Ausbildung

Anschub für Spätzünder

Nicht immer gelingt der Start in die Ausbildung reibungslos. Ehemalige Fach- und Führungskräfte helfen, wenn Azubis mit den neuen Herausforderungen nicht sofort zurechtkommen. JOSEF STELZER

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© Michaela Rofeld Mit Hilfe der Initiative VerA können Auszubildende die Anforderungen leichter bewältigen

Franz Schropp, langjähriger Leiter der Abteilung Berufsbildung der IHK für München und Oberbayern, war schon ein paar Jahre im Ruhestand, als er ehrenamtlich bei VerA einstieg. Das Kürzel steht für „Verhinderung von Ausbildungsabbrüchen“ und Stärkung von Jugendlichen in der Ausbildung – und ist äußerst erfolgreich. VerA will Auszubildenden helfen, die Anforderungen in der Berufsschule oder im Ausbildungsbetrieb nicht aus eigener Kraft meistern können. Die Initiative unterstützt Azubis ebenso bei unzureichenden Deutschkenntnissen und bei den Prüfungsvorbereitungen. Die ehrenamtlichen Begleiter stehen den Azubis, aber auch den Betrieben als Ansprechpartner zur Verfügung – kostenfrei.

Dass eine Ausbildung vorzeitig endet, ist keineswegs selten. „Durchschnittlich lösen etwa 20 Prozent der Auszubildenden ihren bestehenden Ausbildungsvertrag vorzeitig auf“, weiß Schropp, der als Regionalkoordinator für München und Oberbayern für VerA aktiv ist.

Jugendliche motivieren

Betroffen sind nicht nur die Abbrecher, von denen etwa jeder Zweite nie wieder eine Ausbildung beginnt, sondern auch die Unternehmen. Die Betriebe, die oft viel Engagement in die Berufsqualifizierung gesteckt haben, stehen plötzlich ohne Nachwuchs da und müssen Ersatz suchen. Häufig bleibt der Ausbildungsplatz dann längere Zeit unbesetzt.

Doch Schropp und die ehrenamtlichen Begleiter wissen, wie man Jugendliche motiviert, sodass sie am Ball bleiben und bessere Leistungen in der Berufsschule oder am Arbeitsplatz erreichen. Regelmäßig treffen sich die Begleiter mit den Jugendlichen „unter vier Augen“, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Die Erfolge der VerA-Tandems können sich sehen lassen. „80 bis 85 Prozent aller Begleitungen verlaufen erfolgreich, die Ausbildung wird also in den allermeisten Fällen abgeschlossen“, so Schropp, der 2018 den Bayerischen Verdienstorden für sein Engagement erhielt.

Bernd Großholz, ehemals Logistikleiter einer Volkswagen-Tochtergesellschaft in München, hat bereits mehrere Azubis begleitet. Zu Anfang legt er die Spielregeln fest und versucht herauszufinden, wo die Probleme liegen, etwa im Betrieb, im Umgang mit den Kollegen, in der Schule, im Freundeskreis oder in der Familie. „Die Chemie mit dem Azubi muss stimmen“, fügt Großholz hinzu. Seine Schützlinge, drei davon mit Migrationshintergrund, haben mittlerweile unbefristete Arbeitsverträge in der Tasche.

Erfolgreiche Tandems

Allein in Oberbayern waren inzwischen über 1000 solcher Tandems unterwegs. Jede VerA-Begleitung ist zunächst auf zwölf Monate angelegt, lässt sich aber bis zum Abschluss der Lehre verlängern. Die Ziele der Ausbildungsbegleitung legen die Seniorexperten mit den Jugendlichen gemeinsam fest. Die Experten helfen auch dann, wenn ein Ausbildungsverhältnis tatsächlich vorzeitig beendet wird. Im Tandem, so die Idee, ist ein neuer und besser geeigneter Ausbildungsplatz schnell gefunden. Ludwig Ecker, ehemaliger Leiter der Berufsschule in Mühldorf am Inn, war bislang für zwei Azubis als Begleiter aktiv. Beide haben den Abschluss geschafft. Mit Sebastian zum Beispiel arbeitete Ecker mitunter dreimal pro Woche gemeinsam den Lernstoff durch. Das war auch dringend nötig. Denn der 18-jährige Azubi hatte bei der Zwischenprüfung nur eine glatte Fünf geschafft.

Um zwei Noten verbessert

Sein Ausbildungsbetrieb, eine Metallbaufirma im Landkreis Mühldorf, ergriff nach den schlechten Resultaten die Initiative und nahm den Kontakt zu den Seniorexperten auf. „Anfangs ging Sebastian die Aufgaben in Schule und im Betrieb viel zu unbekümmert an, er war vergesslich und hat sich nicht richtig eingesetzt“, erinnert sich Ecker. Der pensionierte Schulleiter schaffte es, Sebastian so zu motivieren, dass er die Abschlussprüfung schließlich locker bestand. Als Gesamtnote erreichte er sogar noch eine Drei minus trotz der schlechten Ausgangsposition. Besonders erfreulich für den Azubi: Der Ausbildungsbetrieb hat ihn als Mitarbeiter eingestellt. Dass die allermeisten Begleitungen erfolgreich verlaufen, hat sich bereits herumgesprochen. Allein im Juli 2018 erhielt Ecker fünf Anfragen, ob er weitere Azubis unterstützen könne. „Ich mache die Arbeit sehr gerne“, so der Seniorexperte, „doch wir brauchen einfach mehr ehrenamtliche Ausbildungsbegleiter.“