BWA Exponat September 2018

Die Riemerschmid-Handelsschule für Mädchen

Im 19. Jahrhundert waren die Möglichkeit von Mädchen, einen Beruf zu ergreifen, sehr beschränkt. Erst der Likörfabrikant Riemerschmid erkannte die Misere und ergriff die Initiative. Er gründete die Riemerschmid-Handelsschule für Mädchen im Jahr 1862 in München.

Am 11. September öffnen sich wieder für Bayerns Berufsschüler die Schultüren. Vor rund 250 Jahren war das für Mädchen noch nicht üblich. Um ihre Bildung war es damals nicht zum Besten bestellt. Zwar nahm 1822 die erste städtische höhere Töchterschule in München den Betrieb auf. Doch erschlossen Einrichtungen wie diese kaum praktische Berufsmöglichkeiten. Viele Frauen waren damals nicht in der Lage, eine eigene Familie zu gründen oder sich ihren eigenen Lebensunterhalt zu verdienen. Die Arbeit in der Fabrik galt nicht als standesgemäß, sie waren auf Unterstützung angewiesen.

Es war der Münchner Likörfabrikant Anton Riemerschmid, der diese gesellschaftliche Problematik in ihrer ganzen Tragweite erkannte. Er rief 1862 auf eigene Kosten die erste Mädchenschule in Deutschland zur Ausbildung weiblicher Bürokräfte ins Leben. Unterstützung fand er bei seinem Prokuristen Matthias Reischle. Der gebürtige Augsburger hatte in Südeuropa gearbeitet und war geschäftlich viel im Orient auf Reisen gewesen, bevor er sich in München niederließ. Mit Ideenreichtum und Improvisationsgeschick wurde die Ausstattung der Schule organisiert.

Die Stadt stellte Schulbänke, Lehrerkatheder und Tafel zur Verfügung. Reischle verfasste ein Unterrichtswerk über Buchführung, das dann auch bei der städtischen Handelsschule für Knaben eingesetzt wurde. August Schimon, der Besitzer des Hotels „Vier Jahreszeiten“ stiftete 100 Gulden für Lehrmittel, die den Schülerinnen kostenlos zur Verfügung gestellt wurden. Sie hatten auch kein Schulgeld zu bezahlen. Der Unterricht teilte sich in Fächer wie kaufmännisches Rechnen, einfache und doppelte Buchführung, deutsche und französische Sprache. Das Aufnahmealter lag bei 13 Jahren. Gleich zu Beginn meldeten sich 43 Mädchen, allerdings schafften nur 25 Kandidatinnen den Schuleintritt.

Anton Riemerschmid setzte sich sehr für die Zukunft der Handelsschülerinnen ein und stellte gleich eine Absolventin bei sich ein. Auch die Augustinerbrauerei erkannte frühzeitig das Potenzial der Riemerschmid-Schülerinnen. Vor 120 Jahren ging schließlich 1898 die Trägerschaft der Lehranstalt unter dem Namen „Städtische Riemerschmid Wirtschaftsschule“ auf die Stadt München über.