Ausbildung

Fahrt in die Arbeitswelt

Schon zweimal war der Ausbildungsbus in Oberbayern unterwegs. Er bringt junge Geflüchtete mit Unternehmen aus der Region zusammen. In Kürze startet die dritte Fahrt. SABINE HÖLPER

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Junge Geflüchtete auf Tour mit dem Ausbildungsbus. Foto: IHK

Eine Landschaft wie im Bilderbuch, der Himmel blau und wolkenlos – eine Fahrt durchs Berchtesgadener Land ist jedem Touristen wärmstens zu empfehlen. An diesem sonnigen Sommertag im vergangenen Jahr saßen allerdings keine Urlauber im Bus, sondern junge Geflüchtete. Der Ausbildungsbus brachte rund 20 Schüler aus den Integrationsklassen der Berufsschule Freilassing und Teilnehmer der Max-Aicher-Lernakademie zu drei Firmen in der Region.

Der Ausbildungsbus ist eine Initiative des Integrationsteams der IHK für München und Oberbayern. Er will Geflüchtete mit Firmen aus der Region zusammenbringen, um ihnen die Berufsorientierung zu erleichtern. Die jungen Frauen und Männer erhalten einen Einblick in die Berufswelt und erfahren, welche Ausbildungsberufe und Tätigkeiten in den Unternehmen erlernt werden können. Gleichzeitig erhalten die Firmen die Chance, Praktikanten oder Azubis zu finden und so dem Fachkräftemangel entgegenzutreten.

Direkter Kontakt

Bereits zweimal ging der Ausbildungsbus 2017 auf Tour – im Juli in der Region Weilheim und Anfang September im Berchtesgadener Land. Diesen Monat startet der Bus erneut, eine weitere Fahrt ist für den Herbst geplant. Es besteht Handlungsbedarf – da sind sich alle Beteiligten einig. Unternehmen suchen dringend Azubis und Fachkräfte. Gerade in ländlichen Gebieten fehlen oft Bewerber. Gleichzeitig sitzen viele junge Geflüchtete in den Integrationsklassen der Berufsschulen, holen innerhalb von zwei Jahren den mittleren Bildungsabschluss nach und werden auf eine Ausbildung vorbereitet. Danach sind viele von ihnen ausbildungsreif oder haben zumindest so umfangreiche Sprach-, Schreib- und Rechenkenntnisse erworben, dass sie für leichtere Tätigkeiten etwa im Lager einsetzbar sind.

Dennoch fällt es ihnen schwer, sich zu bewerben. Sie kennen die Betriebe und Berufe zu wenig und sind kaum mobil. Der Ausbildungsbus schließt diese Lücke: Er bringt jeweils 15 bis 20 junge ausbildungsreife Geflüchtete mit Unternehmen zusammen. Der direkte Kontakt baut Hürden ab, ermöglicht ein Kennenlernen und stellt die Weichen für Praktika oder Ausbildungsstellen. „Mit unserer Aktion können wir vor allem im ländlichen Raum, wo die Wege weit sind, Geflüchtete für die Ausbildung gewinnen“, sagt Marie-Cathérine Rausch, Integrationsberaterin bei der IHK für München und Oberbayern. „Es ist eine gute Gelegenheit, Ausbildungsbetriebe, die Fachkräfte suchen, mit Geflüchteten unkompliziert zusammenzubringen.“

„Ich war überrascht, wie gut das lief“

Das Unkomplizierte, Lockere der Veranstaltung ist ein enormer Pluspunkt, ebenso die große Praxisnähe. So empfand es Markus Bauer, Ausbildungsleiter für den gewerblich-technischen Bereich bei Motoren Bauer in Weilheim, als der Bus bei ihm Station machte und er zusammen mit Ausbilder Andreas Killermann Einblicke in die tägliche Arbeit eines Kfz-Mechatronikers und eines Feinwerkmechanikers gab. „Alle Anwesenden waren interessiert, alle haben mitgemacht, alle hatten Spaß“, sagt der 39-Jährige.

Ähnlich beschreibt Markus Wurm den gut einstündigen Rundgang durch verschiedene Abteilungen im Hagebaumarkt in Piding. „Ich war überrascht, wie gut das lief“, sagt der 28-Jährige. „Es kamen viele detaillierte Fragen zu den Anforderungen in den Berufen.“ Auch Sabine Salvamoser (50), Bereichsleiterin Personal bei der Modehauskette K&L, fand die Aktion positiv. „Wir konnten zeigen, welche Einsatzmöglichkeiten wir für junge Leute bieten.“ Außerdem seien solche Maßnahmen grundsätzlich sehr sinnvoll. „Unser aller Ziel muss schließlich sein, diese Leute in Lohn und Brot zu bringen.“

Das Weilheimer Unternehmen geht hier mit gutem Beispiel voran: Bereits zwei Geflüchtete fanden in der Logistik Arbeit. Viele Unternehmen sind ähnlich engagiert. Allerdings macht der Freistaat Bayern es den Beteiligten mitunter schwer. Das Integrationsgesetz, das Flüchtlingen unter 21 Jahren eine Duldung für drei Jahre Ausbildung plus zwei Jahre Beschäftigung (3+2-Regelung) genehmigen und ihnen damit den Weg in die Ausbildung erleichtern soll, wird in Bayern nur als Kann-Regelung befolgt.

Das heißt in der Praxis: Behörden machen bei der Duldung Probleme, schaffen bürokratische Hürden und erschweren Geflüchteten den Zugang zum Ausbildungsmarkt. „Bei denen, die sich in einem Anerkennungsverfahren befinden, müssen wir jeden Fall einzeln bei der Ausländerbehörde beantragen“, sagt Barbara Wendorff vom Bildungskolleg Weilheim. Sie unterrichtet Geflüchtete in den Berufsintegrationsklassen des Beruflichen Schulzentrums Schongau. Einige ihrer Schützlinge waren mit dem Ausbildungsbus unterwegs. Vor dem Hintergrund der behördlichen Hürden ist die Initiative umso wichtiger.

Die bisherigen Erfahrungen sind größtenteils positiv. Motoren Bauer etwa konnte aus der Gruppe einen Praktikanten gewinnen. „Der junge Mann tritt das Praktikum im Frühjahr an“, sagt Bauer. Zwar sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht klar, ob daraus auch ein Ausbildungsverhältnis entstehe. Aber der Ausbildungsleiter ist grundsätzlich guter Dinge: Im Unternehmen sind vier von 40 Auszubildenden Asylbewerber. Im September wird ein weiterer Flüchtling eine Ausbildung antreten. Er wird eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker beginnen.