IHK Magazin

Ausbildung: Passender Nachwuchs

Der Leuchtenspezialist Gerg Lighthouse in Baiern hat sich entschieden, in diesem Herbst zum ersten Mal einen Azubi einzustellen. Das Unternehmen erklärt die Gründe. SABINE HÖLPER

Marco Tscherner, CEO, GERG Lighthouse GmbH, Ludwig Oettinger (15), Auszubildender, Technischner Modellbauer,Fachrichtung Karosserie und Produktion
© Wolf Heider-Sawall Firmenchef Marco Tscherner mit Azubi Ludwig Öttinger (r.)

Marco Tscherner, Geschäftsführer der Gerg Lighthouse GmbH, drückt sich gewählt aus. Er spricht von »drei Damen und drei Herren«, die er zum Vorstellungsgespräch geladen hatte. Das waren alle, die sich für den Ausbildungsplatz zum Modell- und Formenbauer bei dem Leuchtenspezialisten aus Baiern beworben hatten. Das Rennen machte schließlich »ein Herr«: Ludwig Öttinger, 16 Jahre alt.

Der Realschüler hatte gute Zeugnisnoten, meisterte den Einstellungstest und überzeugte den Chef auch charakterlich. Als er eine Woche zum Probearbeiten ins Unternehmen kam, konnte er zeigen, dass er motiviert und talentiert ist. Auch nicht unwichtig: Der junge Mann möchte nach der Lehre nicht studieren. Öttinger ist der erste Azubi bei Gerg Lighthouse. Das Unternehmen ist eigenständig, aber 100-prozentige Tochter der Gerg Group, eines führenden Anbieters innovativer Lösungen für die globale Automobil- und Luftfahrtindustrie in den Bereichen Modell- und Formenbau, Composite-Anwendungen und Prototypenbau.

Zu den Kunden des 1984 als 1-Mann-Betrieb gestarteten Unternehmens zählen namhafte Automobilhersteller und Motorsportteams sowie Firmen aus der Luft- und Raumfahrt. In der Gruppe werden Azubis schon seit Längerem eingestellt. Aber der Ableger Gerg Lighthouse, der auf die Entwicklung und Fertigung von Leuchten spezialisiert ist, beschäftigte bislang keine Azubis.

Eigenes Personal qualifizieren

Tscherner (39), der 2017 die Firmenleitung übernommen hat, ist jedoch überzeugt, dass es gar nicht anders geht, als eigene Leute zu qualifizieren: »Es gibt einfach nicht genügend Techniker und Modellformer auf dem Markt, die die Erfahrung mitbringen, die sie bei uns brauchen.« Gerg Lighthouse sei ein »Nischenunternehmen«, die Mitarbeiter müssten sowohl die digitale Welt als auch die analoge der Fertigung beherrschen. Am besten sei es daher, eigene Leute auszubilden – und sie für die speziellen Bedürfnisse im Betrieb fit zu machen. Diese Gedanken hatte der Gerg-Lighthouse-Geschäftsführer schon vor zwei Jahren. Dass er erst jetzt Ernst macht, liegt vor allem daran, dass es im Unternehmen jemanden geben muss, der sich ausreichend um einen Azubi kümmern kann. Das ist gar nicht so leicht, wenn man mit Arbeit bis unters Dach ausgelastet ist.

Das junge Unternehmen ist mit sechs Mitarbeitern gestartet und beschäftigt mittlerweile 15. Nun hat Tscherner einen Teamleiter im Unternehmen zum Ausbilder auserkoren. Er wird wohl rund 30 Prozent seiner Arbeitszeit für die Ausbildung des jungen Mannes aufwenden. Denn auch das ist dem Chef wichtig: »Wir wollen auf hohem Niveau ausbilden.« Das sei eine »Visitenkarte nach draußen« – zumal sich Tscherner vorstellen kann, in den nächsten Jahren weitere Lehrlinge einzustellen. Eine qualitativ hochwertige Ausbildung dient dem Betrieb. Ein Unternehmen, das gute Leute beschäftigt, kann sich im Wettbewerb besser behaupten.

Das gilt umso mehr für eine spezialisierte Firma wie Gerg Lighthouse. »Bereichs-, technologie- und material-übergreifend müssen Kombinationen gefunden werden, um am Ende die perfekten Prototypen und Kleinserien zu fertigen. Das sind Leuchten für Automotive, Architektur, Medizin oder Messeauftritte«, sagt Tscherner. Für den gebürtigen Österreicher ist die Fertigung ab einer Losgröße von eins eines der entscheidenden Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens. Ein weiterer Pluspunkt sei, dass vieles unter einem Dach vereint ist, von der Konstruktion über das Design bis hin zum Bau.

Gleichzeitig ist es schwierig, gut ausgebildete Mitarbeiter mit bereichsübergreifendem Wissen zu finden. Das gilt umso mehr, als das Unternehmen eigenentwickelte Anlagen, vor allem modernste Maschinen aus dem 3-D-Druck, verwendet. Mit der Schaffung eines Ausbildungsplatzes und der Einstellung eines Azubis ist jetzt der erste Schritt getan, Nachwuchs zu qualifizieren. »Wir wollen unser Wissen weitergeben und mit ihm die nächsten Herausforderungen annehmen«, sagt Tscherner.

Positivkultur pflegen

Der neue Azubi kann sich auf eine anspruchsvolle und spannende Ausbildungszeit freuen, die auch einen Einsatz im Hauptwerk in Hohenthann einschließt. Dort lernt er nicht nur das Bedienen von Fräsen, der Aufenthalt dient auch der Kontaktpflege. Der Mutterkonzern und die Tochter seien schließlich eng verbunden, so Tscherner: »Geht es der Gruppe gut, geht es uns gut – und umgekehrt.« Die Gerg-Gruppe betont, dass »eine Lehre bei uns in einem Umfeld stattfindet, wo Lernen zum professionellen Selbstverständnis eines jeden Mitarbeiters gehört«. Neben dem grundlegenden Handwerk und dem nötigen Faktenwissen sollen die Azubis lernen, mit neuen Herausforderungen umzugehen – und das stets mit der Unterstützung von Vorgesetzten und Kollegen. Dabei gelte immer die Haltung, Perfektion anzustreben.

Tscherner erklärt das so: »Natürlich werden Fehler gemacht. Aber aus denen lernt man.« Außerdem bedeute, Fehler machen zu dürfen, die Freiheit zu haben, Neues auszuprobieren. Und dafür hat die Gerg- Gruppe ein schönes Wort geprägt: die »Positivkultur«.