IHK Magazin

Atoss: Ein idealer Plan

Atoss wächst und wächst und wächst. Hinter dem Erfolg des Softwareunternehmens stecken harte Pionierarbeit, hohe Investitionen sowie der Wille, Neuland zu betreten. STEFFI SAMMET

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Atoss-Chef Andreas Obereder Foto: Atoss

Wer mit Andreas Obereder spricht, möchte den Österreicher (60) am liebsten fragen, ob er jemals Zweifel hat, dass seine Visionen nicht Wirklichkeit werden könnten. Vermutlich würde der Firmengründer nur erstaunt aufblicken. Schließlich schreibt die Atoss Software AG seit ihrer Gründung 1987 eine beispiellose Erfolgsgeschichte.

Obereder startete Atoss mit dem Ziel, digitale Lösungen für Personalmanagement auf den Markt zu bringen. Sie sollen Arbeitgebern neben Zeiterfassung, Zutrittskontrolle und strategischer Kapazitäts- auch eine bedarfsgerechte Einsatzplanung ihrer Mitarbeiter ermöglichen. Obereders Vorstellung von digitalen Personalmanagement-Lösungen bescherten Atoss eine fantastische Entwicklung: 2018 steigerte das Unternehmen zum 13. Mal in Folge Umsatz und Gewinn. Seit dem Börsengang 2003 verbesserte sich der Aktienkurs um knapp 1200 Prozent.

Hinter diesem imposanten Werdegang stecken harte Pionierarbeit, Investitionen in Forschung und Entwicklung in Millionenhöhe und der unbedingte Wille, Neues zu schaffen. Seit vielen Jahren zählen beispielsweise die Dax-Konzerne Lufthansa und die Deutsche Bahn zu den Atoss-Kunden, seit 2015 aber auch kleinere Firmen. Ein Schritt, von dem Obereder stets geträumt hat: »Die kleinen Betriebe waren für uns lange nicht erreichbar.«

Dank der Möglichkeit, Software via Cloud zur Verfügung zu stellen, können heute alle Unternehmen unabhängig von ihrer Größe ihr Personalmanagement digital meistern. »Es war lange eine Vision von mir, Malern, Elektrikern, Dienstleistern weiterzuhelfen«, sagt der Atoss-Chef. Mit Crewmeister, einer Software, die Arbeitszeiten, Schichten und Urlaube der Mitarbeiter unkompliziert erfasst und keine Beratung benötigt, »sparen sich die Betriebe etwa zwei Arbeitstage in der Woche«, so Obereder. Geld, das sie für andere Zwecke nutzen können. Die Idee kommt bei den Betrieben gut an: Allein im Jahr 2018 gewann Atoss 1000 Neukunden, die Crewmeister nutzen.

Planen per Smartphone

Atoss kommt dabei der Wandel, dem die Gesellschaft seit mehr als einer Dekade unterliegt, zugute: »Künstliche Intelligenz, selbstlernende Systeme, die Geschwindigkeit, mit der Dinge voranschreiten – Absatz- und Arbeitsmärkte verändern sich unter diesen Bedingungen«, betont Obereder. Im Zeitalter von Industrie 4.0 und digitaler Transformation müssen Unternehmen ihren Mitarbeiterbedarf aufgrund volatiler Auftragslagen, wechselnder Kundenfrequenzen oder saisonaler Spitzen jederzeit an die Situation anpassen können, um im Wettbewerb zu bestehen. Intelligentes Arbeitszeitmanagement, bedarfsoptimierte Einsatzplanung und exakte Personalermittlung seien dafür die Basis. »Und das Smartphone das perfekte Mittel: Von Arbeitszeiterfassung bis hin zur Urlaubsplanung ist es ideal einsetzbar«, sagt Obereder. Mit Excel-Tabellen oder Urlaubskalendern an der Wand ließe sich Personal längst nicht mehr managen.

Noch steckt die Digitalisierung nach Ansicht Obereders in Europa in den Kinderschuhen. Die wachsende Zahl an Kunden, die auf Lösungen von Atoss setzen, zeigt jedoch, dass zumindest in puncto Personalmanagement ein Prozess in Gang gekommen ist: Etwa 6500 Unternehmen in 44 Ländern arbeiten inzwischen mit Atoss-Software. Sie steuern damit circa 3,2 Millionen Arbeitnehmer. 1987 war das so nicht absehbar: Um Gründer Obereder bastelte ein dreiköpfiges Team in einem Hinterhofbüro an einer Standardsoftware für Arbeitszeitmanagement, die für Unternehmen aller Branchen und Größen konzipiert und auf allen Rechnerplattformen lauffähig war. Die Lösung überzeugte von Beginn an: Schon vier Jahren später zählten die Deutsche Bahn und der Pharma-riese Bayer zum Atoss-Kundenstamm.

Visionen realisieren

Schon damals nahm der Gründer viel Geld in die Hand, um die Software kontinuierlich zu verbessern. Eine Strategie, die er bis heute verfolgt. Jährlich investiert Atoss 20 Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung. »Damit gehören wir laut dem EU Industrial R&D Investment Board zu den 1200 investitionsstärksten Softwareunternehmen Europas«, sagt Obereder. Es sei selbstverständlich, dass Atoss seinen Kunden über die Jahre hinweg jeden technologischen Wandel ermögliche.

Viel Geld in die Entwicklung zu stecken ist das eine. Der Erfolg von Atoss gründet indes auf Visionen, an denen die Entwickler hart arbeiten. Seit 1995 beispielsweise bietet Atoss seinen Kunden die Möglichkeit, Zeiterfassung und Personaleinsatzplanung über eine gemeinsame Datenbank zu managen. So lassen sich komplexe Analysen aller Zeitprozesse erstellen. 1999 setzte Atoss als erstes Unternehmen der Branche seinen Web-Client komplett auf Java auf. »Das hat viel Entwicklungspower gekostet«, erzählt Obereder. In den Folgejahren brachte Atoss kontinuierlich neue Versionen auf den Markt – die neueste zuletzt 2019.

Das Potenzial, das in dem Einsatz dieses ausgetüftelten Workforce-Managements steckt, ist erstaunlich: So ist es einem Dienstleister mit 600 Mitarbeitern in vier Jahren gelungen, 1,3 Millionen Euro einzusparen. Ein großer Logistiker reduzierte die unproduktive Arbeitszeit um 30 Prozent. Für diese Effizienz hat Obereder eine simple Erklärung parat: »Nehmen Sie eine Handelsfiliale mit 25 Mitarbeitern im 2-Schicht-Betrieb – da müssen Sie für den Dienstplan drei Ebenen berücksichtigen: Wann ist der Kunde vor Ort? Welchen Mitarbeiter kann ich wann einsetzen? Welche Qualifikationen braucht er? Welche gesetzlichen Vorgaben gelten?« Für den Plan ergäben sich angesichts aller Eventualitäten unfassbar viele Möglichkeiten. »Damit ist jeder Mensch überfordert. Ein Programm aber präsentiert den idealen Plan in kürzester Zeit.«

Naturgemäß versteht Obereder auch die Kritik am jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs zur Arbeitszeiterfassung nicht: »Der technologische Wandel macht es uns leicht: Mittels Smartphone lassen sich Arbeitszeiten einfach erfassen.« Auch wenn Obereder mit der Entwicklung von Atoss hörbar zufrieden ist – die nächste Vision verfolgen er und die aktuell etwa 500 Mitarbeiter bereits: »Wir wollen die Internationalisierung vorantreiben«, sagt er. Die Atoss-Software sei zwar schon von Japan bis in die USA im Einsatz, »aber wir ziehen mit unseren Kunden um die Welt. Da wollen wir Boden gut machen und das operative Geschäft ausbauen.«

Atoss zählt 14 Standorte in Europa. Wer Obereder kennt, weiß, dass der Österreicher alles dransetzen wird, seine Pläne von einem global agierenden Unternehmen zu realisieren: Mit seinen Softwarelösungen will er das Personalmanagement verändern – und zwar weltweit. Ganz nach dem Erfolgsprinzip von Computergenie und Apple-Gründer Steve Jobs: »Verändere das Universum mit deiner Vision!«.