Exponat Januar 2017

Aluminium vom Inn

1917 gegründet, lieferten die Aluminiumwerke in Töging am Inn zu ihren Hochzeiten 40.000 Tonnen des Leichtmetalls. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Hütte zu den größten Aluminiumwerken in Deutschland. 1990 ging die Produktion zu Ende, 1996 wurde das letzte Ofenhaus abgeschaltet. Die Geschichte der Aluminiumwerke in Töging zeichnet das Bayerische Wirtschaftsarchiv nach.

Im bitterkalten Hungerwinter 1916/17 wurde die Steckrübe – auf bayerisch „Dotschn“ – für breite Bevölkerungskreise zum wichtigsten Lebensmittel. Auf dem Speisezettel standen Steckrübensuppe, Steckrübenauflauf, Steckrübenkoteletts, Steckrübenmarmelade und Steckrübenbrot. Mit Fortschreiten des Ersten Weltkriegs wurde auch die Versorgung mit kriegswichtigen Metallen immer angespannter. Vor allem das dringend benötigte Kupfer konnte in Deutschland nur noch zum Teil geliefert werden. Als Ersatz kam das neue Leichtmetall Aluminium zum Einsatz, dessen Zufuhr über die Schweiz aber zunehmend gefährdet war.

1917 gründeten daher das Deutsche Reich, der Bayerische Staat, die Berliner Allgemeine Elektrizitäts-AG (AEG), die Berliner Siemens-Schuckert-Werke und die Gebrüder Giulini GmbH aus Ludwigshafen in München die Innwerk Bayerische Aluminiumwerke AG. Sie sollte in dem kleinen Bauerndorf Töging am Inn eine Aluminiumhütte und in unmittelbarer Nachbarschaft eine Wasserkraftanlage für den ungeheuren Strombedarf dieser Fabrik errichten. Ausschlaggebend für die Wahl des Standorts waren die hohe Fließgeschwindigkeit des wasserreichen Inns und die natürliche Geländestufe, die für die Energiegewinnung genutzt werden konnten. Doch erst im Frühjahr 1919 begannen die Bauarbeiten am Innkanal. 1924 lieferte die Töginger Hütte schließlich das erste bayerische Aluminium.

1925 wurde die Aluminiumhütte in Töging vom Kraftwerk getrennt, die Produktion ging auf die Vereinigten Aluminiumwerke (VAW) über. In der NS-Rüstungspolitik spielte der bayerische Betrieb eine wichtige Rolle. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs lag die Produktion bei 40.000 Tonnen Aluminium. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Töginger Hütte zu den größten Aluminiumwerken in Deutschland. In den 1990er Jahren endete die Herstellung dieses Leichtmetalls am Inn. 1996 wurde das letzte Ofenhaus abgeschaltet. Die wechselvolle Geschichte des Unternehmens ist im Bayerischen Wirtschaftsarchiv dauerhaft dokumentiert.“

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs