Exponat Dezember 2020

‎„Der Berg ruft“: Der Salvator auf dem Nockherberg

Erst illegal, dann Kult - die Geschichte des Starkbiers und des Nockherbergs zeichnet Richard Winkler nach. Ursprünglich war der Ausschank des süffigen Biers illegal. Den offiziellen Segen bekam er bereits 1837 durch König Ludwig I.

Ein kleiner Weg in Münchens Stadtteil Au-Haidhausen erinnert heute noch an ihn, den Brauer Franz Xaver Zacherl (1772-1849). 1806 pachtete er die ehemalige Brauerei der Paulanermönche und kaufte sie schließlich. Der geschäftstüchtige Bräu knüpfte an die klösterliche Starkbiertradition an und schenkte mit großem Erfolg den hochprozentigen Gerstensaft aus, zunächst in der Brauerei selbst, danach im Neudecker Garten und seit 1861 auf dem Nockherberg.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs, erzählt in seinem neuen Buch „Der Salvator auf dem Nockherberg“ die Geschichte des weltberühmten Starkbieres, des damit verbundenen Salvatorfestes und der Salvatorprobe von den Anfängen bis zur Gegenwart. Zacherl beglückte zunächst illegal die durstigen Münchner mit dem starken Hopfengetränk. Doch das Verbot ließ sich auf Dauer nicht halten. 1837 erteilte König Ludwig I. höchstselbst die Genehmigung für den Ausschank, elf Jahre später galt die Erlaubnis dann in ganz Bayern.

Zacherls Erben sorgten dafür, dass der Salvator auf Dauer das bekannteste Starkbier Bayerns blieb. 1896 sicherte sich die Paulanerbrauerei das exklusive Recht an der Marke. Bis heute markiert der Salvatoranstich den Auftakt zur „fünften Jahreszeit“ in Bayern. Wie Richard Winkler ermittelte, reicht die von der Paulanerbrauerei inszenierte Salvatorprobe in ihren Ursprüngen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg entfaltete sie hohes kabarettistisches Format. Fast drei Millionen Fernsehzuschauer verfolgen alljährlich die Live-Übertragung auf dem Nockherberg.

2016 haben wir die historische Überlieferung der Paulanerbrauerei übernommen. Dr. Richard Winkler hat diesen wertvollen Quellenfundus bewertet und inhaltlich erschlossen. Für den neuen Band in unserer Schriftenreihe spürte er darüber hinaus eine Vielzahl bislang unbekannter Quellen im Stadtarchiv München und den bayerischen Staatsarchiven auf.

Dr. Eva Moser, Leiterin des Bayerischen Wirtschaftsarchivs