Exponat Juli 2017

‎„Mit allem Comfort der Neuzeit“: Hotels in München‎

Zwischen 1902 und 1908 wuchs die Anzahl der Fremden in München rasant. Gleichzeitig gab es immer mehr Hotels. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv hat eine Vielzahl von historischen Zeugnissen.

Wenn dem bayerischen König Ludwig I. (1786-1868) der Sinn nach einem gepflegten Wannenbad stand, so ging er dazu in das Hotel Bayerischer Hof. Die eigene Residenz konnte diese hochmoderne Annehmlichkeit noch nicht bieten. Der Monarch hatte den Industriellen und späteren Eisenbahnpionier Joseph Anton von Maffei dazu überredet, ein Hotel für vornehme Reisende zu eröffnen.

Kein Geringerer als der königliche Lieblingsarchitekt Friedrich von Gärtner baute das ehemalige Wirtshaus am Promenadeplatz zu einer Luxusherberge um. Sie nahm 1841 den Betrieb auf. Der Fremdenverkehr entwickelte sich zu einem wichtigen Zweig des Münchner Erwerbslebens. „Die Stadt wird wegen ihrer Schönheit von jedermann bewundert“, hieß es in einem Führer von 1852.

Dem anspruchsvollen Touristen stand eine ganze Reihe von Edelhotels zur Verfügung. 1858 begrüßte das neue Hotel „Zu den vier Jahreszeiten“ in der Maximilianstraße den ersten Gast. Seit 1892 bot das Hotel Continental in der Max-Joseph-Straße 4 „wie in einem Fürstenpalais vornehme Zimmer und Salons“. 1908 eröffnete das Regina-Palast-Hotel am Maximiliansplatz, bis zu seiner Schließung 1975 eine der beliebtesten Faschingshochburgen Münchens. Ein kurzes Dasein war dem Hotel Oberpollinger in der Neuhauser Straße beschieden. 1903 musste es einem Kaufhaus weichen, das noch heute seinen Namen trägt.

Zwischen 1902 und 1908 kletterte die Zahl der gemeldeten Fremden in München von rund 331.000 auf etwa 538.000 Personen. Entsprechend nahm das Hotel- und Pensionswesen einen starken Aufschwung. Im Wirtschaftsarchiv hat sich eine Vielzahl von bildlichen Quellen kleinerer und größerer Übernachtungsbetriebe erhalten.

Harald Müller M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs