Bayerisches Wirtschaftsarchiv: Exponat September 2017

‎„O’druckt is!‎

Die Lithographie nahm in München ihren Ursprung: Dort entwickelte Alois Senefelder im Jahr 1797 das neuartige Druckverfahren. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv BWA hat eine umfangreiche Sammlung von graphischen Blättern.

Das graphische Gewerbe in München

Der junge Schauspieler und Stückeschreiber Alois Senefelder war ordentlich verärgert, als die Druckerei sein Bühnenwerk nicht rechtzeitig lieferte und ihm sein Verleger das vereinbarte Honorar nicht auszahlte. Der verhinderte Autor beschloss darauf hin, den Satz und Druck seiner Werke selbst in die Hand zu nehmen, und das Ganze für kleines Geld.

Vor 220 Jahren brachte er 1797 in München das Lithographie-Verfahren auf den Weg, das der Drucktechnik völlig neue Gestaltungsmöglichkeiten eröffnete. Senefelder trug seine Motive mit Fettkreide oder -tusche auf eine plan geschliffene Steinplatte aus den Solnhofener Kalksteinbrüchen auf, benetzte die Fläche dann mit fettabweisendem Gummiarabikum und walzte anschließend die fetthaltige Farbe darüber. 1834 machten die Steinplatten den leichteren Zinkplatten Platz, mit denen dann um 1900 der Offset-Druck kam. Die Druckindustrie entwickelte sich in der Kunststadt München zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor. Firmen wie Brend’amour, Simhart & Co gehörten zu den bedeutendsten graphischen Anstalten in Deutschland. Die Verlagsdruckerei von Rudolf Oldenbourg beschäftigte vor dem Ersten Weltkrieg knapp 500 Mitarbeiter.

Das Bayerische Wirtschaftsarchiv verfügt über eine umfangreiche Sammlung von graphischen Blättern zu einer Vielzahl von Themen. Illustrierte Zeitschriften wie das 1858 gegründete Wochenblatt „Über Land und Meer“ verwendeten noch keine Fotografien, sondern setzten Grafiken zur Bebilderung ihrer Beiträge ein.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs