Exponat Mai 2018

Messen: ‎„Feste des Fortschritts“‎

Die Ursprünge der Messe in München liegen im 19. und 20. Jahrhundert. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv betreut die Überlieferung der Messe von den ersten Anfängen bis heute.

Münchens Aufstieg zum internationalen Messeplatz setzte um die Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Den Auftakt bildete die Allgemeine deutsche Industrie-Ausstellung 1854. Eigens für diese Schau hatte man den Glaspalast errichtet. Für die Kühlung der großen Halle sorgten drei Springbrunnen.

König Maximilian II. wollte mit dieser Präsentation ein Zeichen gegen die Vorrangstellung englischer Fabrikerzeugnisse und französischer kunstgewerblicher Produkte setzen. Trotz des Ausbruchs der Cholera in München kamen rund 200.000 Besucher. Rasch folgten weitere Ausstellungen, doch der Glaspalast wurde mehr und mehr zum Veranstaltungsort für Kunstausstellungen. Für die Industrie- und Gewerbeausstellungen ab den 1880er Jahren wurden provisorische Bauten am Isartorplatz und auf der Kohleninsel – der heutigen Museumsinsel – errichtet.

1888 veranstaltete der Allgemeine Deutsche Gewerbe-Verein anlässlich seines 40-jährigen Bestehens die I. Kraft- und Arbeitsmaschinen-Ausstellung. Carl Benz zeigte dort neben einigen Gasmotoren dem staunenden Publikum seinen Patentmotorwagen. Zehn Jahre später veranstaltete man die II. Kraft-und Arbeitsmaschinen-Ausstellung. Die 496 Aussteller kamen aus dem damaligen deutschen Reich und auch aus dem Ausland. Als besondere Attraktion wartete auf die 600.000 Besucher eine Wasserrutsche in die Isar mit einer Höhe von 13,5 Metern.

Allmählich setzte sich die Idee durch, ständige Bauten für alle künftigen Ausstellungen zu schaffen. Vor 110 Jahren – im Mai 1908 – eröffnete auf dem neu gebauten Messegelände auf der Theresienhöhe unter dem Titel „München 1908“ eine „Kunsthandwerks-, Industrie-, Gewerbe- und Handels-Ausstellung“. Dank einer modernen Öffentlichkeitsarbeit fand sie das Interesse von rund drei Millionen Besuchern. Bis zum Umzug der Messe München an den neuen Standort auf dem ehemaligen Flughafengelände in Riem 1998 war das Areal hinter der Bavaria Schauplatz für eine ständig wachsende Zahl an Messen und Ausstellungen.

Die Gründung der Messe München GmbH 1964 legte den Grundstein für ein professionell gestaltetes Messewesen. Das BWA betreut die historische Überlieferung der Messegesellschaft, die auch Quellensplitter zum Ausstellungswesen des 19. Und frühen 20. Jahrhunderts enthält. Außerdem finden sich bildliche und schriftliche Zeugnisse zu Industrie- und Gewerbeschauen in den Sammlungsbeständen des BWA.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des bayerischen Wirtschaftsarchivs