Exponat Dezember 2017

‎„Verkehrswirtschaftliche Treibkraft von hoher Bedeutung“: Die Localbahn AG ‎München

Bis 1905 verfügte die Localbahn AG München bereits über 901 Bahnkilometer und galt damit als "verkehrswirtschaftliche Treibkraft".

1902 setzte der bayerische Schriftsteller Ludwig Thoma mit der gleichnamigen Komödie den Lokalbahnen ein literarisches Denkmal. In seinem Bühnenstück wogt in der fiktiven Gemeinde Dornstein – gemeint war Traunstein – ein Streit um Für und Wider eines neuzeitlichen Bahnanschlusses.

Zwar bestanden damals bereits die großen Verkehrsnetze der Eisenbahn. Doch es waren private Gesellschaften, die örtlich getrennte, wirtschaftlich und technisch ganz verschieden gelagerte Strecken einrichteten und den schon vorhandenen angliederten. 1887 wurde die Localbahn-Actiengesellschaft in München gegründet. Dahinter standen die Lokomotivfabrik Krauß & Co und die Lokalbahn-Bau- und Betriebsunternehmung Lechner & Krüzner. Schnell kam das Unternehmen in Schwung. Bis 1905 verfügte es bereits über 901 Bahnkilometer. Zu den ersten Bahnen gehörte die - später verkaufte - Feldabahn in Sachsen-Weimar, die Verbindung Ravensburg-Weingarten in Württemberg und die Bahn Sonthofen-Oberstdorf im bayerischen Allgäu. 1889 folgte die Walhalla-Bahn von Stadtamhof (Regensburg) nach Donaustauf. 1890 wurde der erste Spatenstich an der Strecke Fürth-Zirndorf-Cadolzburg gesetzt. Wichtig für den aufkommenden Ausflugsverkehr wurde der Bau der Isartalbahn von München nach Bichl, die 1898 fertiggestellt wurde.

Die Localbahn setzte aber auch auf andere Verkehrsmittel und eröffnete 1905 mit fünf Automobilen eine Verbindung von Kochel nach Walchensee und Mittenwald. Es war der erste öffentliche Kraftwagenbetrieb in Bayern. Die Lokalbahn AG engagierte sich frühzeitig in Österreich und auch in Ungarn, wo sie mehr als 700 Kilometer Bahnstrecke kontrollierte. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs geriet die Gesellschaft in Schieflage. Der Verlust der ungarischen Bahnen und die Weltwirtschaftskrise machten ihr sehr zu schaffen. 1938 erfolgte schließlich das endgültige Aus.

Noch vor der offiziellen Betriebseröffnung der Linie Füssen – Markt Oberdorf hatte die Localbahn eine traurige Pflicht zu erfüllen. Sie transportierte am 18. Mai 1889 den Leichnam der Königinmutter Marie von Bayern. Obwohl das Unternehmen schon vor rund 80 Jahren seine Tätigkeit einstellte, haben sich seine Spuren im Bayerischen Wirtschaftsarchiv erhalten.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchiv