Exponat April 2022

„Stetige Aufwärtsentwicklung“: Die Anfänge der Chemieindustrie in Bayern

Die chemische Industrie trieb die Industrialisierung in Bayern voran. Das Bayerische Wirtschaftsarchiv dokumentiert diese wichtige Branche.

Sein Name ist untrennbar mit der Erfindung eines kräftigenden Fleischextrakts verbunden, wie er heute noch in Brühwürfeln zu finden ist: Justus von Liebig (1803-1873). Mit seinen weitgefächerten Forschungen begründete der bedeutende Chemiker auch die moderne Mineraldüngung, die die Erträge der Landwirtschaft steigerte.

1852 – vor 170 Jahren - holte ihn der bayerische König Max II. nach München. Unter Beteiligung Liebigs entstand in Heufeld am Inn eine erste Fabrik zur Herstellung von Superphosphatdünger. Frühzeitig entwickelten sich in Franken die Städte Nürnberg und Fürth zu Zentren der chemischen Industrie. Bereits 1772 wurden in Grub am Forst bei Coburg Blaufarben hergestellt. In Schweinfurt spezialisierte man sich auf Mineral- und Lackfarben. So waren die Tapeten in Friedrich von Schillers Weimarer Wohnhaus mit dem sog. Schweinfurter Grün gefärbt.

Führend in der chemischen Industrie wurde das sog. linksrheinische Bayern – die Pfalz. 1865 eröffnete Friedrich Engelhorn in Ludwigshafen die Badische Anilin- & Sodafabrik“ (BASF). Seit 1908 siedelten sich zwischen Trostberg, Töging am Inn und Burghausen an der Salzach zahlreiche chemische Betriebe an. Sie nutzten für ihre energieintensive Produktion die Wasserkraft von Inn und Alz. Heute ist das sog. Chemiedreieck ein wichtiger Standort der petrochemischen Industrie.

Die chemische Industrie entwickelte sich in Bayern zu einer Haupttriebkraft der zweiten Industrialisierungswelle im Bereich der Produktionsgüter. Im Bayerischen Wirtschaftsarchiv ist diese für den Freistaat wichtige Branche in ihrer vielfältigen Ausprägung dokumentiert.

Dr. Richard Winkler, stv. Leiter des Bayerischen Wirtschaftsarchivs