IHK-Empfang 2018

Wirtschaftspolitik und Popcorn

Bestes Wetter, knapp 300 entspannte Gäste, ein optimistischer Zukunftsforscher und ein mahnender IHK-Präsident: Der IHK-Empfang 2018 brachte Wirtschaft und Politik in intensiven Gesprächen zusammen.

Deutschland hechelt von Krisentreff zu Krisentreff

"Desillusioniert am Spielfeldrand", so charakterisierte IHK-Präsident Eberhard Sasse nicht nur die Situation der deutschen Fußballnationalmannschaft nach dem frühen Aus bei der Weltmeisterschaft, sondern auch die Lage in Deutschland. Bei der Regierungsbildung habe der Mut gefehlt, statt dessen sei "Weiter so" das Leitmotiv gewesen.

Damit lasse sich den Herausforderungen nicht erfolgreich begegnen. So wirke sich die Unsicherheit über den Brexit inzwischen auf die Unternehmen aus. Unternehmen wie BMW und Airbus hätten bereits angekündigt, ihre Produktionsstandorte in Großbritannien zu überprüfen, sollte es zu einem „harten Brexit“ kommen. Kopfzerbrechen bereitet dem IHK-Präsidenten auch die Situation in den USA. Die Sorge stehe im Raum, dass auch auf dem wichtigsten Exportprodukt aus Bayern, Autos made in Germany, ab Herbst Zölle in Höhe von 20 oder gar 25 Prozent in den USA drohen.

Die Verkettung großer Herausforderungen aus dem Ausland, so Sasse, sorge dafür, dass es der Politik immer weniger gelingt, Visionen für die Zukunft zu entwerfen. "Stattdessen hecheln wir von Krisentreff zu Krisentreff", klagte er.

In diesem Prozess kommt es zu einer schleichenden Entfremdung. Zwischen Politik, Wirtschaft und den Bürgern.

Eberhard Sasse, Präsident der IHK für München und Oberbayern

Ansatzpunkte für eine zukunftsfähige Wirtschaftspolitik

Sasse forderte die Unternehmen auf, ihre Sorgen deutlich zum Ausdruck zu bringen. Er bemängelte, dass nach wie vor der Trend zur Akademisierung anhalte und die Duale Ausbildung zu wenig Wertschätzung erfahre. Dringend notwendig sei es, der Infrastruktur mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Für zentral wichtig hält es der IHK-Präsident, die deutschen Familienunternehmen zu stärken. "Es sind gerade diese oft von Familienunternehmern getragenen Betriebe, die unserer Region wirtschaftlich prägen. Sie sind es, die mit ihren Beschäftigungs- und Ausbildungsstrategien Unternehmen aus aller Welt magisch anziehen."

Der Popcorn-Test

Lars Thomsen Zukunftsforscher
© Goran Gajanin (IHK) Zukunftsforscher Lars Thomsen

Zukunftsforscher Lars Thomsen faszinierte mit seinem Popcorn-Test, den er nach seinen Aussagen auch bei Einstellungstests nutzt. Er setzt die Aspiranten vor einen Topf mit Öl, in dem Maiskörner zu Popcorn verarbeitet werden sollen und fragt, wie lange es noch dauere. Gnade vor seinen Augen finden nur Bewerber, die ihr Smartphone nutzen, nachschauen, wie lange es dauert, wenn das Öl die richtige Temperatur erreicht hat und zugleich mit dem Thermometer auszurechnen in der Lage sind, wann die Temperatur stimmt.

Seine Prophezeiung, dass bereits in vier Jahren jeder einen persönlichen Assistenten in Roboterform habe, der ihm einfache Arbeiten abnehme, stieß auf Erstaunen. Laut Thomsen werde sich die Künstliche Intelligenz so rasend entwickeln, wie sich das bislang kaum einer vorstellen könne. So wisse der Haushaltsroboter sehr schnell, welche Frühstücksvorlieben man habe. Hier verlaufe die Entwicklung nicht linear, sondern exponentiell - wie auch bei der Popcorn-Zubereitung. Denn wenn erst einmal ein Maiskorn geplatzt ist, geht es ganz schnell.