Ausbildung

Glänzende Leistungen

14 Azubis aus Oberbayern wurden in Berlin für ihren herausragenden Abschluss ausgezeichnet. Das Bundesland mit den meisten Top-Absolventen war mal wieder: Bayern. SABINE HÖLPER

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© UDO MEINEL, BERLIN UDO_MEINEL@GMX.DE Elf der 14 Top-Azubis aus Oberbayern.

Bianca Murner ist erst 20 Jahre alt. Aber sie hat bereits so viele Flugmeilen gesammelt wie eine gestandene Geschäftsfrau. Der Grund: Murner wohnt und arbeitet in Bayern, ging aber in Schleswig-Holstein zur Berufsschule. Fast während ihrer gesamten dreijährigen Ausbildungszeit bei der Dr. Johannes Heidenhain GmbH in Traunreut flog sie für den Blockunterricht nach Itzehoe, da es keine adäquate Schule in der Nähe gibt. „Ich fand das toll“, sagt Murner. „Ich mochte die Berufsschule total.“

Die junge Frau schätzte nicht nur die Berufsschule, sie war auch eine exzellente Schülerin. Ihre Ausbildung zur Mikrotechnologin schloss sie als Bundesbeste des Jahrgangs ab. Sie stand daher im Dezember im Berliner Maritim Hotel mit 210 anderen ehemaligen Azubis auf der Bühne. Sie alle wurden bei der Bundesbestenehrung für ihre Spitzenleistungen in der Ausbildung geehrt. Festredner war EU-Kommissar Günther Oettinger. Die Feier war gewohnt spritzig, was auch an der für ihre Schlagfertigkeit bekannten Moderatorin Barbara Schöneberger lag. In diesem Jahr gab es ein weiteres emotionales Highlight: Im Rahmen der Kampagne „Ausbildung macht Elternstolz“ hatten einige Mütter und Väter die Chance, ihren Kindern auf der Bühne zu sagen, wie stolz sie auf sie sind.

14 der diesjährigen Bundesbesten kommen aus Oberbayern. Das ist eine hervorragende Bilanz, die einiges über den Wirtschaftsstandort aussagt. Denn die jungen Leute können noch so intelligent, fleißig und strebsam sein – ein Spitzenergebnis in der Prüfung werden sie in der Regel nur dann erreichen, wenn der Ausbildungsbetrieb sie unterstützt. Das leisten nur Firmen, die in die Ausbildung investieren, die mit modernsten Methoden arbeiten, in denen Equipment und Prozesse vorbildlich sind. Dass die Unternehmen einen großen Anteil daran haben, wenn Azubis Höchstleistungen erzielen, zeigt sich auch daran, dass engagierte Betriebe immer wieder sehr gute Azubis hervorbringen. Ein Beispiel ist die Dr. Johannes Heidenhain GmbH, Murners Arbeitgeber. In diesem Jahr standen gleich zwei Azubis des Herstellers mechatronischer Messgeräte in Berlin auf der Bühne. Nach München, wo ein paar Wochen zuvor Oberbayerns Beste geehrt wurden, schafften es sogar fünf.

Fragt man Bianca Murner, warum ihr Ausbildungsbetrieb so viele Spitzenazubis hervorbringt, betont sie, wie sehr das Unternehmen seine Azubis unterstützt. „Vor den Prüfungen haben wir eine Woche lang Zeit zum Lernen bekommen.“ Die Ausbilder seien jederzeit ansprechbar gewesen. „Wenn ich in eine neue Abteilung gewechselt bin, haben sie immer dafür gesorgt, dass ich dort einen Kollegen habe, der sich um mich kümmert“, erklärt sie. Deshalb habe sie in jedem der 24 durchlaufenen Bereiche „alles mitbekommen“. Und das waren nicht nur die Abteilungen am Hauptsitz. Murner verbrachte einige Wochen bei Tochterfirmen in Jena und Berlin. Die erfahrenen Mitarbeiter stellten den Azubis manchmal besondere Aufgaben. So sollte Murner einmal gemeinsam mit einer Kollegin per Hand Chips auf Bauteilen platzieren. Normalerweise erledigen das Maschinen. Nun zogen die Frauen mit einer Spritze Klebekreuze und justierten die Chips darauf. „Wir waren ziemliche Perfektionisten“, sagt die Bayerin und lacht. „Wir haben zwei Wochen gebraucht.“ All das, da ist sich Murner sicher, habe ihr geholfen, die Ausbildung mit „sehr gut“ abzuschließen. Und sie war nicht die Einzige mit hervorragenden Leistungen. „Ich war nur ein Prozent besser als meine Mitauszubildende“, sagt sie. „Es ist fast ein bisschen schade, dass sie nicht nach Berlin fahren durfte.“

Im zweiten Anlauf

Joshua Wacker hingegen war in Berlin mit dabei. Er schloss seine Ausbildung zum Produktveredler – Textil bei W. L. Gore & Associates als deutschlandweit Bester ab. Für den 20-Jährigen ist das besonders erfreulich. Schließlich war es seine zweite Ausbildung. Zuvor hatte er eine Lehre als Chemikant in einem anderen Betrieb begonnen. Aber „die Ausbildung war nicht gut“, sagt er. „Ich durfte nicht aktiv mitarbeiten.“ Nach vier Monaten entschloss er sich deshalb zu kündigen. Er hielt Ausschau nach anderen Unternehmen und stieß auf W. L. Gore und den Beruf Produktveredler, den er vorher überhaupt nicht kannte. Wacker informierte sich über das Berufsbild und die Firma – und fand Gefallen daran. Er absolvierte ein Praktikum im Betrieb, das seinen „positiven Eindruck bestätigte“. Also bewarb sich Wacker – und wurde fürs nächste Ausbildungsjahr eingestellt. In der Zwischenzeit jobbte er im Supermarkt und machte seinen Führerschein. Mittlerweile arbeitet Wacker als Angestellter in seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb in der Abteilung, in der Membrane hergestellt werden. Er freut sich, dass er übernommen wurde. W. L. Gore sei ein tolles Unternehmen mit einem „super Arbeitsklima“.

Ausbildung macht Elternstolz. Warum Mütter und Väter auf ihre Kinder stolz sind – die Videos der Veranstaltung sind zu sehen unter:Elternstolz