbewerbern immer voraus.“ Zur Basis des Erfolgs gehöre auch, dass Rational seine Mitarbeiter als „Unternehmer im Unternehmen“ führe: „Jeder Mitarbeiter muss verantwortlich denken, dem Kunden so helfen, wie dieser es nicht erwartet hätte“, sagt Stadelmann.