Europäischer Dialog

Energiedialog zur Europäischen Energieunion

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© Philippe Veldeman, Photographer EU-Kabinettchef Biervert, bayerischer Unternehmer Wagner, Europaagbeordnete Niebler, tschechischer Kraftwerksbetreiber Pavlas, flämischer Energieerzeuger Davidts, IHK Vizepräsident Bieberbach, österreichischer Energieexperte Stadler, Abteilungsleiterin des schwedischen Unternehmerverbandes Fleming, Moderator Butters und Chefin der bayerischen Landesvertretung Schretter (v.l.n.r.)

Sicher, nachhaltig und wettbewerbsfähig – so soll sie aussehen, die Energieversorgung der Zukunft in der Europäischen Union. Da herrschte Einigkeit bei einer hochrangig besetzten Veranstaltung zur Europäischen Energieunion in Brüssel, die der Bayerische Industrie- und Handelskammertag (BIHK) in der bayerischen Repräsentanz in Brüssel ausrichtete. Repräsentanten des Europäischen Parlaments, der EU-Kommission sowie von Verbänden und Unternehmen aus fünf europäischen Regionen stellten sich im Grundsatz hinter die vor einigen Jahren eingeleitete Energiewende hin zu mehr Erneuerbaren Energien und weniger konventionellen Brennstoffen. Sie mahnten jedoch Planungssicherheit und markwirtschaftliche Rahmenbedingungen an. Florian Bieberbach, Vizepräsident der IHK für München und Oberbayern und Geschäftsführer der Stadtwerke München, drängte auf „ökonomische Effizienz“. Die CSU-Europaabgeordnete Angelika Niebler unterstützte die Forderung massiv: „Wir wollen eine klimafreundliche Energieversorgung, müssen jedoch das Abwandern von Industrieproduktion verhindern.“ Das gelte gerade für Bayern mit seinen vielen Schlüsseltechnologien. Der stv. Kabinettschef von EU-Vizepräsident Sefcovic, Bernd Biervert, stellte die EU-weite Harmonisierung der Erneuerbaren sowie die Energieeffizienz ins Zentrum der europäischen Energieunion.

Mit einer besseren Rechtsetzung, weniger administrativem Aufwand, flexibleren Großhandelsmärkten und einer kostengünstigen Integration der Erneuerbaren in den Markt will die EU die Energiewende in allen Mitgliedsstaaten einheitlich voranbringen. Dies ist der Grundsatz des am 30. November veröffentlichten EU-Paketes, das mehrere Richtlinien, Arbeitspläne und Legislativvorschläge enthält und die Energieunion vollenden soll.

Die Wirtschaftsvertreter auf dem Podium wiesen darauf hin, dass abgeschottete Strommärkte und unterschiedliche Strompreise in Europa belegen, dass der Strombinnenmarkt noch nicht vollendet ist. Bayerische Unternehmen sind in Europas Mitte in besonderem Maße an der Versorgungssicherheit eines großen Strombinnenmarktes, an freiem Stromhandel und gleichen Wettbewerbsbedingungen interessiert.

An der Diskussion beteiligten sich neben dem IHK Vizepräsidenten Bieberbach, EU-Kabniettchef Biervert und der Europaabgeordneten Niebler, der oberfränkische Textilunternehmer August Wagner, der flämische Erzeuger erneuerbarer Energien, Michel Davidts, die Vertreterin des schwedischen Unternehmerverbandes, Maria Sunér Fleming, der österreichische Energieexperte aus der Papierwirtschaft, René Stadler sowie der Geschäftsführer des größten tschechischen Kraftwerkes, Luboš Pavlas.

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Experten aus Bayern und Schweden diskutieren über europäische Energiepolitik

Bayern und Schweden sind sich näher als gedacht. Davon überzeugte sich eine Expertendelegation aus Bayern beim energiepolitischen Dialog der schwedischen und bayerischen Wirtschaft, am 16. Juni 2016, in Stockholm. Mit dabei waren für den Bayerischen Industrie- und Handelskammertag: August Wagner, Geschäftsführer der J.G. KNOPF´S SOHN GmbH & Co. KG in Helmbrechts, Andrea Miller, Leiterin des Brüsseler Büros der Stadtwerke München, Christian Horzetzky, zuständig für Public Affairs beim Übertragungsnetzbetreiber TenneT TSO GmbH mit Sitz in Bayreuth und Professorin Veronika Grimm, Leiterin des Bereichs Economy am Energie Campus Nürnberg. Insgesamt nahmen 20 Experten aus der Energiewirtschaft, der Industrie, der Forschung, von Übertragungsnetzbetreibern und Verbänden aus beiden Regionen teil.

Die bayerische und die schwedische Wirtschaft stehen vor ähnlichen Herausforderungen bei der Energiewende: Beide Regionen nutzen bei den erneuerbaren Energien zu einem großen Anteil Wasserkraft und Biomasse. Bei den Konventionellen setzen sie bisher hauptsächlich auf Kernenergie. Dies ändert sich allerdings in Kürze in Bayern. Bis 2022 werden alle Kernkraftwerke in Deutschland abgeschaltet. Deshalb, so sehen es auch die schwedischen Experten, ist der europäische und innerdeutsche Netzausbau von besonderer Bedeutung, auch für den schwedischen Strommarkt. Die bayerischen Teilnehmer waren beeindruckt von der erfolgreichen und wirtschaftsfreundlichen schwedischen Energie- und Klimapolitik. Die Schweden haben eine starke Industrie, den europaweit größten Anteil an erneuerbaren Energien am Endenergieverbrauch und die niedrigsten Pro-Kopf-Emissionen.

Die Experten wollen den Austausch fortführen, um gemeinsam an der Umsetzung einer europäischen Energieunion zu arbeiten.