Exponat Mai 2020

Historische Kinderzeitschriften

Kindermagazine sind keine neue Entwicklung: Bereits in den 1930er Jahren waren welche am Markt. Dabei hatte die Zeitschrift "Dideldum" schon einiges im Portfolio, was auch heutige Kindermagazine gerne drucken.

‎„Hier funkt Käppen Bidebux“: Historische Kinder-Kundenzeitschriften

Sie heißen „medizini“, „YUMMI“, „kinatschu“ oder „Bimbo“: bunte Kinderzeitschriften mit Comics, Sachinfos, Mitmachideen und schönen Fotos. Als vermutlich erstes Magazin für junge Leser in Deutschland erschien bereits 1772 das „Leipziger Wochenblatt für Kinder“ zum Preis von 6 Pfennig und enthielt Märchen, Rätsel und Lehrgedichte.

Zu den originellsten und erfolgreichsten Heften der Zwischenkriegszeit gehörte die Comiczeitschrift „Dideldum“, die der Illustrator und Autor Otto Waffenschmied (1901-1971) gestaltete. Der gebürtige Wiener hatte in seiner Heimatstadt die Kunstgewerbeschule absolviert. Nach einem Aufenthalt in Dänemark ließ er sich in Hamburg nieder und gab von dort aus ab 1929 „die lustige Kinderzeitung“ heraus. Das Kindermagazin konnte beim Verlag abonniert werden und war im Zeitschriftenhandel erhältlich.

Aber auch Kaufhäuser, Bekleidungs- und Schuhgeschäfte verteilten die farbigen Blätter gerne als Zugabe und nutzten so die Möglichkeit zur Kundenbindung. Größter Abnehmer war dabei das Haus Karstadt. Doch auch die Münchner Kinder mussten nicht auf die beliebten Geschichten von Max und Miki oder die Abenteuer von Käppen Bidebux verzichten. „Dideldum-Hefte“ gab es kostenlos beim Kaufhaus Oberpollinger.

Aber auch andere Comiczeitschriften fanden ihre begeistere Leserschaft. Das Kaufhaus Hertie verteilte zweimal im Monat die Zeitschrift „Schmetterling“. Das Schuhhaus Novak oder das Kaufhaus Horn hielten dagegen das Magazin „Kiebitz“ für die kleine Kundschaft bereit.

Otto Waffenschmied, konnte nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr an den früheren Erfolg anknüpfen. Auch die anderen Kinderzeitschriften sind vermutlich nicht mehr aufgelegt worden. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv übernahm vor kurzem eine ganze Reihe dieser bunten Kindermagazin-Raritäten aus den 1930er Jahren.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs