Exponat Januar 2018

Blaugas aus Bayern

Ursprünglich für die Beleuchtung gedacht, erfuhr Blaugas als Antriebsmittel für Zeppeline große Aufmerksamkeit.

Als 1928 das Luftschiff „Graf Zeppelin“ zu seiner großen Nordamerika-Fahrt startete, trieb das von dem in Bayern ansässigen Wissenschaftler Hermann Blau entwickelte Blaugas die Motoren an. 30.000 Kubikmeter Gas waren in großen Behältern im unteren Teil des Schiffs zu beiden Seiten des Laufgangs untergebracht. Nach 111 Stunden landete der Zeppelin in Lakehurst und wurde dort begeistert empfangen.

Der Erfinder Hermann Blau hatte in München studiert. Nach langjährigem Forschen war es ihm gelungen, ein Kohlenwasserstoffgas von hohem spezifischem Gewicht wie etwa dem Gewicht der Luft herzustellen. Dieses Gas kam zunächst als leicht transportfähiges und preiswertes Leuchtgas bei Leuchttürmen, Eisenbahnwagen oder Schiffen sehr erfolgreich zum Einsatz.

1903 gründete Blau zusammen mit dem Ballonfabrikanten Kommerzienrat Ludwig August Riedinger in Augsburg eine Fabrik und produzierte dort das ungiftige hellfarbene Gas. Aus dem Augsburger Unternehmen ging die Deutsche Blaugas-Gesellschaft hervor, die Fabriken in Wien, Budapest, Bukarest, St. Petersburg, in Nordamerika und Kuba ins Leben rief. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte sich die weitere Verbreitung des elektrischen Lichts gegenüber der Gasbeleuchtung durch und die Nachfrage nach Blaugas sank mehr und mehr. Außerdem kam das Propangas als Nebenprodukt bei der Raffinerie von Erdöl auf. Bereits 1933 wurde die Blaugasfabrik in Augsburg wieder abgebaut.

Allerdings erlebte das Blaugas einen unerwarteten Aufschwung durch den Luftschiffbau. Da dieses Gas in etwa so schwer wie Luft war, konnten große Mengen des Betriebsstoffs mitgeführt werden, ohne den Zeppelin unnötig zu belasten. 1929 errichtete daher der Zeppelin-Luftschiffbau in Friedrichshafen eine eigene Produktionsanlage. Mit der Einstellung des Luftschiffverkehrs endete die Zeit des Blaugases für immer.

1944 starb der Chemiker Hermann Blau im Alter von 73 Jahren in Stephanskirchen bei Rosenheim. Seine Enkelin hat dem Wirtschaftsarchiv die noch in der Familie vorhandenen Unterlagen anvertraut. Damit sind wichtige Quellen zu einem heute nahezu vergessenen bayerischen Erfolgsprodukt erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich.

Harald Müller M.A. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs