Exponat November 2021

„Eine der ersten Gesellschaften München“: die Schwadron der Pappenheimer

Netzwerken historisch: Die Schwadron der Pappenheimer führte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts alles zusammen, was Rang und Namen hatte. Ein ebenso nützliches wie vergnügliches Unterfangen, wie das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeigt.

In Schillers Drama „Wallenstein“ appelliert der Feldherr an die Treue seiner Gefolgsleute: „Ich kenne meine Pappenheimer“. Als sich 1857 angesehene Honoratioren der Residenzstadt München zur Gesellschaft der Schwadron der Pappenheimer zusammenfanden, dachten sie aber nicht an das Theaterstück. Der Vereinschronist führt vielmehr die „staunenswerte Sesshaftigkeit“ der Mitglieder an.

Sie wollten aber nicht bei einem Glas Bier die „herkömmlichen Bierbankgespräche“ führen, sondern eine künstlerische Atmosphäre mit höherem gesellschaftlichen Niveau schaffen. Treibende Kraft und Seele der Schwadron war der Konditor Ludwig Gampenrieder, der sich frühzeitig vom Geschäft zurückziehen konnte und bis zu seinem Tod 1896 als „Ceremoniar“ wirkte. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die eigene Schwadrons-Kapelle, für die Gampenrieder noch im höheren Alter den Kontrabass spielen lernte. Zu den Höhepunkten im Jahreslauf zählten Festabende, bei denen auch Theaterstücke aufgeführt wurden. Für das Stiftungsfest 1907 etwa verfasste der langjährige Hoftheaterintendant Ernst Ritter von Possart ein Festspiel und trat selbst als Wallenstein auf.

Das Haus in der Salvatorstraße 8, das die Schwadron 1899 kaufte, verfügte im ersten Stock über einen Gesellschaftsraum mit Bühne. Besondere Bedeutung kam den Banketten zu, bei denen die als „Reiter“ titulierten Mitglieder in der Gewandung des Dreißigjährigen Kriegs erschienen. Die Schwadron der Pappenheimer verfügte über hohes gesellschaftliches Ansehen. Am Bankett 1875 nahmen Herbert von Bismarck, der Sohn des Reichskanzlers und der preußische Gesandte Georg Freiherr von Werthern teil. Die Münchner Presse vermeldete tags darauf, dass es bei dem Pappenheimer-Abend „stark gepreußelt“ habe.

Neben hohen Beamten, Akademikern, Künstlern und Offizieren gehörten auch Unternehmerpersönlichkeiten von Rang und Namen der Schwadron der Pappenheimer an. So lud Geheimrat Friedrich von Mildner, Generaldirektor der Löwenbrauerei, im Sommer gern zu Treffen in seinem Privatgarten in der Brauerei ein. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv dokumentiert exemplarisch das Wirken dieser liebenswürdigen geselligen Vereinigung.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs