Alpma

Erfolg in der Nische

Mit technologischen Innovationen für die Käseproduktion stieg der Maschinenbauer Alpma in 70 Jahren zum unumstrittenen Marktführer auf. Die Geschichte einer gelungenen Spezialisierung. STEFAN BOTTLER

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Alpma-Anlage für Blauschimmelkäse. Foto: Alpenland Maschinenbau

In kaum einem anderen US-Bundesstaat spielt die Milchwirtschaft eine derart wichtige Rolle wie in Wisconsin. In diesem „cheese state“ genannten Landstrich an der kanadischen Grenze steht seit Anfang 2018 die wohl weltweit größte Käseherstellungsanlage. Auf einer 83 Meter langen Produktionsstraße wird Blauschimmelkäse entmolken, portioniert, gelüftet, gewendet, gesalzen und für den bis zu 60-tägigen Reifeprozess vorbereitet. So kann die kanadische Saputo, mit 7,2 Milliarden Euro Umsatz eine der zehn größten Molkereien der Welt, ihren Marktanteil an der nordamerikanischen Blauschimmelkäseproduktion auf 60 Prozent hochtreiben. Die Technik dazu stammt aus Oberbayern.

Denn Hersteller der rund 3500 Quadratmeter großen Rekordanlage ist die Alpma Alpenland Maschinenbau GmbH in Rott am Inn. „Die in über zwei Jahren entwickelte Anlage verkörpert eindrucksvoll die Stärken von Alpma“, findet Geschäftsführer Gisbert Strohn (59). In mehr als 70 Jahren ist das 1947 gegründete Familienunternehmen zum unumstrittenen Branchenprimus in einem Nischenmarkt aufgestiegen – und hält sich dort. Mit 780 Mitarbeitern setzt es jährlich 140 Millionen Euro um.

Spezialist für den gesamten Produktionsprozess

Das Erfolgsrezept? „Alpma-Technologie kann den gesamten Produktionsprozess von der Rohmilchannahme bis zur Produktverpackung abbilden“, erklärt Strohn. „Mit vielen unserer weltweit rund 400 Kunden haben wir Produktionstechnologien konzipiert und kontinuierlich weiterentwickelt.“ Gleichzeitig wurden globale Märkte erschlossen. Auf internationalen Fachmessen wie der Anuga FoodTec in Köln, auf der Alpma seit über 30 Jahren präsent ist, akquirierte das Unternehmen zahlreiche europäische, amerikanische und asiatische Kunden. Jeden zweiten Euro verdient die Firma im Ausland. Sieben internationale Tochterunternehmen betreuen die Kunden vor Ort.

Den Grundstein für diesen Erfolg legte Gründer Gottfried Hain, der in den 1930er-Jahren den Molkereibetrieb Alpenhain von seinen Eltern übernommen hatte. Als der begnadete Tüftler, der eigentlich Ingenieur werden wollte, eine Verpackungsmaschine entwickelte, konnte er deren Effizienz in der eigenen Molkerei täglich testen und verbessern. Diese Kombination aus Erfindergeist und Praxisnähe erwies sich als äußerst ertragreich.

Das neue Unternehmen, das Hain 1947 gründete, konnte vom Start weg anderen Molkereien marktreife Maschinen verkaufen. Sein Sohn Gottfried Hain junior entschied sich für eine Laufbahn im Maschinenbau und realisierte den ursprünglichen Berufswunsch seines Vaters. Er absolvierte an der Technischen Universität München ein Ingenieursstudium und übernahm 1960 die Geschäftsführung von Alpma. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Firma bereits die ersten Auslandskunden, vor allem in Frankreich, gewonnen.

Hain junior entwickelte nicht nur ein internationales Vertriebsnetz mit Tochterfirmen in wichtigen europäischen Ländern, sondern trieb auch die technologische Entwicklung voran. Während seiner über 40-jährigen Geschäftsführung erlebte die vollmechanisierte Käseproduktion ihren Durchbruch.

Zum Vorzeigeprodukt des Unternehmens entwickelten sich in den 1970er-Jahren Produktionsstraßen, in der Fachsprache auch Koagulatoren genannt: Sie verarbeiten in wenigen Stunden mehrere 10000 Liter Rohmilch zum sogenannten Käsebruch. Aus diesem wird nach Entnahme der Molke das Endprodukt hergestellt. Auch in der Schneide- und Verpackungstechnik setzte Alpma mit mechanisierten und automatisierten Technologien Maßstäbe. „Wir haben uns auf Lösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette fokussiert“, sagt Strohn. Er ist seit 2005 in der Geschäftsführung, zunächst zusammen mit dem Sohn von Gottfried Hain junior, der jedoch 2007 mit erst 42 Jahren starb. Seit 2010 teilt sich Strohn die Unternehmensleitung mit dem Betriebswirt und Controller Frank Eberle. Die Unternehmerfamilie ist über einen Beirat mit dem Gründerenkel Martin Hain als Vorsitzenden eingebunden.

Mit ihrer Strategie hängt Alpma den Wettbewerb in der Prozess-, Käserei-, Schneide- und Verpackungstechnik ab und sichert sich gleich in vier Feldern die Marktführerschaft. Das Unternehmen entwickelt mit seinen Kunden die vorhandenen Maschinen und Anlagen ständig weiter. „Unsere Auftraggeber wollen die Produktausbeute und die Produktionssicherheit erhöhen“, sagt Strohn. Mit minimalen Milchmengen maximale Käsevolumina herstellen, lautet die Herausforderung. Dabei setzen die Spezialisten aus Rott auf neueste Technologien.

Auf Kundenwünsche zugeschnitten

Viele Anlagen werden mit Universalrobotern optimiert, die Alpma genau auf die Anforderungen der Kunden konfiguriert. Auch Software und Schnittstellen stammen von den Oberbayern. „Wir wollen mit unternehmenseigenem Know-how das Konzept der Smart Factory realisieren und investieren permanent in neue Technologien“, erklärt Strohn.

Dabei hilft eine große Wertschöpfungstiefe: Jede Anlage enthält 50 bis 60 Prozent Komponenten aus eigener Produktion. Für viele Maschinen muss Alpma lediglich Getriebe-, Motor- und Elektroteile hinzukaufen. „Wir sichern so unsere Flexibilität für kundenspezifische Lösungen“, so der Alpma-Chef. Als entscheidende Herausforderung sieht Strohn die Suche nach Technikern und Ingenieuren. „Gegenwärtig finden wir noch im Umkreis von 50 Kilometern Fachkräfte“, sagt der Geschäftsführer.

Er weiß, dass sich das auch ändern könnte. So investiert Alpma kräftig in den beruflichen Nachwuchs. Am Stammsitz in Rott lernen rund 60 Azubis. Die Ausbildung gilt als vorbildlich. In der Studie „Deutschlands beste Ausbildungsbetriebe“ von „Focus“ und „Focus Money“ in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg erreichte Alpma den 1. Platz in der Branche Maschinenbau. Auf hervorragend qualifizierten Nachwuchs ist das Unternehmen auch angewiesen, denn es will weiterwachsen. Vor allem in Nordamerika und Indien sieht Strohn das Marktpotenzial noch längst nicht ausgeschöpft.