Exponat November 2017

‎„Im Zeichen des Vergissmeinnicht“: Der Harbni-Orden

Eine ironisch gefärbte Schwärmerei fürs Mittelalter prägte den Harbni Orden im München vor allem Ende des 19. Jahrhunderts. Der Orden, dem Professoren, Wissenschaftler und Künstler angehörten, bestand bis zum Jahre 1981, Erfahren Sie mehr über seine Geschichte.

„Treffen sich drei Deutsche, gründen sie einen Verein“, heißt es in einem alten Witz. In einer Untersuchung aus dem Jahr 2014 geht die British American Tobacco-Stiftung für Zukunftsfragen von rund 600.000 Vereinen in Deutschland aus. Das Vereinsleben hat hierzulande Tradition.

Bereits im 19. Jahrhundert blühte eine Vielzahl von Freundeskreisen, Künstlergesellschaften, Vereinen und Kränzchen. Ab 1850 nahm in Bayern die Zahl sprunghaft zu, weil bei den nichtpolitischen Zusammenschlüssen die staatliche Genehmigungspflicht wegfiel. Damals gründete sich in München der Harbni-Orden – ein Geselligkeits-Verein wider den tierischen Ernst, der spielerisch mittelalterliches Ritterleben pflegte und bis 1981 bestand. Der Name ging wohl auf eine Zeile in einem alten Volksmusiklied zurück: „s‘Deandl is harb auf mi“.

Die Mitglieder kamen aus der Oberschicht der königlich-bayerischen Residenzstadt. Es waren Professoren, Künstler, hohe Beamte und Offiziere, Kommerzienräte, Medizinalräte, die sich Ritter-Namen gaben und damit auch ansprachen. So verbarg sich hinter dem schönen Titel „Banzenburg der Fehltafinger“ kein anderer als der Brauereibesitzer August Pschorr. Zu den Höhepunkten im Vereinsjahr zählte das Ordensfest, bei dem sog. Novizen ihren Ritterschlag erhielten. Zur Anziehungskraft des Ordens trugen auch die „Lätizel“ bei, selbst verfasste Theaterstücke, die die Harbni-Mitglieder mit großer Hingabe zum Gaudium des geladenen Publikums zur Aufführung brachten.

Zu den Raritäten in unseren Beständen gehört die - leider bruchstückhafte - Überlieferung des Harbni-Ordens. Seine Mitglieder betrieben die damals weit verbreitete Schwärmerei für das Mittelalter mit einem Augenzwinkern und viel geistreichem Humor. Ein gern gesehener Gast im Harbni-Orden war der Wasserkraftpionier und Elektrotechniker Oskar von Miller.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs