Bauer AG

Der Umbau

Der Unternehmer Thomas Bauer ringt um einen vorbildlichen Generationenübergang – zum Wohle der Firma und der Familie. CORNELIA KNUST

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Thomas Bauer, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Bauer AG, Foto: Bauer AG

»Der Chef ist der Chef«, sagt Thomas Bauer über das Familienunternehmen – und meint damit nicht sich selbst. Er war jahrzehntelang die Nummer eins, seit November 2018 ist er es nicht mehr. Der 63 Jahre alte Tiefbauunternehmer in siebter Generation hat die Führung an einen familienfremden Manager abgegeben. Ihn und die übrigen drei Vorstände – darunter sein Sohn Florian Bauer (36) – kontrolliert er nun von der Spitze des Aufsichtsrats aus. Der Senior hat in der Firmenzentrale in Schrobenhausen sein Büro geräumt, den Chefparkplatz benutzt er nicht mehr. »Allen im Unternehmen soll klar sein, dass sich etwas geändert hat und dass das so gewollt ist«, erklärt Bauer.

Es sei wichtig, da ganz klar zu sein, die Aufgaben genau abzugrenzen und sich zu disziplinieren. »Das werde ich versuchen«, sagt er und fügt hinzu: »Es wird vielleicht nicht immer hundertprozentig gelingen.« Thomas Bauer will es gut machen, das gilt auch für den Rückzug aus der Firma mit 1,7 Milliarden Euro Umsatz und 11000 Beschäftigten, die 36 Berufsjahre lang sein Leben bestimmt hat. Aus dem Erbe seines Vaters, der aus der 1790 gegründeten Schmiede und späteren Brunnenbaufirma ein technologisch führendes Tiefbauunternehmen gemacht hatte, formte Bauer einen modernen Konzern, der weltweit agiert. 2006 brachte er das Unternehmen an die Börse, weitete die Kapazitäten mutig aus, um dann mit der Finanz- und Wirtschaftskrise einen gewaltigen Rückschlag zu erleben, den das Unternehmen nach wie vor nicht ganz verwunden hat.

Aber es hat überlebt und befindet sich immer noch zu 48 Prozent in Familienbesitz. Der Aktienkurs ist zwar eine Enttäuschung, doch die beobachtenden Analysten empfehlen das Papier wenigstens zum Kauf. »Ich weiß nicht, ob man das heute noch so entscheiden würde«, sagt Bauer rückblickend über den Börsengang. Die damalige Situation bei der Erbschaftssteuer habe diesen Weg erzwungen. »Der niedrige Aktienkurs ärgert uns natürlich. Die Börse bestraft bei Misserfolg sehr hart«, sagt Bauer. »Ganz klar empfindet man das auch als Bewertung der unternehmerischen Leistung.«

Transparenz ist notwendig

Aber der Schritt an den Kapitalmarkt habe auch Vorteile. Man sei als Unternehmen bekannter, finde leichter Führungskräfte, habe das Kapital für das »Riesenwachstum« einfacher auftreiben können, so Bauer. Selbst den Aufwand der Kapitalmarktkommunikation empfindet er nicht als Belastung: »Transparenz ist notwendig, ob man an der Börse ist oder nicht. Der Kunde hat ein Recht darauf zu wissen, bei wem er einkauft.« »Die Familie steht voll hinter dem Unternehmen«, sagt Bauer mit Blick auf die mehr als komfortable Hauptversammlungsmehrheit. »Es ist nicht zu vermuten, dass sich das ändert«. Einen Poolvertrag gibt es, damit die Verschonungsregelung für die Erbschaftssteuer funktioniert.

Bauer und seine Söhne halten einen größeren Anteil innerhalb des Pools. Zwei Brüder von Thomas Bauer arbeiten in leitender Funktion in der Bauer AG, eine Schwester ist Mitglied des Aufsichtsrats. Der neue erste Mann des Hauses heißt Michael Stomberg (48). Der studierte Physiker war zunächst Unternehmensberater, später Geschäftsführer einer Tochter des Mischkonzerns Freudenberg, eines Familienunternehmens, das schon seit 1997 Familienfremde an der Spitze hat. »Wo Familie ist, findet Familienunternehmen statt«, sagt Bauer auf Nachfrage fast ein wenig gereizt.

Das viel beschworene unternehmerische Element werde bei Bauer durch die vier Vorstände erfüllt, von denen einer eben sein Sohn ist. Ein Bauingenieur, der sich im Ausland umgetan hat und voll hinter der Regelung stehe, erst mal nicht die Nummer eins zu sein. Der zweite Sohn, ein Betriebswirt, ist nicht im Unternehmen tätig. »Wann im eigenen Leben ist es richtig, etwas zu tun? Diese Frage muss erwogen werden«, meint Bauer. »Wenn man jemanden zu früh in etwas hineindrängt, dann schadet man dem Menschen und man schadet der Firma.« Der frisch gekürte Aufsichtsratschef will eine aktive Rolle spielen, Kundenkontakte pflegen, seine Erfahrung einbringen: »Es wäre ja ungeschickt, wenn man das nicht nutzte.« Er hat nicht das Gefühl, seine Kinder zur Nachfolge gedrängt zu haben, auch wenn die Firma natürlich immer präsent war: Weihnachtsfeiern,Baustellenbesuche am Rande privater Reisen. »Wir haben das sehr locker gemacht«, meint Bauer. Natürlich gebe es in einem Familienunternehmen immer »zwei Ebenen des Miteinanders«, das sei emotional oft schwierig. Aber man verstehe sich gut.

Risikogeschäft Tiefbau

Was waren die Meilensteine seiner Amtszeit? Bauer scheint vor allem stolz zu sein, im Risikogeschäft Tiefbau die Nerven behalten zu haben, auch unter höchstem Druck: »Diese Erfahrung wünsche ich keinem.« Aber er ist auch selbstkritisch. Nach der Finanzkrise, als alles im Keller war, habe man Projekte angenommen, die sich als schlecht herausstellten, etwa im Nahen Osten. Auch das Iran-Geschäft, auf das man nach dem Atomvertrag setzte, muss nun wieder eingestellt werden wegen der Vorgaben aus den USA.

Die Herausforderungen für die nächste Generation hat der Aufsichtsratschef schnell benannt: Die zunehmende Volatilität des Geschäfts, die Geschwindigkeit der Veränderung, ob durch Krieg, Krisen, Sanktionen oder gesellschaftliche Verwerfungen. Auch die »unglaublich dominante Rolle Chinas in der Entwicklung der Welt« dürfte seine Nachfolger noch beschäftigen. Und ihn selbst. Obwohl er angibt, seine Hobbys stets gepflegt zu haben – Reisen, Segeln, Motorradfahren –, so ist doch das gute Übergeben jetzt seine eigentliche Aufgabe: »Die Firma bleibt das Leben.«