Exponat August 2020

Der Verband Reisender Kaufleute

Der Verband reisende Kaufleute VRKD hatte im Jahre 1919, 25 Jahre nach seiner Gründung, bereits 13.000 Mitglieder sowie ein Vermögen von 5 Millionen Mark. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte der Verband nicht mehr an diese Zeiten anknüpfen. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv zeichnet seine Geschichte nach.

‎„Reisen! O Lust!“

Bis zu seiner Auflösung durch die Nationalsozialisten gehörte der Verband reisender Kaufleute Deutschlands (VRKD) zu den bedeutendsten berufsständischen Zusammenschlüssen des Kaiserreichs. 1884 fand in der Buchhändlerbörse zu Leipzig die Gründungsversammlung statt. Treibende Kraft war der Handelsreisende Romeo Julius Schröder. Zu den besonderen Anliegen der Vereinsgründung zählten die finanzielle Vorsorge für Krankheit und Alter sowie die Absicherung der Familie im Todesfall und der kostenlose Rechtsschutz. Bereits 1885 hatte der VRKD 1.073 Mitglieder und umfasste acht Sektionen. Sprachrohr wurde „Die Post reisender Kaufleute“, die ab 1891 regelmäßig erschien. Breiten Raum nahmen in dieser Zeitschrift Stellengesuche und -angebote ein. Das Selbstbewusstsein des Verbands fand auch im gesellschaftlichen Bereich seinen Ausdruck. Herrenabende, Karnevalsfeiern und Stiftungsfeste gehörten in den einzelnen Sektionen zum festen Bestandteil des Verbandslebens. Wie die noch erhaltenen Menükarten zeigen, wussten die Handlungsreisenden gut zu speisen. Anlässlich des 25-jährigen Jubiläums konnte der VRKD eine stolze Bilanz präsentieren: fast 13.000 Mitglieder und ein stattliches Vermögen von über fünf Millionen Mark. Die Sektionen reichten von Bremen bis München. Mit einem Mitgliederstand von rund 30.000 Handlungsreisenden erreichte der VRKD Anfang der 1930er Jahre seinen Höhepunkt. Nach Kriegsende fand die Wiedergründung 1946 in Düsseldorf statt. Doch konnte der VRKD nicht mehr an seine ursprüngliche Bedeutung anknüpfen. Schließlich wurde die Verbandsarbeit nur noch auf ehrenamtlicher Grundlage von München aus betrieben.

Die Überlieferung des VRKD im Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist seltenes Zeugnis eines weitgehend unbekannten Berufsstands, der wie kaum ein anderer als Meinungsbildner gewirkt hat. Zu den besonderen Erinnerungsstücken aus der Glanzzeit des Verbands zählen die Ehrenabzeichen für langjährige Mitgliedschaft.

Harald Müller M.A., wiss. Mitarbeiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs