Exponat Januar

Schnupftabak: Genuss für die Nase

"Wann i an Schmai hätt..." - das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet die Geschichte des Schnupftabaks nach, ein heute nicht mehr allzu gebräuchliches Genussmittel. Und das auch damals nur geographisch begrenzt auf Anklang stieß: Der Versuch der Schnupftabak-Firma Bernard, jenseits des Ärmelkanals Fuß zu fassen scheiterte.

Kann man sich vorstellen, wie die feurige Zigeunerin Carmen in der gleichnamigen Oper ihren späteren Liebhaber Don José mit einer Prise Schnupftabak umgarnt? Wohl eher nicht, und doch öffnete 1677 in Sevilla die erste Schnupftabakfabrik ihre Pforten. Zunächst ein Wundermittel gegen Kopfschmerzen, Zahnweh und Husten, trat das delikate Niespulver seinen Siegeszug in Europa an.

In Deutschland entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts die ersten Fabriken. 1733 gründete Johann Nikolaus Bernard im hessischen Offenbach seine Schnupftabakfabrik, die von Anfang an florierte. Die wohlhabenden Bernards und die angeheirateten d’Orvilles pflegten die Bekanntschaft mit dem Geheimrat Goethe und liebten die Musik. Aus Zollgründen entstand 1812 im bayerischen Regensburg eine Zweigfabrik.

Ein echter Verkaufsschlager wurde der „Schmalzlerfranzl“: ein geriebener Brasiltabak, der 1894 als Warenzeichen eingetragen wurde und damit zu den ältesten deutschen Markenartikeln gehört. Die Bezeichnung „Schmalzler“ ist nicht zufällig. Der „Schmai“ wurde tatsächlich mit Fett angemacht und in einem geheimen Verfahren aromatisiert. Heute produziert die Schnupftabakfabrik ihre Traditionsmarken wie „gekachelter Virginie“ oder „Original Schmalzlerfranzl“ in Sinzing. Vielleicht hatte der junge Kaufmann Alois Pöschl auch Bernard-Schnupftabake im Sortiment, wenn er als Verkäufer in ganz Bayern unterwegs war. 1902 eröffnete er seine eigene Brasiltabakfabrik. Heute gilt das in vierter Generation geführte Familienunternehmen mit Sitz in Geisenhausen bei Landshut als weltweit größter Produzent von Schnupftabak.

Der Archivbestand der Schnupftabakfabrik Gebr. Bernard im Bayerischen Wirtschaftsarchiv gibt Einblick in ein heute eher weniger bekanntes Kapitel der Genussmittelfabrikation. Ende des 18. Jahrhunderts versuchte Bernard mit einer Niederlassung jenseits des Ärmelkanals Fuß zu fassen. Doch das englische Abenteuer scheiterte, und in der Folge hatte das Unternehmen mit verärgerten Anlegern zu tun.

Harald Müller, Wissenschaftlicher Mitarbeiter des BWA